Anne Bronte, (leider!!) stets die letztgenannte der talentierten Bronte-Schwestern, hat mit diesem Roman auf Probleme aufmerksam gemacht, die in einem Buch zu beschreiben für ihre Zeit eher untypisch waren. Der heutige Leser oder die heutige Leserin wird aber feststellen, dass sie mit ihren Schilderungen ihrer Zeit voraus war, und dass sie sich nicht vor ihren Schwestern Charlotte und Emily Bronte zu verstecken braucht!
Ihre Heldin, die hübsche Helen, kommt gemeinsam mit ihrem Sohn als unbekannte Schönheit in eine kleine englische Ortschaft und zieht in die alten Gemäuer der Wildfell Hall ein. Da sie über ihre Vergangenheit nichts verraten möchte, sondern nur vorgibt, Witwe zu sein, zieht sie bald den Klatsch und Tratsch der Ortschaft auf sich - nur einer, der junge Gilbert Markham, empfindet Sympathie und bald auch Liebe für sie, die sie nicht erwidern darf; sie gibt ihm ihr Tagebuch zu lesen. Anhand eben dieses Tagebuchs erfahren wir sodann die Vorgeschichte der Helen Huntington - einer Frau, die genaue Vorstellungen von ihrem zukünftigen Ehemann hatte, und sich auch gestattete, diese Vorstellungen zu äußern. In dem charmanten Arthur Huntington glaubte sie, ihre große Liebe gefunden zu haben, doch er entpuppte sich als vergnügungssüchtiger Trinker, und machte Helen das Leben zur Hölle.... und das bis zu ihrer verzweifelten Flucht mit ihrem Sohn, die sie nach Wildfell Hall brachte.
Dieses Buch ist vielleicht kein vollendetes Meisterwerk, verdient es aber, gelesen zu werden! Wer die anderen Bücher der Geschwister Bronte genossen hat, wird auch dieses Buch sehr schätzen, obwohl die Thematik eine andere, wenn auch ganz und gar nicht unaktuell, ist. Es ist spannend zu lesen, tiefsinnig, ausdrucksstark, mit einem schönen, vielleicht etwas zu langem Ende - alles in allem ein wirklich gutes Buch!