Bei diesem Buch handelt es sich um ein bemerkenswertes Werk und es überrascht mich, dass es hier erst eine Rezension erhalten hat. Ich habe das Buch erst vor kurzem erworben und bislang noch nicht viel Zeit damit verbracht. Dennoch kann ich ohne Zögern 5 Sterne vergeben, denn ich habe bereits jetzt enorm davon profitiert und einfache, aber entscheidende Dinge gelernt, die mir in vielen Jahren des Klavier-'Studiums' (rein als Hobby) nicht beigebracht wurden, obwohl ich gute Lehrer hatte.
Und jetzt das vielleicht Überraschende: Ich beziehe mich hier auf Hinweise, die gar nicht im engeren Sinne die Technik des Klavierspiels (vgl den Titel des Buches) betreffen! Insoweit greifen die obigen Beschreibungen des Buches durch Verlag und Autor zu kurz; in diesem Buch steckt wahrlich mehr. Dem Autor gelingt es etwa, den Pianisten in Kürze zu größerer Gelassenheit insgesamt, aber auch zu einem konstruktiveren Umgang mit Fehlern beim Spiel und vielem mehr zu ermutigen und kritisch Lehrsätze, Übungsansätze und ähnliches zu hinterfragen, auch wenn solche fast ohne Ausnahmen und seit Jahrzehnten den Schülern eingehämmert werden. Der Autor stützt sich bei seinen Ausführungen ' ohne unnötige Ausschweife, aber mit der erforderlichen Präzision und gegebenenfalls mit Beispielen (insbesondere auch aus seiner Erfahrung mit der Alexander-Technik) ' auf den gesunden Menschenverstand ebenso wie auf psychologische, neurologische, physikalische und andere Grundlagen sowie selbstverständlich auf seine lange Erfahrung im Bereich des Klavierunterrichts und der Alexander-Technik (und der Kombination aus beidem).
Schon zu Beginn des Buches zählt der Autor folgende vier Gruppen von Personen auf, an die sich das Buch ('vor allem') wendet: Klavierlehrer, Klavier-Studenten, Kandidaten für die Aufnahmeprüfung zum Klavier-Studium, konzertierende Pianisten. Wenn Sie,' so wie ich, einfach nur ein Hobby-Pianist, aber kein Anfänger sind, würde ich mich aus den oben genannten Gründen nicht entmutigen lassen, das Buch zu erwerben. Und: Man muss ja die einzelnen Abschnitte über einzelne Techniken nicht 'durcharbeiten', sondern kann nach Bedarf nachschlagen und sich inspirieren lassen.
Noch eines sei ergänzt: der Begriff 'ganzheitlich' ist leider in letzter Zeit schon sehr abgenützt worden und wird meines Erachtens schon dann verwendet, wenn erst die schlimmsten Scheuklappen abgelegt wurden. Das hier besprochene Buch verdient den Begriff meiner Ansicht nach jedenfalls, denn die vom Autor dem Leser ans Herz gelegte Herangehensweise an das Klavierspiel ist dazu geeignet, ihm auch in anderen Lebenslagen hilfreich zu sein (Beispiele: Umgang mit Angst und Fehlern, Einstellung zum eigenen Körper und Empfangsbereitschaft für seine Signale, effizientes Lernen und Üben {Stichwort: 'lieber weniger, aber richtig'}).
Das Buch wird oben (formal wohl korrekt) als 'Taschenbuch' ausgewiesen. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es sich dabei aber keineswegs um eines dieser kleinen unzumutbaren, schlecht gebundenen Büchlein mit zu kleiner Schriftgröße handelt; das Format ist etwas größer als A4, das Buch mit 284 Seiten daher recht umfangreich. Die Bindung wirkt ordentlich und man kann das Buch auch (im Gegensatz eben zu vielen 'Taschenbüchern') aufschlagen und hinlegen bzw am Pult mit ein wenig Nachdruck so aufstellen, dass es nicht zuklappt bzw dass es, um letzteres zu verhindern, nicht vollends malträtiert werden muss.
Zur Abrundung möchte ich den ersten Satz der Buchbeschreibung auf der Rückseite des Bandes zitieren (da ja der Titel, wie gesagt, eher nur "Technisches" suggeriert): "Der Tasten-Kontakt eines Klavierspielers soll nichts anderes sein als der körperliche Ausdruck seines seelischen Kontakts zu der Musik, die er spielt." ...!...