Hier sind zwei Autoren, die Konstruktivismus an die Grenzen des Denkbaren und Erkennbaren (und sogar ein Stückchen darüber hinaus) führen. Selbst einigen eingefleischten Konstruktivisten wird bei der Lektüre dieses Buches schwindelig werden, wenn sie bemerken, wie die Fundamente ihres Denkens unter dem Druck der hier gestellten Anforderungen zu beben beginnen. Ob die beiden den Bogen überspannen? - Auf jeden Fall ist es spannend, ihren Ausführungen zu folgen. Und sie konfrontieren den Leser nicht mit Hirngespinsten, sondern mit folgerichtigen Überlegungen und empirischen Ansätzen. Ganz besonders ihr Vorschlag, Psyche als autopoietisches System zu beschreiben, ist faszinierend und innovativ. Psychologen, Theologen, Mediziner, Philosophen und auch ganz normale Menschen, die bereits von sich aus ihre Zweifel daran haben, ob es tatsächlich korrekt ist, Psyche einfach als Epiphänomen der körperlichen Existenz zu betrachten, werden in diesem Buch das Material finden, um ihre vielleicht noch wagen Zweifel in handfeste Konzepte überführen zu können. Aber wenn sie es nicht ist - Psyche bloßes Beiwerk des Körpers - was dann? Was folgt?
Meines Erachtens nach erstmalig für die Geschichte der Erkenntnisphilosophie wird von diesen beiden Autoren hier ein Beschreibungsmodell angeboten, welches tatsächlich eine fundierte Diskussion von grenzwertigen Erkenntnisfähigkeiten des Menschen, wie z.B. Telepathie, ermöglicht. Telepathie, ein Spezialfall von Kommunikation? Kommunikation, eine Präzisierung von Telepathie? Kommunikation und Telepathie, beide Kondensate aus interaktiven Denkprozessen?? Hier wird praktisch gezeigt, wie es möglich ist, durch anschlussfähige Ausdeutung eines Zeichenbereiches, den Erfahrungsbereich konstruktiv zu erweitern. Dieses Buch einmal gelesen, ist es nicht mehr möglich Phänomene wie Telepathie einfach auf Grund von Vorurteilen anzunehmen oder abzulehnen. Man sieht sich gezwungen, den Beweis oder Gegenbeweis im Selbstexperiment antreten zu müssen, für das die Autoren im praktischen Teil des Buches auch die geeigneten Verfahrensweisen bereitstellen. Und um all das zu erreichen, wird noch nicht einmal eine komplizierte Sprache benötigt. Das Buch ist in einem umgänglichen und dennoch präzisen Stil verfasst. Wer glaubt, dass keine Bücher mehr geschrieben werden, die die Welt inhaltlich verändern können, mag sich eines besseren belehrt finden, nachdem er dieses Buch gelesen hat.