"Globalisierung" bedeutet nicht nur die Richtung einer politischen Bewegung. Die Verschmelzung von Kulturen als Ergebnis des genannten Vorgangs kann ebenso darunter verstanden werden.
Da nach dem Zerfall des kommunistischen Staates Jugoslawien die Wirtschaft ihrer ehemaligen Teilstaaten und somit auch Serbiens zurück ging, ist es doch erfreulich, daß eine Produktion wie "Technotise" im Jahr 2009 realisierbar war.
Dank des Einzugs von Internetanschlüssen in den Haushalt der ex-jugoslawischen Staaten, stieg nun auch der Bekanntheitsgrad von asiatischen und amerikanischen (etc) Zeichentrickfilmen und Comics. (Wobei Jogoslawien nicht gänzlich unbeeinflusst war von ausländischen Produkten. So konnte man beispielsweise Stickeralben von -Macross/Robotech- als "Robotek: Svemirska Odiseja"- vom "Forum Marketprint"-Verlag 1990 am Kiosk erwerben, oder Raubkopien der Animeserie auf Kassetten in Videotheken.)
So entdeckte Aleksa Gajic (Geb. 1974 in Beograd) im Alter von sieben Jahren seine Vorliebe für Comics. In der Jugend begann er seine künstlerische Karriere in Serbien. 1998 veröffentlicht er seinen ersten Comic "Technotise", der als Diplomarbeit an der Fakultät für Angewandte Künste entsteht.
Mit Hilfe des Produktionsfirma "Yodi Movie Craftsman" fungiert er 2009 als Regisseur und Drehbuchautor des 103minütigen Animationsfilms "Technotise", welcher seine eigene Comicvorgabe weiterführt.
Schauplatz des Geschehens ist Beograd im Jahre 2074. Abel Mustafov, ein authistischer junger Mann ist unter Aufsicht von Wissenschaftlern und Militär, da er enorme mentale Kräfte in sich birgt, die ihn unter anderem bereits zu Beginn des Films in die Zukunft blicken lassen.
Wer hier Parallellen zu Katsuhiro Otomos apokalyptischen Über-Anime "AKIRA" entdeckt, liegt richtig. Zahlreiche Verweise zu ausländischen Produktionen finden sich in Technotise. So heißt das verstorbene Robothaustier der Hauptprotagonistin Edit Stefanovic etwa "Otomo". Auch der Name "Lem" fällt, der vermutlich auf den polnischen Science Fiction-Autor Stanislav Lem hinweist. Oder auch Robot-Hase und Igel, die Produkte des "Puppenherstellers" in Ridley Scotts "Blade Runner" - nach der Romanvorlage von Phillip K. Dick (Träumen Androiden von Elektrischen Schafen?) sein könnten.
Große Vorbilder und Einflüsse lässt uns Aleksa Gajic also erkennen. Doch kann sein Animationsfilm mit diesen Werken mithalten? Nein. Hierzu stehen selbstverständlich weder die technischen, noch finanziellen Mittel zur Verfügung. Aber auch der Inhalt bietet leider wenig Innovation, keinen großen philosophischen Hintergrund oder Interpretationspotenzial.
Als Comic-Zeichner offenbart Gajic beachtliches Können. Seine Zeichnungen scheinen eine Symbiose aus detailierten Werken wie die des französischen Kultzeichners Jean Giraud alias Möbius und psychodelischen 70er Stil, unbekannterer Zeichner. Tatsächlich gibt Gajic in Interviews seine französischen Einflüsse an. Mit Denis Bajram und Valérie Mangin arbeitet er in folgenden Jahren zusammen.
Der eigenen Comicvorlage wird der Film leider auch nicht gerecht. Die Animation ist viel zu schlicht, teilweise werden Standbilder von Charakteren nur digital verschoben, um ihre Fortbewegung zu erzeugen. Das allein fiele auch nicht sonderlich störend aus. Leider sind bsw auch Gesichtszüge viel zu detailarm dargestellt und können nicht immer einen adäquaten Gefühlsausdruck simulieren.
Auch das Verhalten der Charaktere ist mehr als unrealistisch dargestellt. So erzählt ein ranghoher Wissenschaftler der Studentin Stefanovic allein auf ihre Aussage hin, sie hätte den Verdacht, Abel könne in die Zukunkft schauen - weil er ihren Telefonanruf vorausgesehen habe, sämtliche firmeninterne Geheimnisse.
Sinnvoller wäre es vom Regisseur gewesen, statt die ganzen anzüglichen Witze so detailiert auszuarbeiten, er hätte sich um realistisches Verhalten und einen logischen Plott gekümmert.
Technotise, als Animationsfilm hätte eigentlich 2-3 Sterne verdient. In Anbetracht des Arbeitsaufwandes in einem Land wie Serbien, einen Science Fiction-Animationsfilm auf die Beine zu stellen, vergebe ich hier dann aber doch 4 Sterne. Ich denke, Aleksa Gajic ist im Stande, in Zukunft Größeres zu erreichen, wenn er sein Werk objektiv und kritisch hinterfragt und wenn ihm die richtigen Mittel zur Verfügung gestellt werden.