Zunächst zu Hardware und Zubehör:
Auf der Oberseite des Geräts (auf dem Foto links vom "TerraTec" Schriftzug) befindet sich der Infrarot-Empfänger für die Fernbedienung. Wer die Fernbedienung also benutzen will, sollte das Teil an einen Front-USB-Anschluß, einen externen Hub oder ein USB-Verlängerungskabel stecken (das mitgelieferte USB-Verlängerungskabel ist mit seinen gut 20 cm Länge keine große Hilfe), damit der IR-Empfänger in Sichtweite der Fernbedienung liegt.
Das Koaxialkabel wird über einen Adapter an eine winzige, nicht vertrauenerweckende Buchse am "Hinterteil" des Sticks gesteckt ("vorne" ist für mich das Ende mit dem USB-Stecker). Bislang hält aber alles. Die Kabelpeitsche mit Cinch- und S-Video-Eingang kommt in eine ebenfalls winzige Buchse an der Seite.
Die DVB-T-Antenne bringt hier, in einer eher kleinen Stadt, keine befriedigenden Ergebnisse (in Großstadt oder Ballungsgebiet kann es anders aussehen), mit der guten alten Zimmerantenne von anno dazumal funktioniert es aber sehr gut. Der Magnetfuß der Antenne ist sehr magnetisch, dafür ist der zusätzliche Saugfuß nicht sehr saugstark.
Nach dem Anstecken des Sticks fällt auf, daß er schnell warm wird. Dafür genügt es bereits, wenn er mit Strom versorgt wird, z. B. durch einen externen Hub, selbst wenn der Computer abgeschaltet ist und der Stick somit gar nichts zu tun hat.
Nach dem Anschluß an Rechner und Kabelanschluß kann es, speziell in älteren Häusern, zu Störungen wie Brummen oder, wie bei mir, zu einem Flackern des Computermonitors kommen. Dann braucht man wahrscheinlich einen so genannten "Mantelstromfilter" mit galvanischer Trennung. Der wiederum dämpft das Signal etwas, verschlechtert also die Empfangsqualität, wodurch man dann eventuell noch einen Signalverstärker benötigt. Im ungünstigsten Fall muß man also noch ein bißchen in zusätzliche Technik investieren, um den Stick störungsfrei nutzen zu können.
Die Dekodierung von analogem Teletext funktioniert bei mir nicht wirklich zufriedenstellend, während mein alter Röhrenfernseher keine Schwierigkeiten hat, obwohl er ein leicht schlechteres Signal bekommt als der USB-Stick.
Die automatische Erkennung des Seitenverhältnisses funktioniert nur bei Digitalprogrammen, eine analoge PalPlus-Sendung im 16:9-Format wird nicht erkannt und als 4:3 dargestellt, eine manuelle Anpassung ist aber möglich.
Inwieweit die Probleme mit Teletext und Seitenverhältnis an Software oder Hardware liegen, kann ich nicht bestimmen.
Bei der Software habe ich mich hauptsächlich mit dem "TerraTec Home Cinema" beschäftigt, dem Programm zum Ansehen und Aufzeichnen von Sendungen. Die Software ist ganz brauchbar, hat aber einige Schwachstellen. Bei mir wollte sie zunächst überhaupt nicht starten. Die Anleitung empfiehlt in diesem Fall einen "Reparaturmodus", alternativ kann man unter Windows auch in den Anzeigeeinstellungen sämtliche Hardwarebeschleunigungen abschalten, das Programm dann starten, die nötige Einstellungen (den Video-Renderer) ändern und die Hardwarebeschleunigung wieder einschalten.
Das korrekte Auswählen der Renderer und Decoder kann bei einer komplexeren Windows-Installation durchaus schwierig werden, damit nicht bei manchen Sendern das Empfangsfenster schwarz bleibt, bei der Wiedergabe aufgezeichneter Aufnahmen der Ton fehlt oder die Wiedergabe anderer Audiosignale so verzerrt wird, daß ein einfaches "Ding" plötzlich klingt wie eine Lastwagenhupe.
Die Navigation innerhalb einer Aufzeichnung oder des Timeshift-Puffers ist unhandlich gelöst als ein schlichter, recht kurzer Schieberegler ohne Skalierung. Buttons zum Vorwärts- und Rückwärtsspulen gibt es zwar auch, die zeigen aber während des Spulens kein Bild an. Werbung überspringen o. ä. ist damit sehr umständlich. Weiterhin gibt es auf meinem System (Win XP Pro SP3, Intel Core 2 Duo, 3.2 GHz, 4 GB RAM) Ruckler in der Timeshift-Aufzeichnung, wenn man sich mit dem Schieber oder den Spultasten durch den Puffer bewegt.
Für die Aufzeichnung von Sendungen bietet das Programm entweder den MPEG transport stream (damit werden auch die Timeshift-Daten aufgezeichnet) oder den program stream an, der von wesentlich mehr Programmen verstanden wird. Bei HD-Sendungen wird immer als transport stream aufgezeichnet. Es gibt die Möglichkeit, in einigen anderen Formaten aufzuzeichnen, das funktioniert aber nur unzuverlässig.
