Pressestimmen
»Es wäre ein Fehler, Pierre Bordage nicht zu lesen!« (Andreas Eschbach )
Kurzbeschreibung
Ein Sternenreich der Menschen, das unzählige Planeten und Völker umfasst ... Eine bizarre Sekte, deren Anhänger mit Gedanken töten können ... Ein junger Mann, der sich aufmacht, einer der legendären »Krieger der Stille« zu werden … Und die Suche nach dem Planeten, auf dem alles begann: Terra Mater.
Klappentext
»Es wäre ein Fehler, Pierre Bordage nicht zu lesen!«
Andreas Eschbach
Andreas Eschbach
Über den Autor
Pierre Bordage, 1955 in der Vendée geboren, studierte Literaturwissenschaft in Nantes. Mit seinem ersten Roman "Die Krieger der Stille" landete er auf Anhieb einen riesigen Publikumserfolg. Das Buch wurde mehrfach preisgekrönt, unter anderem mit dem renommierten "Grand Prix de l’Imaginaire". Bordage lebt mit seiner Familie in Boussay an der Atlantikküste.
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Die In-Creatur - das künstliche, nicht geborene Wesen - glaubte, das Schwierigste vollbracht zu haben: denn ihre im Universum verstreut lebenden Getreuen beraubten die Menschheit nun ihres Gedächtnisses, ihrer Macht. Und der unsterbliche Hüter der Inddikischen Wissenschaften hat sich, nach fünfzehntausend Jahren untadeliger Wachsamkeit, auf die Reise in eine andere Welt begeben.
Die In-Creatur stand kurz vor der Machtergreifung. Alles war bereit. Doch jetzt beschritt ein Mann den Weg des Lichts. Ein Mann, der die geheime Pforte gefunden hat, und der - sollte er in seinem Bestreben fortfahren - durchaus die Seinen zu ihren Ursprüngen zurückführen könnte. Dann würden die Menschen wieder die Oberhoheit erlangen. Seit Tausenden von Jahren kämpft die In-Creatur gegen die Vormachtstellung der Menschen, sie verfälschte die Worte ihrer Propheten und Visionäre; sie säte Tod und Verzweiflung durch Streit, Zwist und Krieg ...
Seit Urbeginn, seit die Materie unter den ersten Strahlen des Lichts Gestalt angenommen, seit die Wärme Leben ermöglicht und die Schöpfer ihr Werk begonnen hatten, musste die In-Creatur immer weiter zurückweichen, da sie diesen Kräften und der unaufhörlichen Ausdehnung des Universums nichts entgegenzusetzen hatte.
Und jetzt, gerade zu dem Zeitpunkt, an dem sie endlich die Früchte ihrer geduldigen Arbeit ernten könnte, behinderte dieser Abschaum das Wirken ihrer Göttlichkeit.
Denn dieser Mann hatte eine Vision: In der Ferne sah er ein herrliches Bauwerk, einen Tempel mit sieben Säulen und vielfarbigen Fenstern von unvorstellbarer Pracht. Dieser Tempel soll das Symbol des Ursprungs werden, das Urschiff, eine Arche, die die Inddikischen Annalen birgt -die unveränderlichen Gesetze der Schöpfung und somit den Schlüssel für die Renaissance der Menschheit.
Es drängte ihn sich zu beeilen, denn die Attacken der formlosen Kraft wurden immer heftiger, und zudem machte ihm diese unerträgliche Kälte mehr und mehr zu schaffen. Auch wenn die In-Creatur nicht direkt gegen Urmenschen - wie den unsterblichen Wächter der Annalen - vorgehen konnte, verstand sie sich doch geschickt darauf, deren Schwachstellen zu attackieren. Gierig drang sie in den Geist eines jeden ein, ließ vergrabene Erinnerungen auftauchen und säte Zweifel und Angst. Auf diese Weise würde irgendwann das mentale Gerüst dieses Menschen zusammenbrechen. Dann würde seine Persönlichkeit auseinanderfallen, er würde vor dem Nichts stehen. Hass und Entsetzen vernebelten sein Denkvermögen, und das Schiff des Lichts wurde immer undeutlicher. Eine tiefichwarze, eiskalte Spirale durchbohrte ihn und ließ ihn in einem Abgrund aus Schmerz und Verzweiflung zurück.
