Mit seinem Soloprojekt Telekinesis tritt Michael Lerner aus Seattle in die Indierock-Fußstapfen von Death Cab For Cutie. Von denen hat er sich auch gleich den Produzenten geholt.
Der ist kein geringerer als Chris Walla, der normalerweise als Gitarrist mit Death Cab For Cutie durch immer größere Hallen tourt. Dass er den Sound auf Breite angelegt hat, wird nach wenigen Takten klar: Michael Lerners Stimme (auf die seine Brille perfekt abgestimmt zu sein scheint) ist mit mehreren Spuren eingedickt, der Mix aus E- und A-Gitarren geht schon mehr in Richtung Stadion als Lagerfeuer. Gemäßigtes Beispiel: "Great Lakes", das nicht selten an "Soul Meets Body" von Death Cab erinnert. Etwas lauteres Beispiel: "Foreign Room", mit dem sich Weezer-Fans anfreunden könnten.
Worum geht es bei der ganzen Sache? Eine Frage, die wohl schon länger gestellt wird: Ist Indierock noch hymnenfähig? Damit steht und fällt Lerners Debütalbum "Telekinesis!": Ist die Euphorie, die Kracher wie "Coast of Carolina" induzieren wollen, mehr als gut komprimiertes Radiofutter? Ist "Imaginary Friend" nur potenzielle Kulisse für eine Teeniekomödie, oder steckt da auch Schmerz drin?
Verschieben wir die Antwort auf Live-Erlebnisse, auf die diese Art von gitarrenlastigem Erlebnis-Rock zählt. Wenn da alle Nummern das Raffinement von "Great Lakes" entfalten könnten, wäre das ganz gut.