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Kennen gelernt hatte er das schwarze Flüchtlingsmädchen und ihre Freundinnen auf einer Lyriklesung, die ihn in die Boxschule eines ehemaligen Freundes verschlagen hatte. Kurz entschlossen hatte der vierschrötige Pelle ein Fest zu Ehren des Promidichters organisiert, zu dem seine Boxschüler plus Anhang, Einwanderer sämtlicher Nationen, geladen waren. Nicht nur, dass der Ehrengast das anschließende Fest als schwer komatöse Alkoholleiche beendete -- er hatte auch das unter Boxern nicht leichtfertig zu nehmende Versprechen abgegeben, Tea-Bag und ihre zwei Freundinnen zu Schriftstellerinnen auszubilden.
So lässt sich Kommissar Wallanders Rückzug verschmerzen. Der abwechselnd in Mosambik und Schweden beheimatete Mankell verdichtet hier, was als Subtext stets auch seine Krimiproduktion durchzog: das Schicksal illegaler Einwanderer in Schweden. Wer nun aber annimmt, ein dröges Sozialdrama in Händen zu halten -- weit gefehlt. Triefend vor (Selbst)Ironie, mit bitter-satirischen Schüssen auf den Literaturbetrieb, dabei die eigene Wallander-Karriere gehörig rückbespiegelnd, zeigt sich Mankell witzig (und wichtig!) wie nie.
Unversehens wird der snobistische Dichterling, bislang an wenig mehr als seinem Wohlstand und einer gleichmäßigen Sonnenbräune interessiert, hineinkatapultiert in eine Welt der Entrechteten und Entwurzelten. Tea-Bags (den Namen hatte sie im Flüchtlingslager nach einem Blick auf die Teetasse eines Beamten kurzerhand erfunden) wie auch Leylas und Tanjas magische Schilderungen ihres Flucht- und Leidenswegs entziehen Jesper schlagartig den Boden seiner Wertevorstellungen. Langsam erkennt er seine wahre Bestimmung: Er würde das Leben der drei erzählen, sie unvergesslich machen. Es wurde ein wunderbares Buch daraus, das seine früheren Gedichte garantiert schnell vergessen macht. --Ravi Unger -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
Zwar spielt das Ganze diesmal nicht in Afrika, aber eine Afrikanerin, die sich als Flüchtling in einem spanischen Auffanglager aus einem spontanen Entschluss den "Namen" Tea-Bag gibt, spielt darin eine der Hauptrollen. Von der Kritik sind die beiden ersten Afrika-Romane nicht sonderlich euphorisch aufgenommen worden. Allzu idealisierend, ja: romantisierend sei Mankells Blick auf den schwarzen Kontinent las man da etwa über Der Chronist der Winde (2000), zudem wirke die Geschichte "an allen Ecken und Enden unwahrscheinlich". Und das Beste, was die Rezensentin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu Die rote Antilope (2001) zu sagen wusste, war, dass dieser Erziehungsroman sicherlich "gut gemeint" gewesen sei. Auch Tea-Bag ist zweifellos gut gemeint, für Begeisterungsstürme indes besteht auch diesmal kein Anlass. Schade ist dies vor allem für Stefan Wilkening, der die Hörbuchfassung mit einer Stimme, der man gerne lauscht, überzeugend vorträgt und der keinerlei Schuld daran trägt, dass in ihr die Schwächen des Romans noch deutlicher zu Tage treten als in der Druckfassung.
Die Geschichte ist schnell erzählt. Der schwedische Erfolgsautor Jesper Humlin lernt drei illegale Einwanderinnen kennen, denen er helfen will, ihre Geschichten zu erzählen. Eine der drei ist die Afrikanerin Tea-Bag. Was die drei Frauen dem Schriftsteller erzählen ist das, worum es Mankell eigentlich geht, den nach eigener Auskunft vor allem interessiert hat, wie man sich wohl als eine der Heimat entwurzelte "Illegale" fühlt. Um diese Geschichten rankt sich in der Folge alles weitere. Eben diese Passsagen aber sind Mankell leider gründlich misslungen. Beim Lesen und erst recht beim Hören kann man gar nicht anders, als sich immer wieder daran zu stoßen, dass doch diese Sprache unmöglich die Sprache dieser Frauen sein könne. Ihre Poesie passt weder zusammen mit ihrem kulturellen Hintergrund, noch mit der Tristesse dessen, wovon sie berichten. Gelungen dagegen ist Mankell die Darstellung der Dinge, mit denen er sich auskennt, und das ist vor allem der Schriftstellerberuf und das Getriebe darum herum, das die Bühne für Rahmenhandlung abgibt. Doch das allein ist ein bisschen zu wenig. --Andreas Vierecke -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
für einen Mankell eher durchschnittlich,
Rezension bezieht sich auf: Tea-Bag: Roman (Gebundene Ausgabe)
Eigentlich lässt sich diese auf knapp 400 Seiten geschriebene Geschichte um einiges kürzer fassen; die Hälfte der Seiten hätte genügt und die Spannung wäre evtl. gestiegen. Rein von der Sprache und den Gedanken her ist es ein Meisterwerk, leider ist die Ausführung misslungen. Das Thema (illegale Einwanderer) wird nur oberflächlich aufgegriffen und die Erzählung ist langwierig. Schade eigentlich, den die Idee hätte echt gut sein können...
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Volle Konzentration,
Von
Rezension bezieht sich auf: Tea-Bag: Roman (Gebundene Ausgabe)
Was scheinbar lustig und unbeschwert beginnt, mausert sich sehr schnell zu tiefem Ernst. Der Autor versteht sich hier als Anwalt derjenigen, die sich illegal in einem Land aufhalten. Mich haben die geschilderten Schicksale der drei jungen Frauen, die dem erfolglosen Schriftsteller begegnen, sehr berührt. Sie liegen außerhalb unseres Vorstellungsvermögens, weil wir in einem ganz anderen Umfeld leben dürfen. Das Lesen des Buches gestaltete sich (für mich) schwierig, weil die 3 Geschichten bruchstückweise erzählt wurden. Ansonsten ist der Text wieder eine Meisterleistung des Autors und ein weiterer Beweis seiner Vielseitigkeit als Schriftsteller.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein Schicksal, das ernst erheitert,
Von
Rezension bezieht sich auf: Tea-Bag: Roman (Gebundene Ausgabe)
Wenngleich man von diesem Autoren eher aufregende Kriminalromane gewöhnt ist, so schafft er es auch mit diesem so „ganz anderen" Roman, eine Geschichte zu erzählen, die von Beginn an spannend ist. Die Flüchtlingsgeschichte einer namenlosen Frau, die sich selbst ganz spontan aus einer Erklärungsnot heraus den merkwürdigen Namen gab, ist eine symbolische. Der Autor arbeitet an ihrem Schicksal die Unaufmerksamkeit und Blindheit reicher Staaten ab, die helfen wollen und es nicht richtig tun, die um grausame Schicksale wissen, aber nichts unternehmen. Daneben spielt sich ein Schriftsteller-Drama ab, das fast schon satirisch die Nöte des Literaten aufzeigt. Irgendwie ist es schon fast witzig, was dem Hauptakteur dieses Romans für abstruse private Erlebnisse den direkten Weg zu seinem hehren Ziel, die aufwühlende Geschichte von Flüchtlingen aufzuschreiben, verstellen. Bedächtig und bewegend zugleich fasziniert der Lauf aller Erzählstränge. Man lacht allerdings stets ernst. © Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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