Nick Cave bringt mit Tender Prey nach zwei weniger guten Veröffentlichungen wieder ein Meisterwerk erzählerischer "Noir- Atmosphäre" hervor. Das bekannteste Lied, das brachiale "The mercy seat", eröffnet das Album mit dunkler, hilfeschreiender Energie. Ein Verurteilter, der im elektrischen Stuhl den "mercy seat" sieht, den Stuhl Gottes und der Gnade. Ein Cave Text, das erkennt man sofort. So handeln auch die übrigen Lieder von mehr oder weniger dunklen Ansichten über Liebe, Schuld, Tod.... Musikalisch jedoch gibt sich die CD weit weniger polternd und aggressiv wie die frühen Aufnahmen. Mit "Deanna" und "New Morning" finden sich gar richtig positiv-unbeschert klingende Stücke auf der CD. Daher empfehle ich die CD auch eher Fans von Alben wie "The Good Son" oder "Henry's Dream". Wer Cave nur von den avantgardistisch-krachigen Anfängen seiner Karriere her kennt, wird vieleicht etwas enttäuscht sein. Nichtsdestotrotz handelt es sich hier um ein großartiges Album. Nick Cave und seine Bad Seeds schaffen es, die gewaltigen Emotionen früherer Alben auch in die Form klassischer Balladen zu bringen.