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Teil der Welt: Fraktale einer Ethik oder Heinz von Foersters Tanz mit der Welt [Broschiert]

Heinz von Foerster , Monika Bröcker
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
Preis: EUR 29,95 kostenlose Lieferung. Siehe Details.
  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
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Kurzbeschreibung

2007
Dieses Buch ist die ausführlichste biographische Darstellung über Heinz von Foerster, ein Buch, in das er mit der Unterstützung von Monika Bröcker noch einmal das gesamte Gewicht seines 90-jährigen Lebens gelegt hat. Es vermittelt neben der Lebensgeschichte und den wichtigsten Gedanken des "Sokrates der Kybernetik" gleichzeitig auch Welt- und Wissenschaftsgeschichte aus erster Hand.
Von Foerster ist ein begnadeter Erzähler, und was er nicht von sich aus schildert, holt Monika Bröcker in den Gesprächspassagen mit ihren gleichermaßen klugen wie einfühlsamen Fragen ans Licht. Fast en passant gelingen den beiden so unterhaltsame Erklärungen auch schwieriger Sachverhalte.
"... ebenso schwungvoll wie erhellend, ein unglaubliches Dokument eines zutiefst engagierten und amüsierten Lebens."
(Dirk Baecker, Universität Witten-Herdecke)

Viktor-Frankl-Preis 2001 für Heinz von Foerster!

Wird oft zusammen gekauft

Teil der Welt: Fraktale einer Ethik oder Heinz von Foersters Tanz mit der Welt + Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners: Gespräche für Skeptiker + Wie wir uns erfinden. Eine Autobiographie des radikalen Konstruktivismus
Preis für alle drei: EUR 74,85

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Produktinformation

  • Broschiert: 368 Seiten
  • Verlag: Carl-Auer; Auflage: 2., korr. A. (2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3896705571
  • ISBN-13: 978-3896705570
  • Größe und/oder Gewicht: 21,6 x 13,4 x 2,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 106.042 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"... ebenso schwungvoll wie erhellend, ein unglaubliches Dokument eines zutiefst engagierten und amüsierten Lebens." (Dirk Baecker, Universität Witten-Herdecke)

