Die Autoren Bronznik und Terekhin stellen in diesem Mittelspielbuch insgesamt 45 effektive Spieltechniken aus dem Bereich des Positionsspiels vor. Ich muß zugeben, dass ich von dem Buch mehr und mehr begeistert bin - je öfter ich es zur Hand nehme, umso besser gefällt es mir!
Und das auch aus gutem Grund: die vorgestellten Techniken werden verbal ausführlich vorgestellt, dann folgen instruktive Partiebeispiele. Das führt dazu, dass dem Leser der tiefere Gehalt der Ideen klar verständlich gemacht wird und man die Techniken schon bald in den eigenen Partien anwenden kann. Dem belesenen Leser wird das eine oder andere Partiebeispiel
bekannt vorkommen, aber dank weiterführender Beispiele aus der Praxis der weltbesten Spieler bekommt man Einsichten in wahre Techniken vermittelt, die man sonst eventuell nur als gelungenes Einzelbeispiel verstanden hätte!
Oft werden - und das hat mir besonders gefallen - die Techniken bekannten Spielern zugeschrieben, die selbige erstmals erfolgreich angewandt haben! So zum Beispiel "Capablancas Figurensatz gegen den Minoritätsangriff", "Smyslovs
Dame-/Läuferbatterie Db7, Lc6" (die wohl auch früher schon Reti anwandte), "Botwinniks Kampf gegen f7-f5 im Königsinder = der Schlag gegen die Nahtstelle" und vieles weitere. Besonders eingeprägt haben sich bei mir die Techniken zum Kampf und offene Linien, das Manöver Dd8-b6, das Tfc8 vorbereitet und Db6-d8 (!) folgen lässt, um z.B. in der a-Linie entgegenhalten zu können
sowie Techniken zum Abtausch der richtigen Figuren und das "Freisprengen von Stützpunkten".
Andere Techniken mögen dem Leser weniger praxisnah erscheinen, wie etwa die "Evakuierung des Königs" oder "Karpov's Linienverstellung". Aber vielleicht liegt das auch daran, dass man sich bisher einfach nicht traute, mitten im gegnerischen Angriff mit dem König davonzupreschen oder wie in Karpov-Unzicker
La7 nebst Turmverdoppelung in der a-Linie zu spielen? Wer die Leningrader Variante des Nimzo-Inders kennt, weiß nur zu gut, dass die schwarze Königsüberführung von e8 nach c7 dort zum Standardaufbau gehört und erfolgreich von Karpov, Short und anderen angewandt und damit zu einer "Technik des
Positionsspiels" gemacht wurde!
Die Ideen sind kristallklar herausgestellt, die Analysen beschränken sich dabei auf die wirklich notwendigen Varianten, so dass man das Buch auch ganz gut ohne Brett "lesen" kann. Dass dabei auch die unterschiedlichsten Eröffnungsbeispiele zur Erklärung der Techniken vorgestellt werden, sorgt für Abwechslungsreichtum und einen gesunden, bunten Mix! Druck, Papier und Aufmachung sind dabei in Kania-üblicher hoher Qualität, so dass ich dieses tolle Buch allen Spielern zwischen 1700 und 2300 uneingeschränkt empfehlen kann!