4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Beeindruckende Zusammenstellung, 26. März 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Tenebrae (Audio CD)
Auf dieser CD stehen die harmonisch kühnen sechsstimmigen Sätze Gesualdos schlichten gregorianischen Abschnitten gegenüber, ähnlich wie es in der Karfreitagsliturgie vorgesehen ist. Vor diesem Hintergrund wirken die emotionsgeladenen Harmonien noch eindrücklicher. Die technische Ausführung durch das Taverner Consort unter Andrew Parrott ist makellos, dabei aber überhaupt nicht nüchtern sondern äußerst spannungsgeladen.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Dämonische Kirchenmusik, 15. Mai 2003
Rezension bezieht sich auf: Tenebrae (Audio CD)
Die Werke Gesualdos für liturgische Zwecke stehen seinen bekannteren Madrigalen an Kühnheit der Harmonik und des Ausdrucks in Nichts nach. Auch hier bestätigt sich, dass der Komponist auf Grund seines privilegierten Status als Adliger weder einem Dienstherren noch einem Publikum gefallen mußte, sondern allein seinem künstlerischen und persönlichen Gestaltungswillen nachgehen konnte. Neben seinen ca. 140 überlieferten Madrigalen hat der Fürst von Venosa 1603 zwei Bände mit Motetten veröffentlicht, denen er 1611 noch einen weiteren Band folgen ließ.
Anders als bei den Madrigaldichtungen, die er oft für seine Zwecke in Auftrag gab oder nach eigenem Gutdünken zusammen stellte, hielt er sich bei den liturgischen Texten an die Vorgaben der Bibel und der kodifizierten Texte. Dadurch bleiben seine geistlichen Kompositionen also im strengen Sinne liturgische Musik - an den Vollzug des Stundengebetes gebundene situative Werke. Da er die Texte jedoch selbst auswählte und nicht von einem Auftraggeber vorgeschrieben bekam, zeigt die Textwahl wiederum die finsteren und dämonischen Züge seiner Persönlichkeit.
Die Konzentration in seiner letzten Veröffentlichung auf die „Tenebrae" genannten nächtlichen Teile des Stundengebetes der Karwoche belegen dies. Ausgerechnet diesen „dunkelsten" Moment im ganzen Kirchenjahr - die Zeit zwischen Kreuzigung und Auferstehung - erforscht Gesualdo musikalisch. Seine musikalischen Extravaganzen nachvollziehbar zu machen, ist das Verdienst des Taverner Choir und Consort. Einerseits zeigt man die Einbindung der Motetten zwischen die einstimmigen Responsorien (wenn auch nicht vollständig); anderserseits moduliert man mit der solistischen Besetzung die Kontraste zwischen der überlieferten einstimmigen Melodie und dem komplizierten sechsstimmigen Motettensatz prägnant heraus.
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