Nigel Slater ist einer der Platzhirsche unter den britischen Kochbuchautoren. Das hat er auch dem "Guardian" zu verdanken, der seine Rezepte regelmäßig publiziert.
Mit "Tender" legt Nigel Slater zwei Bände vor, die an sich eine durchaus sinnvolle und spannende Verknüpfung zwischen Gärtnern und Kochen herzustellen versuchen. So werden die wesentlichen Nutzpflanzen, die der heimische Nutzgarten enthält, behandelt. Unterschiedliche Varietäten werden mit ihren jeweiligen Eigenschaften vorgestellt. Klar, dass sich der Autor an dieser Stelle auf das konzentriert, was im britischen Klima am besten gedeiht. So unterscheidet er z. B. bei Rhabarber zwischen frühen, mittleren und späten Sorten. Dass es in England gang und gäbe ist, den ersten Rhabarber schon im Januar zu ernten, führt eindrucksvoll vor Augen, dass es teilweise signifikante Unterschiede zwischen dem Gärtner auf "der Insel" und im deutschsprachigen Raum gibt. Eine Warenkunde rundet die einzelnen (einführenden) Beiträge ab.
Es ist vor allem dieser Aspekt der beiden "Tender"-Bände, der die Bücher eingeschränkt lesenswert macht. An dieser Stelle kann man durchaus Interessantes lesen und lernen.
Enttäuschend sind vor allem die Rezepte. Die klingen zwar allesamt spannend und lassen das Wasser im Munde zusammen laufen (die phantastischen Bilder tun an dieser Stelle ein Übriges...!), aber nachdem ich selbst zahlreiche Rezepte der beiden "Tender"-Bände ausprobiert habe, kann ich ein gehöriges Maß an Enttäuschung nicht verbergen. Stellvertretend für viele der leider sehr schlechten Rezeptideen mag die "Vanille Panna Cotta mit Rharbarberkompott" stehen. Selten habe ich eine derart ungenießbare Panna Cotta gesehen! Ein Fall für die Tonne... So kann ich nicht anders, als an dieser Stelle zu sagen "A waste of time and money!"
Das ist nun wirklich schade, weil Verarbeitung und Aufmachung des Buches sehr, sehr hochwertig sind und man die beiden Bücher wirklich gerne in die Hand nimmt. Aber es bestätigt einmal mehr meine Meinung über Nigel Slater: Masse statt Klasse. Will sagen: Aus seiner Feder stammen m. E. viele allenfalls mittelmäßige Rezepte, nur hin und wieder Rezepte mit dem "Wow"-Faktor. Hier würde ich jederzeit anderen Autoren aus Großbritannien den Vorzug geben.