Zur nachträglichen Umwandlung von transport stream zu program stream (für HD-Aufnahmen zu MP4) empfiehlt sich die freie Software "ProjectX" (ursprünglich (vor 04.11.2011) habe ich ffmpeg und Avanti empfohlen, aber auch die haben Probleme mit Audio/Video-Synchronisierung, mit ProjectX klappt es meistens, aber nicht immer). Andere Software wie Avidemux oder VLC stürzt bei der Umwandlung entweder ab oder kann Video und Audio nicht synchron halten. Avidemux kann aber zum nachträglichen Schneiden des program stream verwendet werden.
Update: Das "Home Cinema" Programm bietet die Möglichkeit, von der Liste der gespeicherten Aufnahmen aus eine Aufnahme mit Normalauflösung (Kurz: SD, im Gegensatz zu HD) zwischen transport stream und program stream zu konvertieren. Dies funktioniert aber eben nicht für HD-Aufnahmen und für Inhalte des Timeshift-Puffers nur umständlich (Datei umbenennen, Programm neu starten). Der Timeshift-Puffer wird übrigens standardmäßig bei Programmende gelöscht, das kann aber in den Einstellungen, Registerkarte "Erweitert", geändert werden.
Eine bemerkenswerte Unlogik betrifft das Herunterfahren des Rechners. In Bedienungsanleitung und Programm wird mehrfach darauf hingewiesen, daß der Rechner nur in Standby oder Ruhezustand gefahren werden darf, falls er für eine programmierte Aufnahme wieder automatisch gestartet werden soll. Das Programm selbst bietet (für die Kontrolle über die mitgelieferte Fernbedienung) aber nur die Möglichkeit, den Rechner komplett herunterzufahren.
Der mitgelieferte "Remote Control Editor", mit dem die Tastenbelegung der Fernbedienung geändert werden kann, bietet allerdings die Möglichkeit, auf eine Taste den Befehl für Ruhezustand oder Standby zu legen. Diese Taste darf aber nicht die Ein-/Ausschalttaste ganz oben auf der Fernsteuerung sein. (Update: Ursprünglich hatte ich geschrieben, daß es gar nicht funktioniert, aber wenn man nicht die Taste belegen will, für die diese Funktion am logischsten wäre, geht es).
Für programmierte Aufnahmen ist es allerdings möglich, als Aktion nach Ende der Aufnahme festzulegen, daß der Rechner auf Standby oder Ruhezustand geht. Schöner wäre natürlich noch gewesen, daß das Programm erkennt, ob der Rechner automatisch hochgefahren wurde und ob es in der Zwischenzeit Benutzeraktivität gegeben hat, um die Aktion dynamisch anzupassen, aber man kann ja nicht alles haben.
Update (danke an Kommentator Stefan K. für diesen und weitere Hinweise): Wenn der Rechner für eine programmierte Aufnahme wieder hochfahren soll, darf Home Cinema nicht laufen, wenn der Rechner in Ruhezustand/Standby fährt, weil die Tasks, die den Rechner wieder starten sonst nicht im System hinterlegt werden (auch hier haben die Programmierer offensichtlich nicht allzu weit gedacht). Vorhandene Tasks des Programms werden beim Start übrigens gelöscht (und bei Programmende wieder erzeugt), deshalb darf das Programm nicht durch einen Absturz gestoppt werden. Ist es abgestürzt, einfach nochmal starten und normal beenden.
Update2: Wer nur testweise mal DVB-T verwendet, sollte die Sender nach dem Test wieder löschen, damit er nicht z. B. etwas in der ARD aufnehmen will und als Sender "Das Erste" einstellt, dann aber viel zu spät merkt, daß das Programm versucht, den DVB-T-Sender aufzunehmen, was am Kabelanschluß natürlich nicht funktionieren kann.
Um festzustellen, ob der Stick für den eigenen Rechner geeignet ist, sollte man die Systemvoraussetzungen lesen, die auf der Website von TerraTec angegeben sind. Mit einem älteren Rechner, der die Spezifikation knapp erfüllte, gab es Probleme, die wie schwere Empfangsstörungen aussahen, aber keine waren (DVB-T ohne Änderung der Antennenposition funktionierte auf dem neuen, aber nicht auf dem alten Rechner). Der Rechner sollte am Besten mindestens die für HDTV angegebenen Voraussetzungen erfüllen.
Update (04.11.2011): Die Software hat noch eine interessante Macke: Sie speichert bei vorprogrammierten Aufnahmen die Uhrzeit anscheinend als GMT/UTC-Zeit statt der Ortszeit. Wer eine tägliche/wöchentliche Aufnahme programmiert hat, muß nach der Zeitumstellung deshalb die Programmierung anpassen, wenn er keine böse Überraschung erleben will.