Anders als andere Krimis lebt dieses Buch nicht davon, dass Spannung entsteht, weil ein Mörder gefunden werden muss. Vielmehr machen es die Alltagsbeschreibungen des Lebens der einfachen, aber auch der "reichen und schönen" Bewohner des Tegernseer Tals interessant.
Weitere positive Aspekte: Gerade die Dialoge sind oft lustig. Außerdem ist die Geschichte brandaktuell. Wer wissen will, wie die meisten Menschen über die Finanzkrise denken, kann es hier schwarz auf weiß nachlesen - natürlich von Steinleitner gekonnt ins Satirische überdreht.
Zudem ist es ein Buch, das man schnell und nebenher lesen kann. Es strengt nicht an.
Obwohl die Charaktere oft satirisch überzeichnet sind und ihre Schwächen haben, sind sie fast alle sympathisch - die ermittelnde Polizeihauptmeisterin Anne Loop mit ihren Erziehungsproblemen als Alleinerziehende, der einfältige Polizist Kastner (stets auf garantiert erfolgloser Frauensuche), sein grantelnder Vorgesetzter mit Verdauungsproblemen und Fliegenphobie, und natürlich auch die drei "Tegernseer Kammerjäger", die dem Heuschreck-Finanzhai, der sie um ihr Vermögen gebracht hat, eins auswischen wollen - sind mir zutiefst sympathisch.
Was man kritisieren könnte: Es ist weder der neue deutsche Wallander noch ein amerikanischer Thriller à la Forsyth. (Das hat aber den Vorteil, dass man nach der Lektüre gut und ruhig schlafen kann.) Und: Woran der Milliardär jetzt genau gestorben ist, wird auch nicht hundertprozentig klar. Das könnte der Autor in einem weiteren Band noch ergänzen - oder war es Absicht?
Fazit: Ich würde gerne von weiteren Fällen dieser illustren Polizeigemeinschaft lesen.