Er wachte im Packeis auf. Es war Nacht, und er war allein, vernichtet durch sein Scheitern. Nur seine Kleidung war ihm geblieben: eine leichte Tunika und eine Pluderhose, die ihm die Pilger geschenkt hatten. Seit Tagen marschierte er über das Eis, halb verhungert und erfroren, das einzige Geräusch war das Knirschen seiner Sandalen auf dem harschen Schnee, seinen Durst stillte er mit Eisbröckchen. Kein Stern leuchtete am nächtlichen Himmel. Das Gefühl, die Menschen verraten zu haben, lastete schwer auf ihm. Noch immer hörte er die Worte des unsterblichen Hüters des Schiffs des Lichts. Sie waren kein Trost für seine verzweifelte Seele.
»Du wirst allein sein ... Solltest du scheitern, bedeutet dein Scheitern das Ende der Menschheit und den Anbruch eines neuen Zeitalters - das Zeitalters des Unfassbaren, das Zeitalter des Planeten Hyponeros ...«
Er war erschöpft und fast am Ende seiner Kräfte.
Trotzdem musste er genügend Kraft aufbringen, um den geheimen Pfad wiederzufinden. Niemals könnte er sich verzeihen, das Unfassbare nicht bekämpft zu haben. Da sah er in der Ferne ockerfarbene Rauchfahnen aufsteigen.
Erst nachdem die Pilger einer nach dem anderen das Antra angerufen und um Hilfe gebeten hatten, weinte Aphykit. Die Pilger hatten sich bereits in der Unendlichkeit des Äthers aufgelöst, und das Dorf schien wie ausgestorben. Die einzigen Lebenszeichen waren die funkelnden Blüten des Dornenstrauchs, den der Narr gepflanzt hatte.
»Du darfst nicht weinen, Mama«, sagte Yelle. »Ich habe immer gewusst, dass sie fortgehen werden. Die Pilger haben mit der Arbeit begonnen, andere werden sie vollenden ...«
Überrascht wand sich Aphykit zu ihrer Tochter um. Das kleine Mädchen war erst sieben und ein verschlossenes Kind, das oft vor dem Dornenstrauch des Narten kniete und dann meistens Unverständliches murmelte. Von ihrer Mutter hatte Yelle das lange gewellte Haar und von ihrem Vater die graublauen Augen. Ihr Blick schien über Zeit und Raum hinwegzugleiten. Eine selttame, verstörende Kraft ging von ihr aus. Und ihre kindliche Stimme glich einer schneidenden Klinge. »Welche anderen?«, fragte Tixu.
»Jene, die den Ruf hören werden ... Das Blouf gewinnt an Macht ...«
Ihr Vater runzelte die Stirn. »Das Blouf?«
»Das alles verzehrende Böse. Gestern Abend sind sehr, sehr weit von hier zehn Millionen Sterne verschwunden. Wenn Shari zurückkehrt, braucht er Soldaten, um das Blouf zu stoppen.«
»Vielleicht lebt Shari schon nicht mehr, Yelle«, sagte Aphykit und seufzte. »Seit über sieben Jahren haben wir keine Nachricht mehr von ihm erhalten.«
»Shari lebt!«, antwortete das kleine Mädchen bestimmt. »Er kommt zurück.«
»Warum bist du dir dessen so sicher?«
»Die Blüten des Dornenstrauchs haben es mir gesagt. Wir müssen weiteren Pilgern helfen, auf Terra Mater zu kommen. Weil das Blouf jetzt die Seele der Menschen frisst, können sie immer weniger den Gesang der Quelle hören ...«
Yelle warf ihre Bettdecke von sich. Barfuß und nur mit ihrem Nachthemd bekleidet, lief sie über den verschneiten Dorfplatz und kniete vor dem Strauch. Dort betete sie mit ganzer Kraft - ein stummes Flehen durch Raum und Zeit.
