Skynets Erstschlag am Ende von Terminator 3 hat jene düstere Zukunftsversion Gestalt werden lassen, welche John Connor und seine Mutter immer zu verhindern versucht haben. 14 Jahre danach kämpft die Menschheit noch immer gegen die Terminatoren, doch etwas ist anders...
Um eines Tages der triumphierende Retter und Anführer der Menschheit zu werden hat John Connor noch einen weiten Weg vor sich, denn auf seinen Schultern ruht die Gewissheit um die Zukunft und sein eigenes Schicksal. Doch die Zukunft wie er sie erlebt scheint nicht jene zu sein, von der er sein Leben lang gehört hat, der Kampf gegen die Maschinen läuft stockend, das Oberkommando des Widerstands sieht in ihm eher einen Risikofaktor als den großen Erlöser und Connors Wissen um die Terminatoren lässt ihn in den Augen mancher sogar als Gefahr dastehen. Dem genialen Plan des Oberkommandos mit einer Abschaltfrequenz Skynets Hauptquartier ein für allemal dem Erdboden gleich zu machen kann er nichts abgewinnen, die Idee klingt für ihn zu sehr nach einer gewieften Falle und hat in seiner Vision der Zukunft keine Bedeutung. Doch als er auf den in einem geheimen Projekt Cyberdynes zum Terminator-Mensch-Hybriden gemachten Todeskandidaten Marcus Wright trifft sieht sich Connor gezwungen sein Wissen um die Zukunft in Frage zu stellen.
Das wäre die inhaltliche Botschaft gewesen, welche Christian Bale als John Connor wohl hätte vermitteln müssen, allerdings nur in Ansätzen durchbringen konnte. Dass es nicht Bales schauspielerische oder McGs Regie-Leistungen waren an denen Terminator 4 gescheitert ist, sondern wohl eher das Drehbuch beweist Alan Dean Fosters Romanadaption die dem Blockbuster an unschlüssiger Handlung, holzschnittartigen Charakteren, fehlenden Erklärungen und jeder Art von Tiefe in nichts nachsteht. Warfen die Terminator-Prequels (welche ja eigentlich auch Sequels sind, da Kyle Reese irgendwann in die Vergangenheit reist) zumindest noch gekonnt die Frage auf, ob die Zukunft veränderbar ist, was mit ja zu beantworten wäre, da Skynets Erstschlag um Jahre verzögert werden konnte, Terminator 4 kann dieses Potential nicht ausschöpfen. Daher bleibt John Connors - und der ist immerhin der Held und Hauptcharakter der Saga - Furcht vor der Zukunft ein ziemlich unterbelichteter Aspekt der Handlung, wenngleich er wie in den alten Terminator-Filmen von zentraler Bedeutung sein sollte.
Eine Erklärung oder Vertiefung dieses inneren Konflikts will auch Alan Dean Foster nicht bieten, der zwar routiniert doch ziemlich fantasielos das Drehbuch in Buchform gebracht hat. Zwar mit einigen interessanten Extra-Szenen und einem früheren Ende als der Film, doch immer noch ohne die entscheidenden Fehler zu beheben. Dabei könnte es Foster soviel besser wenn man sich seine Romanadaption von Star Trek ansieht, doch vielleicht war der Autor mit seinen Büchern zu Star Trek, Terminator 4 und Transformers 2 einfach zu beschäftigt, um bei einem Werk dessen Drehbuch wie bei Terminator 4 mehrmals überarbeitet wurde noch all sein Können aufzubieten.