Rezension

Dieses Buch ist ein Buch über die Entstehung dieses Buches. Diese Rückbezüglichkeit ist kein Zufall, sondern Programm. Denn Rückkopplungsschleifen sind Hauptgegenstand der Kybernetik, die von Steuerungs- und Kommunikationsprozessen bei Tieren, Menschen und Maschinen handelt. Als ihr Vater gilt der Mathematiker Norbert Wiener (1894-1964); für ihre Weiterentwicklung und Verbreitung sorgte ganz wesentlich der Physiker Heinz von Foerster. In Deutschland ist "Wissen und Gewissen - Versuch einer Brücke" wohl sein bekanntestes Buch. In vielen, auch in den Geisteswissenschaften sehr beachteten Arbeiten über die Eigenschaften natürlicher und technischer Systeme schuf er Grundlagen für die Entwicklung von Computern und künstlicher Intelligenz sowie für das Verstehen der menschlichen Kommunikation und der Organisation menschlichen Zusammenlebens. Der in Wien geborene Heinz von Foerster gab nach dem Zweiten Weltkrieg der experimentellen Kognitionsforschung in den USA eine völlig neue Richtung: Das Verhalten eines lebendigen Organismus wird weder monokausal von innen noch von außen gesteuert, sondern der Organismus steuert sich selbst, indem er Eigenverhalten bildet. Dieser Prozess kann als mathematische Iteration verstanden werden, die gegen einen Fixpunkt strebt; er ist unter den Namen "Autopoiese" und "Selbstorganisation" populär geworden. Erst heute, nachdem wesentlich einfachere mathematische Iterationen in den Fraktalen eine eingängige bildliche Darstellung gefunden haben, wird die Bedeutung dieser neuen Sichtweise allmählich erkannt und gewürdigt. Heinz von Foerster entfaltete seine Auffassungen in der Auseinandersetzung mit der frühen Kybernetik und deren Gründervätern Norbert Wiener und Warren S. McCulloch (1898-1972). Er gründete und leitete fast zwanzig Jahre das Biological Computer Laboratory an der University of Illinois in Urbana-Champaign (südlich von Chicago), ein Zentrum, an dem Physiker, Mathematiker, Biologen, Mediziner, Techniker und Philosophen gemeinsam logischen und methodischen Problemen nachgingen, die das Erkennen des Erkennens aufwirft. Monika Bröcker, einer freien Wissenschaftlerin und Autorin, die seit 1998 eng mit von Foerster zusammenarbeitet, ist es durch hartnäckiges Fragen gelungen, ihrem Helden neben einer sehr verständlichen populärwissenschaftlichen Darlegung seiner Hauptgedanken seine bislang ausführlichste Biografie zu entlocken. Am meisten besticht an diesem Buch die Einheit von Inhalt und Form. Seine Dialogform weckt Assoziationen zu den überlieferten antiken Dialogen von Sokrates, den Unterredungen von Galileo Galilei und den Gesprächen des ebenfalls prominenten Kybernetikers und Systemtheoretikers Gregory Bateson (1904-1980) mit seiner Tochter, die dieser in seinem Buch "Ökologie des Geistes" als "Metaloge" bezeichnete. Im ersten Akt suchen Autor und Autorin nach der geeigneten Darstellungsform. Ein Blick hinter die Kulissen wird gewährt, und die Bühne wird ausgemessen. Dann erfolgt eine Art Tango um die Themen Kybernetik, Ethik und Konstruktivismus: Fragen und Gegenfragen wechseln sich mit "Biss" ab. Provozierende Angriffe werden jäh in respektvoller Empathie gebremst. Dabei werden recht beunruhigende Fragen aufgeworfen: Wenn unsere Welt auf Axiomen beruht, ist dann nicht die Veränderung eines Axioms eine Veränderung der Welt? Wenn wir die Axiome frei wählen können, sind wir dann nicht für diese Welt verantwortlich? Der zweite Akt widmet sich autobiografischen Erinnerungen und Familiengeschichten Heinz von Foersters. Lesende werden unvermittelt vom Strudel der Umwälzungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts erfasst: Neben philosophischen und naturwissenschaftlichen Ereignissen werden die aufkommende Frauenbewegung, die Entdeckung der fernöstlichen Philosophie und das Zerbröseln bürgerlicher Moralvorstellungen in pointierten Anekdoten illustriert. Es folgen Schilderungen der faschistischen Diktatur, der Kriegs- und Nachkriegsjahre sowie der akademischen Kultur in den USA. Wer je sein ungeduldiges "et cetera, et cetera ..." vernahm, wird in der Wiedergabe der Tonbandaufnahmen mühelos den authentischen von Foerster wiedererkennen und zwischendurch nur ungern das Buch aus der Hand legen. Im dritten Akt gewinnt der Tango noch einmal an Tempo. Verschiedene Konsequenzen der Ideen und Haltungen Heinz von Foersters für Therapie, Management, Erziehungs- und Computerwissenschaft werden diskutiert. Heinz von Foerster ist am 2. Oktober 2002, kurz vor seinem 91. Geburtstag, in seinem Haus in Pescadero (Kalifornien) verstorben. Die Nachrufe weisen zu Recht darauf hin, dass seine technischen Erfindungen, seine Beiträge zur Kybernetik, Wissenschafts- und Erkenntnistheorie maßgeblichen Einfluss auf das zwanzigste Jahrhundert genommen haben. Diese Beiträge werden in einer immer komplexer werdenden Welt zunehmend an Bedeutung gewinnen. Rezensent: Prof. Dr. André Frank Zimpel -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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5.0 von 5 Sternen Ein wertvolles Geschenk fürs Leben 14. Mai 2012
Format:Broschiert|Von Amazon bestätigter Kauf
Dieses Gespräch zwischen Heinz von Foerster und Monika Broecker ist ein besonders wertvolles Geschenk. Es ist aus meiner Sicht ein Werk, welches sich im wahrsten Sinne immer wieder von neuem erforschen lässt. Heinz von Foerster hätte an diesem Gedanken wohl seine Freude gehabt, denn er fordert uns ja auf, dem Leben gegenüber eine solche forschende Haltung einzunehmen.
Mein besonderer Fokus in diesem Buch gilt den Überlegungen zur Systemtheorie und der konstruktivistischen Erkenntnistheorie. Die Geschichten dazu sind einleuchtend erzählt! Auf diese Weise ist ein Transfer ins eigene Leben möglich, da unser Leben ja auch immer wieder überraschende Geschichten bereit hält. Die Phänomene, welche im Buch beschrieben sind, lassen sich auf diese Art und Weise selber beobachten und verifizieren. Dankbar bin ich auch für den Begriff der Lethologie - "die Kunst des Nichtwissens". Wir sind immer wieder herausgefordert unseren eigenen Vorstellungen kritisch zu begegnen - inzwischen freue ich mich darüber, dies eine lethologische Haltung zu nennen.
Teil der Welt: Fraktale einer Ethik - nehme ich immer wieder zur Hand. Die aufgezeigten Zusammenhänge regen zum Denken an und erhöhen die Chance, dass eigene kreative Ideen entstehen. Heinz von Foerster hätte dieses Phänomen wohl als Emergenz beschrieben.
Ich befasse mich intensiv mit der Entwicklung von Lernarragments in Schule und Unterricht, welche das selbstorganisierte Lernen der Menschen dort ermöglichen. Heinz von Foerster hat mich im Buch angeregt über das Wunder der Selbstoranisation zu staunen. In meiner Praxis als Lehrer bin ich deshalb stets auf der Suche Wege zu finden die Menschen in ihren selbstorganisierten Lernprozessen zu unterstützen. Selbstverständlich spielen da die Beobachtungen, die Reflexionen, die zirkulär verstärkten kleinen Lernerfolge (Kybernetik) eine zentrale Rolle.
Nicht zuletzt berührt dieses Buch. Die Entstehungsgeschichte, diese intensive Zusammenarbeit und auch der Zeitpunkt kurz vor dem Tod von Heinz von Foerster wird in diesem Werk auf verschiedenen Ebenen sichtbar!
vielen herzlichen Dank!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Broschiert
Ein Geschenk für die Welt

