In diesem Buch werden ausgiebig Fakten aneinandergereiht mit denen die Autorin nur eines erreichen will: zu zeigen, was es alles nicht gab. Keine Flotte, kein Schatz, keine Tempelpriester, keine Templerburgen, kein Templerritus ...
Dabei macht die Autorin immer wieder haarsträubende Schlussfolgerungen, um ihre Thesen zu stützen. Sie betont aber gleichzeitig, dass nur sie (im Gegensatz zu allen anderen) wirklich wissenschaftlich arbeiten würde.
Ich habe mal für diese Rezension nochmal (widerwillig) irgendwo aufgeschlagen und gleich was gefunden:
S 51:"Der Orden bestand schliesslich zu einem überwiegenden Teil aus lese- und schreibunkundigen Laienbrüder, nicht aus gebildeten Priestern!". Das ist dann die Begründung der Autorin dafür, warum die Regeln für die kämpfende Truppe das Vorlesen der Regeln vorsah. Und es deshalb absolut sicher keine Geheimlehre gegeben haben kann. HÄH???..
Mal unabhängig davon, dass illiteraten sicher kein ausgeklügeltes System von "Travellercheques" für Jerusalem-Pilger (die auch noch chiffriert waren) unterhalten konnten, haben die "Analphabeten" die gesamte Organisation und Geldbeschaffung, also die gesamte Infratruktur zum erhalt der kämpfenden Truppe organisiert und Märkte unterhalten (wahrscheinlich konnten sie auch nicht rechnen..). Kurz zur erinnerung: Nur der kleinste Teil des Templerordens bestand aus den kämpfenden Mönchen, die allesamt zöllibat, gehorsam und treue geschworen haben. Die konnten im allgemeinen auch nicht lesen. Insgesamt waren das etwa 20.000 Mann im Laufe der rund 200 Jahre.
Der grossteil des Templerordens (rund 50-mal soviele) waren damit beschäftigt, die kämpfende truppe zu versorgen, die Pilgerreisen zu organisieren, die Geldgeschäfte zu tätigen etc. Und diese "Versorgungseinheiten" bestanden auch aus Priestern (grünes Gewand mit rotem Kreuz), die hoch gebildet waren und sehr wohl lesen und schreiben konten. Und die auch die codierten "Traveller-cheques" ausgaben und verwalteten. Diese waren das wirtschaftliche und intellektuelle Rückrat des Ordens. Ohne die Priester hätte sich der Orden niemals zu der bekannten Grösse entwickeln können. Diese Priester haben das Wissen verwaltet.
S110: dort bestreitet die Autorin die existenz der Templerflotte mit dem Argument, dass es in Marseille nur die Eintragung für 2 Templerschiffe gibt. Und weitere Zoll/Hafenpapiere nicht vorliegen.
Zur Erinnerung: Die templer hatten Zollfreiheit, Handelsfreiheit und waren von allen Abgaben befreit. Sie mussten über 200 Jahre lang regelmässig Personen, Güter und Waren (auch Gold) zwischen Frankreich und Palästina hin- und her transportieren. Am schnellsten auf dem Seeweg. Jetzt sollen wir glauben, dass die Templer das mit gecharterten Schiffen gemacht haben, die natürlich nicht von abgaben befreit waren und entsprechend teuer waren? Das ist wie wenn ein Grosskonzern seine Kugelschreiber beim Einzelhändler um die Ecke und nicht im Grosshandel kauft. Zudem gab es auch damals schon Piraterie im Mittelmeer, weshalb diese Schiffe zumindest in Begleitung von Kriegsschiffen operieren mussten, wenn sie nicht gar selber schwer bewaffnet waren.
Das diese Schiffe nicht in den Handlesregistern auftauchen ist nicht verwunderlich: sie hatten quasi diplomatische Immunität, die Hafenbehörde hatte kein recht, die Ware, die Passagiere oder die Besatzung zu untersuchen, und durfte auch nix daran verdienen...
In diesem Stil der oberflächlichen Mutmassungen, die dann zur "wissenschaftlichen Gewissheit" werden, geht das dann Seite für Seite weiter.
Wenn man das Buch gelesen hat kann man froh sein, dass die Autorinn nicht auch noch die generelle Existenz der Templer verneint. Die Quellen sind oft veraltet und zielgerichtet ausgewählt. Die Autorin sagt auch nicht, wie es ihrer Meinung nach tatsächlich gewesen sein soll.
Der richtige Titel für das Buch wäre: "Templermythen, und was meiner Meinung nach NICHT dahinter steht".
Auf so ein "Werk" kann die Welt gerne verzichten.
Es sind schwere methodische Fehler in diesem Buch. Man kann ja alles mögliche (auch im original) lesen. Und zitieren und (hoffentlich) auch mit richtigem Quellenverweis angeben. Aber die intellektuelle Leistung beginnt danach. Und die fehlt in diesem Buch.
Die Seiten bestehen aus einer endlosen wiederholung von: ...meinte das dies, ...meinte das das, ...meinte das jenes,...sagte das das nicht ist,...meinte das jenes nicht ist,...meinte das solches nicht ist.
In den ... befinden sich dann beliebig zusammengestellte Versatzstücke aus 3 jahrhunderten Templer-Literatur. Immer genau der Informationsfizzel, der scheinbar gerade passt. Viele "Quellen" sind irgendwelche "Untersuchungen" aus den Jahren 1800..1900. Also "topaktuelle" Quellen.
Und wenn das alles nicht hilft kommt das Killerargument: "Da es aus dieser Zeit keine Dokumente oder Aufzeichnungen darüber gibt (1300!), gibt es... auch nicht"
Jeder Laie kann auf diese Art und weise alles mögliche zusammenstellen und behaupten, was es wohl alles nicht gegeben hat. Das geht sehr schnell und relativ einfach. Ein stupides Cut&Paste. Gutti grüsst.
Riskant, Interessant und überhaupt erst lesenwert wird es, wenn ein Autor etwas behauptet, was es seiner Ansicht nach gegeben haben soll. Oder wie es gewesen sein könnte. Eine These halt. Damit stellt der Autor sich nämlich der Diskussion. Nur alles wegzubügeln, zu kritisieren und leugnen ist billig und sinnfrei. Im besten Falle verschwendete Lesezeit...
Wer sich die Ausgaben für das Buch sparen will, der kann mit einer Suchmaschine nach "Templerlexikon" und "uni-hamburg" suchen.
Im selben Verlag gibt es auch ein lesenswertes Buch: Milites Templi. Dort hat ein interessierter Laie, der gerne mal das tatsächliche Leben der Templer nachspielt, viel Zeit und Mühe aufgebracht und die tatsächlichen Lebensumstände rekonstruiert. Das Buch kann zwar nicht vollständig sein (z.B. fehlt der klerikale Teil fast völlig), aber es ist sehr gut recherchiert und gibt einen Eindruck davon, wie es mal gewesen ist.