Zumindest eines schafft Foster im vorliegenden Buch meisterlich, nämlich Marcus Wright mit einer Hintergrundgeschichte auszustatten, die darauf hindeuten könnte, warum er als Patient 0 womöglich die Vorlage für den T-800 wurde. Wenn auch die Mängel des Projekts nicht entschuldigend, so ist diese Metapher auf Terminator 1 und 2 gut gelungen. Diesmal ist der "Terminator" Marcus Wright als jemand aus der Vergangenheit in einer Zukunft gelandet, in der er vom ständigen Tod bedroht Verbündete finden muss. Dabei ist Wright als verurteilter Mörder von permanenten Überlegungen besessen wie er sein Gegenüber töten könnte, eine Eigenschaft die er noch in der Todeszelle nicht ablegen konnte und sich mit der Spende seines Körpers für medizinische Experimente einen Kuss der sterbenden Forscherin Serena Kogan erkaufte. Überlegungen die auch den T-800 auszeichnen, genau wie dessen wohl auch von Wright abgeleitete Zurückhaltung gegenüber Kindern wie Kyle Reese und Star, welche wohl auch auf T-800 "Onkel Bobs" Beziehung zu John Connor durchgeschlagen haben könnte. Cyberdynes wild gewordene KI-Entität führte die Experimente an Wrights Körper nach Kogans Tod und den Judgement Day kurzerhand fort, ganz im Sinne von Skynets Politik. Wer ist aber dieser Marcus Wright, von dem man nur erfährt dass er allerlei Arten kennt jemanden umzubringen, ohne genaueres zu erfahren und von dem man auch nur weiß dass er wegen eines einzigen dann doch brutalen Mordes in der Todeszelle gelandet ist. Man erfährt es nicht, Marcus Wrights Perspektive dominiert zwar das Buch es fehlt allerdings die Erklärung für sein Trauma, ein Moment der Realisierung, der verständlich machen würde wie aus dem brutalen Mörder der Vergangenheit der fast schon fürsorgliche Kämpfer der Zukunft geworden ist, der alles daran setzt die Kinder Kyle und Star wieder aus Skynets Klauen zu befreien.
Müßig zu erwähnen dass der Film eigentlich auf John Connor und dessen Zweifel an der Zukunft zugeschnitten sein sollte. Was unterm Strich davon geblieben ist wird selbst von den elementaren Actionszenen verdeckt. Zeitweise beweist das Buch zum Film klassischen Storyboardcharakter, als würde der Zeichner wortreich seine Entwürfe erklären.
Interessant sind die zahlreichen Details der Post-Judgement-Day-Welt die Alan Dean Foster beschreibt. So enthüllt er manches das sonst den Spekulationen überlassen bleiben würde, wie die Verwendung von Biotreibstoffen durch den Widerstand oder dass ihr Oberkommando sich aus Überlebenden aus der ganzen Welt zusammensetzt. Durch Blair Williams erfährt man sogar von Skynets Vorgehen beim nuklearen Erstschlag, der nicht bloß auf militärische Einrichtungen oder Großstädte gerichtet war, sondern sich auch allerlei strategischen Zielen wie Flughäfen zuwandte. Die Chance Terminator 4 über den Film hinaus auszudehnen hat auch das Spiel zum Film zu nutzen versucht. Obwohl wie Timothy Zahns Buch als Vorgeschichte konzipiert haben jedoch beide Werke keinen Einfluss auf Fosters Romanadaption gehabt, wenn Blair im Widerspruch zum Game behauptet etwas aus zweiter Hand über Connor gehört zu haben (S. 158), während sie im Spiel als enge Vertraute doch bestens mit Connors Story vertraut war. Soviel dazu, dass sie mit Barnes zeitweise per Sie zu sein scheint schreibe ich mal der Übersetzung zu, denn dass er und Blair sich während der Handlung des Games zum Film kennen gelernt haben, konnte der Übersetzer auch gar nicht berücksichtigen. So manche Fehler sind allerdings dem Drehbuch anzulasten, das sich zu rasch verändert haben dürfte, um noch logisch und in sich schlüssig zu bleiben. So werden aus V-22 Senkrechtstartern Chinooks und Connor springt mit Schnittwunden (sic!) ins Meer um ein U-Boot zu erreichen, die brennenden Schmerzen wegen des sprichwörtlich in die Wunde gestreuten Salzes erklären ja auch gut warum Connor dem Oberkommando gegenüber so rüde auftritt.
Fazit:
In Ansätzen sehr aufschlussreich wegen der Hintergrundgeschichten die Alan Dean Foster einzubringen versteht, allerdings auch eine simple Drehbuchadaption, die oft sehr wenig zu sagen hat und gewisse Schwächen der Handlung deutlicher werden lässt.