Monika Bröcker war die einzige unter meinen Studentinnen und Studenten, der ich gegen Ende der Anfertigung ihrer Diplomarbeit das Lesen auch nur eines einzigen weiteren Buches untersagt habe. Ja ich habe ihr sogar als sie eines Tages mit Wilke’s Systemtheorie II ankam, welches kurz vor der geplanten Abgabe von Monika’s Diplomarbeit erschienen war, das Buch weggenommen. Ich hatte keinen Zweifel, dass sie in der Lage war, auch noch ein weiteres Dutzend Bücher und Quellen sinnvoll zu verarbeiten, aber doch ziemliche Bedenken, ob sie ihre Arbeit rechtzeitig abgeben würde. Dieses Gelingen durch Entzug von Informationen ist inzwischen zu einem »running gag« unseres Facebook Austausches geworden. Ich habe aber auch vor ihr und nach ihr niemanden kennengelernt, der oder die in der Lage war, aus einer gigantischen Flut von Quellen das Relevante herauszufischen und dann so mit den eigenen Überlegungen zu verbinden, dass ein außerordentlich gut lesbarer Text mit einer derartigen Intensität, Tiefe, Assoziationsdichte und Anregungsqualität für eigene, weiterführende Gedanken entsteht wie es ihr immer wieder gelingt. Und das wirklich Besondere ist, was anderen ja auch auffällt (siehe die Rezensionen), dass man sich immer wieder mit Genuss und Bereicherung und auch nach etlichen Wiederholungen ohne das Gefühl von aufkommender Langeweile in ihre Texte versenken kann. Ihre Abschlussarbeit zum Thema »Change Management« ist nach wie vor konkurrenzlos und für meine praktische Arbeit immer wieder eine Quelle der Anregungen und Mahnung des notwendig sehr spezifischen Vorgehens.

Vor diesem auch sehr persönlichen Hintergrund daher – inhaltlich ist in den anderen Rezensionen ja schon Wesentliches geschrieben worden – meine erneute Empfehlung, das zusammen mit Heinz von Foerster in seinen letzten Lebensjahren entstandene und nun neu aufgelegte Buch »Teil der Welt« zu lesen, vor allem aber auch, es weiter zu empfehlen und – bei jeder sich bietenden Gelegenheit – weiter zu verschenken (!). Wie ebenfalls einer der anderen Rezensenten schrieb, ist Heinz von Foerster immer noch viel zu wenig beachtet, wahrgenommen und ernst genommen. Wie viel mehr Friede könnte zwischen einzelnen Menschen aber auch in der Gesellschaft und zwischen den Völkern herrschen, wenn endlich verstanden werden würde, dass jeder Streit um die EINE WAHRHEIT so völlig müßig und unsinnig ist. Heinz von Foerster hat durch sein eigenes Lebenswerk aber eben auch durch all die von ihm entdeckten, geförderten oder vernetzten Menschen nicht nur einen neuen Erkenntnisraum eröffnet sondern eine Vielzahl von Weltverständnissen ermöglicht, eine erkenntnistheoretische Grundlage geschaffen, die den Tod bringenden Dogmatiken den Boden entziehen könnte.

