Mit der zweiten Staffel der "Sarah Connor Chronicles" hat Serienerfinder und Drehbuch-Autor Josh Friedman sein persönliches Meisterstück geschaffen. Eine Serie, die wirklich unter die Haut geht.
Genau wie schon in der überzeugenden ersten Staffel, versucht die Serie nicht einfach das Prinzip der alten Terminator-Kino-Klassiker im TV-Format zu kopieren, sondern passt die Vorlage bestmöglich an das Medium Fernsehen an. Man fokussiert sich auf Stärken und terminiert potentielle Schwächen souverän bevor sie entstehen. Sorgsam und mit einer Menge Tiefgang werden Konflikte über viele Folgen hinweg aufgebaut, viel Zeit für Zwischenmenschliches eingeräumt und immer wieder anekdotenreiche, philosophisch angehauchte Episoden erzählt, während auf effekthascherische Standart-Dramaturgien und plakative, auf kurzzeitige Abend-Unterhaltung ausgelegte Stories kein Wert gelegt wurde. Gelobt werden muss auch das Ausbleiben von jeglicher übertriebener Melodramatik oder Pathos, obwohl es sich hier leicht angeboten hätte.
T:TSCC ist eine beklemmende Untergangsstudie, die zwar relativ wenig mit der Kinoreihe zu tun hat, jedoch über weite Strecken die gleiche Intensität und hoffunglose Stimmung wie Terminator, Teil I und II, mitbringt. Außerdem ist genug Klasse und Eigenständigkeit vorhanden, um locker für sich allein stehen zu können und sich nicht ständig Vergleiche mit James Camerons Filmen gefallen lassen zu müssen, da nicht einfach nur simple Geldmacherei dahinter steckt, sondern die Serie als ganzes durchdacht konzipiert ist.
Doch leider ist die Serie trotz ihrer hohen Qualität schon längst abgesetzt und obwohl immer noch vereinzelte Gerüchte über eine Verlängerung im Raum stehen, während ich hier schreibe, so schätze ich die Wahrscheinlichkeit auf eine dritte Staffel nur vernichtend gering ein... Sei's drum - was die zweite Season zu bieten hat, ist teilweise einfach exzellent.
Die Folgen regen zum Denken an, platzieren eine Reihe interessanter mythologischer Bezüge und befassen sich mit bedeutsamen Themen wie z.B. der Unausweichlichkeit des Todes, Bewusstseinsentwicklung von künstlicher Intelligenz oder dem Umgang mit der Bürde des Auserwählten.
Eine ernste, deprimierende und packende Serie mit unglaublich hoher Sogwirkung, die den Zuschauer aufgrund der Intensität des Dargebotenen in eine Schockstarre versetzt. TSCC zieht einen in seinen Bann, ist unfassbar zermürbend und atmosphärisch bedrückend.
Insbesondere in den letzten Folgen steigert sich die hintergründige Spannung so extrem, dass man es kaum aushält - wohlgemerkt ohne, dass dafür auch nur eine einzige Action-Sequenz notwendig wäre!
Action wird hier aber sowieso nicht großgeschrieben und glücklicherweise eher sparsam eingesetzt, da es einer TV-Serie eh nicht möglich gewesen wäre, dicke Zerstörungsorgien von der Leine zu lassen. Spezialeffekte sind ok, aber nicht der großen Rede wert. Von daher gar nicht schlecht, dass man sich das Potential für andere Gesichtspunkte aufspart. Wenn es denn kracht, dann in unterschiedlicher Qualität. Das Geschubse in den Nahkämpfen wirkt immer noch etwas unbeholfen, die Schieß-Szenen sind solide bis ganz gut, im Finale gibt es aber einen richtig großartigen Shoot-Out, der an Terimantor 1 angelehnt ist.
Season 2 ist sehr charaktergetrieben sowie dialoglastig und kostet das dementsprechend voll aus, trifft dabei allerdings immer genau den richtigen Ton, ohne in ein lächerliches Daily Soap-Muster zu verfallen. Selbst die Annäherungen zwischen Mensch und Cyborg sind würdevoll und intelligent gemacht.
Die Schauspieler spielen allesamt noch besser auf als zuvor und verleihen ihren Charakteren Überzeugungskraft.
Im Vergleich zur ersten Staffel ist die zweite Season noch nachdenklicher geworden und sehr auf stille Momente bzw. einen ruhigen Erzählstil bedacht, auch Action und Humor scheinen zurückgegangen zu sein. Gab es bei den ersten neun Folgen der Serie hin und wieder noch den ein oder anderen trockenen Humormoment, so gehen diesmal fast alle zarten Anflüge von Lockerheit oder Witz in der pessimistischen Atmosphäre unter.
Die Folgen an sich wirken vielleicht ein Stück zielloser und ausschweifender als in Season 1, da sie sich nicht mehr so stark an eine dichte Storyline halten, profitieren dafür jedoch von der zusätzlichen erzählerischen Freiheit und dem Mut der Vorlage etwas Neues abzugewinnen. Ja, wirklich: TSCC ist eine mutige Serie, die (im Gegensatz zu manch einfallsloser Kino-Fortsetzung) zahlreiche streitbare Augenblicke enthält, mit denen man sich als Terminator-Fan auseinandersetzen muss. Die Stellen, die ich meine, sind diskussionswürdig, aber auch - und möglicherweise ja deswegen - absolut verblüffend und sehenswert!
The Sarah Connor Chronicles, Staffel 2 ist ein echter Stimmungskiller... im positiven Sinne! Die Geschichten um eine vom Schicksal gebeutelte und auserkorene Cyber-Patchwork-Familie, die von der Besessenheit des Familienoberhauptes und der kolossalen Verantwortung gegenüber der Menschheit angetrieben wird, ein Computersystem auszulöschen, noch bevor es entsteht, machen sprachlos und lassen einen nicht mehr los.
Das ist kein nettes Feierabend-Entertainment, sondern schwer zugängliche, geistig anregende Science Fiction-Kost mit Gänsehautfaktor!