ERSTES KAPITEL
Im Jahr 16 des Ang-Imperiums, am 7. Tag des Monats Mehonius, wurde ich zum jüngsten Kardinal der Kirche des Kreuzes ernannt. Noch war ich von einem glühenden Eifer besessen. Ich gehörte zu jenen, durch jahrelange Unterweisung, diamantrein geschliffenen, aber auch unerbittlichen Seelen und brannte darauf, alle Heiden zu bekehren, die Feinde des Glaubens und die des Wahren Wortes. Beim Anblick der langsam auf den Feuerkreuzen sterbenden Häretiker brach ich in ekstatische Tränen aus ... Das geschah lange vordem Erscheinen des ersten Auslöscher-Scaythen... Am 10. Tag des Monats Mehonius wurde ich zum Stellvertreter seiner Heiligkeit, des Muffi Barrofill XXIV., auf dem Planeten Ut-Gen ernannt, der vor viertausend Standardjahren traurige Berühmtheit durch eine atomare Katastrophe erlangte, die drei Viertel der Bevölkerung auslöschte und die Hälfte seiner Oberfläche in Wüste verwandelte. Obwohl ich mir durchaus der Gefahren auf Ut-Gen bewusst war - atomare Verseuchung, Zerstörung der Zellen und somit frühzeitiges Altern, die Beta-Zoomorphie, eine ausgeprägte Form der Schizophrenie -, überwog die Freude über meine Ernennung.
Die In-Creatur stand kurz vor der Machtergreifung. Alles war bereit. Doch jetzt beschritt ein Mann den Weg des Lichts. Ein Mann, der die geheime Pforte gefunden hat, und der - sollte er in seinem Bestreben fortfahren - durchaus die Seinen zu ihren Ursprüngen zurückführen könnte. Dann würden die Menschen wieder die Oberhoheit erlangen. Seit Tausenden von Jahren kämpft die In-Creatur gegen die Vormachtstellung der Menschen, sie verfälschte die Worte ihrer Propheten und Visionäre; sie säte Tod und Verzweiflung durch Streit, Zwist und Krieg ...
Seit Urbeginn, seit die Materie unter den ersten Strahlen des Lichts Gestalt angenommen, seit die Wärme Leben ermöglicht und die Schöpfer ihr Werk begonnen hatten, musste die In-Creatur immer weiter zurückweichen, da sie diesen Kräften und der unaufhörlichen Ausdehnung des Universums nichts entgegenzusetzen hatte.
Und jetzt, gerade zu dem Zeitpunkt, an dem sie endlich die Früchte ihrer geduldigen Arbeit ernten könnte, behinderte dieser Abschaum das Wirken ihrer Göttlichkeit.
Denn dieser Mann hatte eine Vision: In der Ferne sah er ein herrliches Bauwerk, einen Tempel mit sieben Säulen und vielfarbigen Fenstern von unvorstellbarer Pracht. Dieser Tempel soll das Symbol des Ursprungs werden, das Urschiff, eine Arche, die die Inddikischen Annalen birgt -die unveränderlichen Gesetze der Schöpfung und somit den Schlüssel für die Renaissance der Menschheit.
Es drängte ihn sich zu beeilen, denn die Attacken der formlosen Kraft wurden immer heftiger, und zudem machte ihm diese unerträgliche Kälte mehr und mehr zu schaffen. Auch wenn die In-Creatur nicht direkt gegen Urmenschen - wie den unsterblichen Wächter der Annalen - vorgehen konnte, verstand sie sich doch geschickt darauf, deren Schwachstellen zu attackieren. Gierig drang sie in den Geist eines jeden ein, ließ vergrabene Erinnerungen auftauchen und säte Zweifel und Angst. Auf diese Weise würde irgendwann das mentale Gerüst dieses Menschen zusammenbrechen. Dann würde seine Persönlichkeit auseinanderfallen, er würde vor dem Nichts stehen. Hass und Entsetzen vernebelten sein Denkvermögen, und das Schiff des Lichts wurde immer undeutlicher. Eine tiefichwarze, eiskalte Spirale durchbohrte ihn und ließ ihn in einem Abgrund aus Schmerz und Verzweiflung zurück.
Er wachte im Packeis auf. Es war Nacht, und er war allein, vernichtet durch sein Scheitern. Nur seine Kleidung war ihm geblieben: eine leichte Tunika und eine Pluderhose, die ihm die Pilger geschenkt hatten. Seit Tagen marschierte er über das Eis, halb verhungert und erfroren, das einzige Geräusch war das Knirschen seiner Sandalen auf dem harschen Schnee, seinen Durst stillte er mit Eisbröckchen. Kein Stern leuchtete am nächtlichen Himmel. Das Gefühl, die Menschen verraten zu haben, lastete schwer auf ihm. Noch immer hörte er die Worte des unsterblichen Hüters des Schiffs des Lichts. Sie waren kein Trost für seine verzweifelte Seele.