Und wer hätte mit dieser Fülle eines in jeden Zügen intensiv gelebten Forscherlebens besser umgehen können als Monika, die es verstanden hat, die Heinz inspirierenden, aber auch insistierenden, kritischen Fragen zu stellen, mit großer Geduld zu zuhören und dann die Menge von Tondokumenten zu transkribieren und all das dann in ein großartiges, lesbares, spannendes, berührendes, sehr menschliches Buch umzusetzen. Ein Buch, das alle Kategorien sprengt. Es ist Biographie, es ist Wissenschaft in statu nascendi, es ist auch ein Roman: Erzählkunst des verschmitzten Heinz, die jeden schmunzeln lässt, der ihn selbst noch erlebt hat. Aber selbst, wer nur Videos oder Filmausschnitte mit ihm kennt, wird erstaunt sein, wie beim Lesen seine ureigene Art des Sprechens, sein immer voller Humor gespicktes anekdotisches Erinnern augenblicklich wieder lebendig wird. Die beiden Autoren haben mit diesem Buch der Welt ein einmaliges Geschenk gemacht. Es ist der Welt zu wünschen, dass sie dieses Geschenk (das seit Kurzem auch in englischer Sprache verfügbar ist) annimmt.

PS: Die amerikanische Version, „Part of the World“ kann bei Lulu gefunden werden. Als Hardcopy und als eBook zum sofort Herunterladen. Siehe: lulu.com/soundofspirit
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Broschiert|Von Amazon bestätigter Kauf
So wie das zu besprechende Buch wunderbar konstruktivistisch aufgebaut ist, so soll auch meine Rezension ausfallen. Meine Gedanken liefern also in erster Linie eine Aussage darüber wie ich, Patrick Breitenbach, das Buch empfunden habe und nicht wie das Buch wirklich ist. Das sei nur als Vorwarnung gesagt.

Es gibt nur wenige Bücher, die ich in einem Haps verschlinge. „Teil der Welt“ ist ein solches und hinterließ neben jeder Menge Unterhaltung auch ein tiefes Gefühl von Verständnis, Erkenntnis und wichtige inspirierende Anknüpfungspunkte. Es ließ mich teilhaben an der faszinierenden (Gedanken)welt eines Menschen der so wunderbar verrückt, verschroben, klar, offen, dickköpfig, kreativ und herzlich zugleich war. Es gibt nur wenige bewusst gewählte Vorbilder für mich, dieser Mann, spätestens nach der Lektüre, wurde nun wahrlich eines davon.

Natürlich war ich schon vorab mit der Person Heinz von Foerster in Fragmenten vertraut. Seine Interviews, die zum Teil als Videoschnipsel auf Youtube abrufbar sind, haben mich auf Anhieb immer wieder in den Bann gezogen. Heinz - wie er sich selbst gerne in der dritten Person nannte - war ein fabelhafter Geschichtenerzähler und damit ein Magier der Kommunikation. Er verstand es das Publikum in seinen Bann zu ziehen, indem er womöglich zwei Dinge richtig gut tat: 1. Er strahlte ungeheuerliche Intelligenz und Selbstsicherheit aus und 2. verwendete er dabei eine fabelhaft einfache Ausdrucksweise mit einer leicht schelmisch bis anarchistischen Haltung. Auch seine Haltung bezüglich der Untrennbarkeit von Wissenschaft, also den ganzheitlichen Blick auf die Zusammenhänge des Lebens schätze ich ungemein. Kurzum ich habe vor der Lektüre des Buches schon einen gewissen wohlwollenden geistigen Nährboden mitgebracht.

