Schon mit dem Opener "Junge im Schnee" lebt die Zeit der ersten Küsse wieder auf, der Proberaum in der Vorstadt-Garage, die Gigs im Jugendzentrum. Doch TempEau sind drei Mittdreißiger - und keine unbekannten: Jan Plewka und Stephan Eggert füllten mit Selig mal Stadien, Marek Harloff macht deutsches Kino für halbgefüllte Säle. Durch ein Filmprojekt trafen die drei Freunde aus Kindertagen wieder aufeinander und beschlossen, die Vergangenheit neu zu leben - wie anno 1979 in Ahrensburg, als sie sich den Ruhm erträumten. Damit alles so wie früher ist, hat Plewka das Mikro geräumt. Zwar kann Harloff nicht singen, doch das ist egal, denn TempEau machen Jungs-Musik, und da ist Dilettantismus gleich Qualität. Mit dem späten Debüt liefern sie zwölfmal ungehobelten Rock, gleichen fehlende Innovationen mit Energieüberschuss aus, und wenn es in den Texten um Protest, Unsicherheit und heimliches oder unheimliches Verliebtsein geht, dann wirkt das erstaunlich selten aufgesetzt. Viele Menschen über 30 werden sich wehmütig erinnern. (cs)