»Du wirst allein sein ... Solltest du scheitern, bedeutet dein Scheitern das Ende der Menschheit und den Anbruch eines neuen Zeitalters - das Zeitalters des Unfassbaren, das Zeitalter des Planeten Hyponeros ...«
Er war erschöpft und fast am Ende seiner Kräfte.
Trotzdem musste er genügend Kraft aufbringen, um den geheimen Pfad wiederzufinden. Niemals könnte er sich verzeihen, das Unfassbare nicht bekämpft zu haben. Da sah er in der Ferne ockerfarbene Rauchfahnen aufsteigen.
Erst nachdem die Pilger einer nach dem anderen das Antra angerufen und um Hilfe gebeten hatten, weinte Aphykit. Die Pilger hatten sich bereits in der Unendlichkeit des Äthers aufgelöst, und das Dorf schien wie ausgestorben. Die einzigen Lebenszeichen waren die funkelnden Blüten des Dornenstrauchs, den der Narr gepflanzt hatte.
»Du darfst nicht weinen, Mama«, sagte Yelle. »Ich habe immer gewusst, dass sie fortgehen werden. Die Pilger haben mit der Arbeit begonnen, andere werden sie vollenden ...«
Überrascht wand sich Aphykit zu ihrer Tochter um. Das kleine Mädchen war erst sieben und ein verschlossenes Kind, das oft vor dem Dornenstrauch des Narten kniete und dann meistens Unverständliches murmelte. Von ihrer Mutter hatte Yelle das lange gewellte Haar und von ihrem Vater die graublauen Augen. Ihr Blick schien über Zeit und Raum hinwegzugleiten. Eine selttame, verstörende Kraft ging von ihr aus. Und ihre kindliche Stimme glich einer schneidenden Klinge. »Welche anderen?«, fragte Tixu.
»Jene, die den Ruf hören werden ... Das Blouf gewinnt an Macht ...«
Ihr Vater runzelte die Stirn. »Das Blouf?«
»Das alles verzehrende Böse. Gestern Abend sind sehr, sehr weit von hier zehn Millionen Sterne verschwunden. Wenn Shari zurückkehrt, braucht er Soldaten, um das Blouf zu stoppen.«
»Vielleicht lebt Shari schon nicht mehr, Yelle«, sagte Aphykit und seufzte. »Seit über sieben Jahren haben wir keine Nachricht mehr von ihm erhalten.«
»Shari lebt!«, antwortete das kleine Mädchen bestimmt. »Er kommt zurück.«
»Warum bist du dir dessen so sicher?«
»Die Blüten des Dornenstrauchs haben es mir gesagt. Wir müssen weiteren Pilgern helfen, auf Terra Mater zu kommen. Weil das Blouf jetzt die Seele der Menschen frisst, können sie immer weniger den Gesang der Quelle hören ...«
Yelle warf ihre Bettdecke von sich. Barfuß und nur mit ihrem Nachthemd bekleidet, lief sie über den verschneiten Dorfplatz und kniete vor dem Strauch. Dort betete sie mit ganzer Kraft - ein stummes Flehen durch Raum und Zeit.
ERSTES KAPITEL
Im Jahr 16 des Ang-Imperiums, am 7. Tag des Monats Mehonius, wurde ich zum jüngsten Kardinal der Kirche des Kreuzes ernannt. Noch war ich von einem glühenden Eifer besessen. Ich gehörte zu jenen, durch jahrelange Unterweisung, diamantrein geschliffenen, aber auch unerbittlichen Seelen und brannte darauf, alle Heiden zu bekehren, die Feinde des Glaubens und die des Wahren Wortes. Beim Anblick der langsam auf den Feuerkreuzen sterbenden Häretiker brach ich in ekstatische Tränen aus ... Das geschah lange vordem Erscheinen des ersten Auslöscher-Scaythen... Am 10. Tag des Monats Mehonius wurde ich zum Stellvertreter seiner Heiligkeit, des Muffi Barrofill XXIV., auf dem Planeten Ut-Gen ernannt, der vor viertausend Standardjahren traurige Berühmtheit durch eine atomare Katastrophe erlangte, die drei Viertel der Bevölkerung auslöschte und die Hälfte seiner Oberfläche in Wüste verwandelte. Obwohl ich mir durchaus der Gefahren auf Ut-Gen bewusst war - atomare Verseuchung, Zerstörung der Zellen und somit frühzeitiges Altern, die Beta-Zoomorphie, eine ausgeprägte Form der Schizophrenie -, überwog die Freude über meine Ernennung.