Auch der Konstruktivismus und generell die großen Fragen der systemischen Theorien waren mir zuvor nicht gänzlich unbekannt, im Gegenteil ich habe mich seit vielen Jahren damit mehr oder weniger intensiv beschäftigt und nach und nach wurde diese Betrachtungsweise der Welt, oder Denkschablone, wie ich sie manchmal nenne, zu meiner eigenen Methode die Welt zu erschließen. Aber wirklich verinnerlicht habe ich diese Haltung wohl erst dank der Lektüre dieses Buches. Es hat mich also regelrecht verzaubert.

Wer von vornherein dem Thema skeptisch/dogmatisch gegenübersteht wird wohl mit den Gedanken wenig anfangen können, zumal schon die Erzählform in den Augen vieler wissenschaftsorientierter Menschen als ein „no-go“ aufgefasst werden könnte. „Der Mann erzählt eine Geschichte und das auch noch bruchstückhaft. Das ist ja unerhört!“ höre ich sie schon rufen. Wer aber gewillt ist zwischen den Zeilen zu lesen und Erkenntnisgewinn nicht nur aufgrund von scheinbar rationalen, wissenschaftlich formulierten Aussagen für sich ziehen kann, der sollte dieses Buch unbedingt lesen. Kein anderes Buch vermittelt den Konstruktivismus, die Kybernetik und vor allem die Frage der Ethik so spielerisch, spannend und unterhaltsam wie dieses Buch.

Ich glaube Heinz von Foerster ist einer der unterschätzten großen Geister des 20. Jahrhunderts oder wie er selbst mal formulierte „Ich bin sehr schlecht in Sachen PR“. Seine Forschungen hatten bahnbrechende Konsequenzen und seine interdisziplinäre Vernetzung mit den größten Wissenschaftlern, aber auch Studierenden seiner Zeit war wohl sein größtes Talent, damit jedoch in den Fokus der Aufmerksamkeit zu gelangen wohl weniger, was ich persönlich sehr schade finde, denn im Konkurrenzkampf der Aufmerksamkeit dürften die Ansichten von Heinz weitaus gesellschaftlich relevanter sein als das meiste was wir tagtäglich von den Medien serviert bekommen.

Für mich war also weniger wichtig was genau Heinz entdeckt hat sondern vielmehr das „wie er es entdeckt hat“, nämlich durch seine eigene (ethische) Haltung. Mit offenen Augen und scharfem Verstand durchs Leben ziehen und sich auch ein Stück gelassen treiben lassen, um emergente Situationen auf sich zukommen zu lassen und sie mit einer selbstverständlichen Offen- und Herzlichkeit zu „nutzen“. Die Erzählweise von Heinz ist bemerkenswert, man achte nur auf seine Wortwahl. Aus seiner Sicht ist die Welt hochinteressant, wundervoll, entzückend und faszinierend. Er konnte den Konstruktivismus und die Kybernetik also nicht nur wundervoll auf seine Weise beschreiben, sondern sie tatsächlich auch als Haltung leben.

Es gibt natürlich Passagen im Buch, die auf bestimmte Fragen eine unbefriedigende Sichtweise hinterlassen, aber das führt letztlich dazu sich selbst auf die Reise zu machen. Heinz von Foerster will schließlich keine Fragen beantworten, weil es für ihn nicht „die Antworten“ gibt, er will neue Sichtweisen ermöglichen und vor allem eine Haltung anbieten, bei der jeder einzelne Mensch das Heft selbst in der Hand hat, ohne dabei jedoch von anderen Menschen losgelöst zu sein. Nicht die Umwelt formt uns, sondern wir formen durch die Formung der Umwelt uns selbst. Heinz behauptete ja immer er sei kein Poet. Ich glaube in diesem Punkt irrte er sich gewaltig. Heinz war ein wahrhafter Wissenschaftspoet.

Ich danke der Autorin Monika Broecker für ihre ungeheurliche Arbeit, die sie in dieses Buch gesteckt hat. Sie hatte das Vernügen diese Gespräche mit Heinz zu führen, aber wohl auch die undankbare Aufgabe aus der Fülle von Input ein knackiges Buch zu komprimieren. Ich kann mir vorstellen, das dies nicht gerade einfach war. Aber am Ende ist es ihr definitiv gelungen.

Wer eine nüchterne wissenschaftliche Abhandlung über Ethik, Konstruktivismus oder Kybernetik erwartet sollte das Buch nicht kaufen (oder vielleicht gerade doch). Wer ein Freund von Abenteuergeschichten, philosophischen Gesprächen und Gedankenspielen ist muss dieses Buch einfach gelesen haben.
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