DIE STORY:
Als der Slawe Viktor Navorski am Flughafen in New York landet, ahnt er nicht, dass in seiner Heimat "Krakosien" ein Putsch stattgefundet hat. Die diplomatischen Beziehungen des Landes sind bis auf Weiteres unterbrochen, "Krakosien" international nicht anerkannt, Viktors Pass somit reif für die Makulatur und er selbst ein Staatenloser. Die amerikanischen Autoritäten können und wollen ihn weder in die Stadt, wo das US-Territorium eigentlich beginnt, hinauslassen, noch in seine Heimat ausweisen. Mit einigen Anweisungen, einem Beeper und Essensgutscheinen, die ihm allerdings bald abhanden kommen, wird er im das Vakuum des Terminals weitgehend sich selbst überlassen. Orientierungslos, des Englischen kaum mächtig, mit knurrendem Magen und mit Überwachungskameras im Rücken, streift Viktor nun durch den Flughafen...
DER UNTERHALTUNGSWERT:
Dies ist ein griandios unterhaltsamer Film! Es ist die wohl absurdeste und unwahrscheinlichste Geschichte, die man sich ersinnen kann. Und diese verkompliziert sich stetig, sodass die Hauptfigur immer mehr Hürden zu nehmen hat, als ob die Grundsituation nicht schon verfahren genug wäre. So sitzt man als Zuschauer nägelkauend und mit überfließendem Herzen für den großartig patenten "Hinterwäldler" auf dem Sofa und verschlingt jeden Moment des Films.
TOM HANKS ALS "VIKTOR NAVORSKI":
Wen Hanks in "Philadelphia" und "Forest Gump" seinerzeit beeindrucken konnte, den wird seine Darstellung des liebenswert hilflosen Slawen im fremden Amerika aus den Latschen kippen lassen. Es ist beeindruckend, wie glaubwürdig dieses All-American-Face einen Osteuropäer verkörpern kann: Die Körpersrache, die Mimik, die Gestik, der Ausdruck der Augen- köstlich überzeugend!
DER ANSPRUCH:
(Zunächst einmal, was aber kein Kritikpunkt sein soll(!), sei klargestellt, dass "Terminal" keine 1:1-Adaptation der wahren Ggebenheiten ist, auf denen er basiert. Anders gesagt: Nur die Grundidee für den Film ist von der wahren Geschichte des Iraners inspiriert, der seit nunmehr 16 Jahren im Terminal des Pariser Charles de Gaulle-Flughafens ausharrt!)
"Terminal" ist, wie oben bereits gesagt, wunderbares Unterhaltungskino mit einem gewohnt beeindruckenden Tom Hanks. Aber eben nicht mehr. Das revolutionäre Element, den ungewohnten Pfad, die implizite Erkenntnis eines "Forest Gump" wird man hier nicht finden. Leider stört man sich auch, je nach persönlichem Anspruch, an der allzu Hollywood-typischen dramatischen Kurve: Exposition, Spannungsaufbau, vermeintlich positive Entwicklung, Einbruch, dann die mehr oder weniger befriedigende Auflösung. Auch die Situationskomik, einige Dialoge und der Aufbau des Plots sind sehr typisch für das Popcorn-Kino. Dafür, dass man sich ja mächtig künstlerische Freiheit bei der Umsetztung des interessanten Stoffes gegönnt hat, und die Geschichte und Figur des "Viktor Navorski" an sich völlig "frei übersetzt" wurde, hätte man deutlich mehr Originalität und Anspruch erwarten können. Zwar gibt es hier durchaus- eher untypisch für reines Unterhaltungskino- so etwas wie ein Leitmotiv: Das Warten ist in den unterschiedlichsten Formen und bei allen tragenden Figuren anzutreffen, quasi als roter Faden mit Verweisqualität. Eine implizite Botschaft ist durchaus ablesbar. Sie ist aber nicht unbedingt von erkenntnisbringender Güte und wertet nur bedingt den Anspruch des Films auf. Kurz: Grandios unterhaltend und spannend- ja! Anspruchsvoll: nur im Ansatz!
Wer sich auf anspruchsvollerer Ebene mit dem Thema "Warten" und "menschliche Geduld" befassen möchte, dem sei schlicht das Büchlein "Der alte Mann und das Meer" von Hemingway ans Herz gelegt. Wer sehr gute Unterhaltung will und nachsichtig mit Hollywood-Typischem umgehen kann: Buddies zusammentrommeln, Füße hoch, "Terminal" an, Taschentücher raus!!!