Eine finstere Zukunftsvision entwirft Bordage hier, in der vor allem die Kirche schlecht wegkommt. Denn woraus sich die Kirche des Kreuzes entwickelt hat, ist sehr offensichtlich. Die Inquisition ist zurück, Menschen leiden grausame Foltertode an brennenden Kreuzen. Hinzu kommt die Gedankenkontrolle der Scaythen, die die Menschen manipulieren und sie zu willenlosen Werkzeugen ihrer eigenen Vernichtung machen. Und zivilisatorisch hat die Welt 8000 Jahre in der Zukunft eher Rück- als Fortschritte gemacht.
Das Buch liest sich, als hätte Bordage die französische Renaissance in eine ferne Zukunft verlegt ' besonders deutlich wird das am Hof des Imperators. Rundherum gibt es viel Wüstenplanet-Stimmung und genauso viel Star Wars mit vielen sehr verschiedenen Planeten, rauen Sitten, Weltraumpiraten und einem kleinen auserwählten Jungen, der zum legendären spirituellen Krieger ausgebildet werden soll. Der Vergleich mit dem Wüstenplaneten und Star Wars begegnet in den meisten Besprechungen dieser Buchreihe, aber es muss Bordage nicht zum Vorwurf gemacht werden, wenn er zwei so kluge Weltraum-Konzepte vereint. Im Gegenteil: Es ist eine gute Idee, denn der Autor schafft daraus etwas Eigenes.
Obwohl von Anfang bis Ende immer wieder etwas passiert, liest sich der 542 Seiten starke Roman erst ab der Hälfte richtig flüssig. Zuvor finden zu viele Ortswechsel statt, da werden immer wieder neue Figuren eingeführt, immer wieder muss sich der Leser auf neue Schauplätze und Handlungsstränge einstellen, das macht die Lektüre ein wenig schleppend. Aber hat die Gruppe um Jek erst einmal zusammengefunden, macht das Buch richtig Spaß.
Das Buch verfügt über ein Glossar am Ende. Hier findet man auch solche Begriffe, die nur in 'Die Krieger der Stille' verwendet wurden. Leider ist es unvollständig: Bei der Auflistung von Planeten etwa bleibt Syracusa, der Planet des Imperators, genauso unerwähnt wie der Korallenplanet Ephren, auf dem ein nicht unwichtiger Handlungsstrang spielt ' dessen zwei Sonnen dagegen finden sich in der Auflistung. Bedauerlich ist auch, dass immer wieder Rechtschreibfehler auftreten, vor allem geschlabberte Buchstaben am Wortende, die aus dem Imperfekt ein Präsens machen, sind immer wieder zu finden.
Wie schon im Vorgänger werden auch in 'Terra Mater' wieder Intrigen gesponnen, die überraschende Wendungen bereithalten, der Leser lernt neue faszinierende Welten kennen und es zeigt sich, dass bei aller Nähe zu bekannten Science-Fiction-Opern noch Platz für viele neue Ideen bleibt, die zeigen, dass der Weltraum noch lange nicht ausgereizt ist. Übrigens kann man den zweiten Teil des Zyklus auch gut lesen, ohne den ersten zu kennen, was vor allem daran liegt, dass hier vollkommen andere Figuren im Mittelpunkt stehen. Es hat sogar einen Vorteil, den zweiten Roman zuerst zu lesen: Die Krieger der Stille bleiben für den Leser ein ebensolches Mysterium wie für die Figuren, was sehr reizvoll ist. Für den finalen Band 'Die Sternenzitadelle', der im September erscheinen soll, bietet sich aber vermutlich die Kenntnis des ersten Teils an, weil hier alle Handlungsfäden zusammenlaufen werden.