Bei vielen japanischen Animationsfilmen mit großen Themen habe ich das Gefühl, dass der Story sehr viel Zeit gegeben wird und sehr vieles so kryptisch symbolhaft verpackt ist, dass man als Voyeur der Kultur Schwierigkeiten bekommt.
Tekkon Kinkreet setzt da einen drauf - hier gibt es mindestens so viele Symbole, surreale Szenen, schwindelerregende Kameraperspektiven und das ganze in 8facher Geschwindigkeit. Es spielt gar keine Rolle, ob man wirklich jedes Symbol versteht, weil die Grundstory so universell ist und alleine schon über die Namen der Charaktere deutlich gemacht wird, dass man sich entspannt zurücklehnen und sich ganz auf die atemberaubenden Hintergründe, rasanten Jagden und gefährlichen Konfrontationen einlassen kann.
Die Charaktere sind nicht platt "Schwarz" und "Weiß" - sie sind sehr komplex, widersprüchlich und hängen an dem traditionellen Viertel, das sie gegen unüberwindbar große Feinde (verkörpert durch Herrn Schlange/die Glücksspielindustrie) verteidigen wollen. Schwarz geht dabei sehr offensiv vor, während Weiß die Unschuld der beiden aufbewahrt und Schwarz wieder auf den Boden holt - ironischer Weise dadurch, dass Weiß sich fort träumt.
Die Balance zwischen den schnellen und/oder gewalttätigen Szenen und den ruhigen, aber nicht minder spannenden Szenen gibt dem Film eine sehr spannende Struktur und bereitet auf das furiose Ende gut vor.
Viel verraten will ich nicht, aber mir lagen die Charaktere bald so sehr am Herz, dass ich mir unbedingt ein Happy End gewünscht habe. Auch wenn Herr Schlage, Schwarz und Weiß schon danach klingen - der Film bedient sich Klischees, um die rätselhafte (unserer aber verwandten) Welt nicht groß erklären zu müssen, überrascht aber ständig durch unvorhersehbare Entscheidungen der Charaktere.
Freunde der Animation werden hier voll auf ihre Kosten kommen und die Themen gehen jeden etwas an - Freundschaft, Beleben von Tradition, innere Konflikte. Die Erzählweise halte ich für jedermann verständlich. Ob nun die intensive Stimmung auch so für Leute herüberkommt, die sich sonst wenig mit "Trickfilmen" beschäftigen (Tekkon ist eher kein Kinderfilm), kann ich leider schwer einschätzen. Vielleicht ist das aber ein guter Film, um es herauszufinden.
Zusammengefasst: Ein sehr prächtiger Film, intensive Stimmungen (Soundtrack, Erzählweise, Kameraperspektiven, Gestaltung), starke, rührende Charaktere und eine großartige Geschichte. Einer der besten Animes, die ich in einiger Zeit gesehen habe.