Unwissenheit, Inkompetenz, Bequemlichkeit, Desinteresse und Kulturverlust haben die Mehrzahl der Deutschen zu kulinarischen Analphabeten werden lassen. So jedenfalls sieht es der Autor dieses informationsreichen, hervorragenden Buches.
Wie aus zahlreichen Studien hervorgeht, wissen die Menschen wenig über den Nährwert und die inhaltlichen Substanzen von Nahrungsmitteln. Sie sind unaufgeklärt hinsichtlich der Aufzucht der Tiere, der Pflanz- und Erntemethoden des Getreides, Obstes und Gemüses und wissen kaum etwas über die industriellen Herstellungsverfahren der Lebensmittel. Weil sie im Laufe vergangener Jahrzehnte einschlägige Kochtechniken verlernt haben, ernähren sich die Deutschen immer häufiger von Fast-Food. Der Einzug der Mikrowelle in die Küche ist nicht folgenlos geblieben!
Ullrich Fichtner konstatiert, dass 70% aller Familien in Deutschland es nur noch zu einer gemeinsamen Mahlzeit in der Woche schaffen und pro Kopf in diesem Lande 90 Pizzen jährlich verspeist werden. Das Elend der Esskultur verrät, so der Autor, möglicherweise viel über den Zustand der Gesellschaft. Der kleine Kreis von Personen, der sich hierzulande mit verfeinertem Essen und damit auch mit Genuss befasst, findet ein feindliches Umfeld vor, dessen Ursache in einer verlogenen Neiddebatte, hervorgerufen durch protestantisch-strengen Biedersinn, zu suchen ist. Debatten dieser Art sind den genussfreudigen Franzosen fremd. Der Autor muss dies wissen, schließlich lebt er mit seiner Familie in Paris.
Fichtner unterstreicht, dass die vielen Kochsendungen im Fernsehen nicht als Indiz für ein vermehrtes Kochinteresse zu werten ist, sondern, dass durch sie eigentlich nur eine emotionale Lücke geschlossen wird. Es geht offenbar um die Befriedigung der Sehnsucht nach einer heileren Welt.
Wenn Essen der Kitt ist, der eine Gesellschaft zusammenhält, dann sollte man aufgrund der von Ullrich Fichtner aufgezeigten Entwicklung schleunigst Konsequenzen ziehen. Noch scheint es nicht zu spät zu sein.....!
Ein wirklich empfehlenswertes Buch!