Wer hätte das gedacht, ein ein Roman der griechischen Mythologie, der den Leser durch seine Aktualität fasziniert und durch seine Spannung in den Bann zieht. Wer glaubt, die griechische Mythologie sei 'kalter Kaffee' wird hier eines besseren belehrt. Schnell wird deutlich, dass der Roman nicht die Geschichte aus einem anderen Jahrhundert, sondern aus unserer Zeit erzählt. So verwundert es am Anfang schon, dass Auto und Telefon existieren, was aber auch zur Folge hat, dass uns der Roman die weit zurückliegende griech. Mythologie näher bringt. So erscheint uns die Antagonistin, Pallas Athene nicht weit abgehoben, sondern eher als eine Figur mit menschl. Charakterzügen, auch wenn sie natürlich Fähigkeiten besitzt, die nur Göttern vorbehalten sind. Mit Leichtigkeit dringt sie in Personen ein und wechselt ihre Gestalt, um ihre Aufgabe zu erfüllen: aus dem gleichgültigen Telemach einen Krieger zu machen. Sie will Telemach dazu bringen, seinen Vater, Odysseus, zu finden, damit die Belagerung des Hauses, wo er alleine mit seiner Mutter Penelope lebt, endlich aufhört. Denn hier sind jeden Tag die Freier versammelt, die eigentlich nur noch darauf warten, dass Penelope ihrem Mann nicht mehr nachtrauert und sich mit einem von ihnen vermählt. An dieser Stelle wird uns die griech. Mythologie wieder bewußt und dieses ist auch der Ausgangspunkt des Romans. So erlebt der Leser mit, wie es Pallas Athene schafft, oder auch anfangs nicht schafft, den schüchternen Telemach vom Charakter her zu verändern. Doch ab der Mitte des Buches beginnt der eigentliche Lesespaß. Die Szenen werden kürzer, die Handlung wird mehr, ohne dass an Details dabei eingebüßt wird. Denn dadurch besticht der Roman. Man wird mitgerissen und befindet sich selber in dieser Welt als Beobachter. Spannung wie in einem Krimi und immer die Frage, ob er es schaffen wird, und wie es weitergeht, treiben den Leser voran, so dass man mit Wehmut feststellt, wie schnell der Roman dann doch dem Ende zugeht. Ein weiterer Aspekt ist das lehrreiche Moment, das in dem Buch steckt. Brutale Bilder und Allegorien verweisen auf den zweiten Weltkrieg und rufen Schrecken und Entsetzen ins Gedächtnis. Die Frage "Wozu das alles?" muß sich der Leser allerdings selber stellen. Es ist die Aufforderung des Autors, sich mit der Politik und vor allem der Geschichte auseinanderzusetzen, um so für die Zukunft gewissenhaft zu handeln und einstige Fehler nie wieder zuzulassen. Köhlmeier schafft es, Charaktäre, die ganz plötlich eingeführt werden auch genauso schnell und unaufällig wieder verschwinden zu lassen. Und so wird am Ende deutlich, dass all die vielen verschiedenen Figuren im Prinzip nur Statisten waren. Es ist der Roman von Pallas Athene und Telemach, der am Ende alleine dasteht.
Ein bemerkenswerter, unheimlich spannender Roman, der nachdenklich und Lust auf mehr macht und für den es sich lohnt, ein bisschen Zeit zu investieren.