Mali ist nicht nur reich an Bodenschätzen, sondern auch an guten Künstlern. Man denke nur an Amadou und Mariam und Toumani Diabate, die mit ihren Veröffentlichungen das Flair Westafrikas konservieren und die Stimmung des Kontinents akustisch dem westlichen Hörer näher bringen. Rokia Traore reiht sich in diese Riege nahtlos ein.
Tchamantche ist ein von Gitarren dominiertes Album. Jedes einzelne Zupfen, jeder Timbre, jeder Ton von Traores Gretsch-Gitarre ist glasklar herauszuhören. Es ist eine pure, rohe und reine Akustik, die fast schon psychedelisch daherkommt. Der Sound ist meistens sehr subtil. Mythen und Mysterien, die man mit Westafrika in Verbindung bringt, werden durch das Gitarrenspiel lebendig und schwirren umher. Umgeben und eingebettet werden diese diffusen Klänge von Sly Johnsons Human Beat Box, der sehr variationsreich im Tempo die Beatrhythmen sparsam aber effektiv einsetzt. Die Stimme von Traore ist sehr kräftig mit viel Pathos und Leidenschaft. Jede einzelne Facette des Sounds hat jedoch eine sehr dezente Note und wirkt nie übertrieben oder überzeichnend. So orientiert sich der vokale Vortrag streng am Gitarrenspiel. Die Texte sehr philosophisch abgefasst. Auf herkömmliche Songstrukturen wird verzichtet, von seiner unorthodoxen Art, der klaren Phrasierung der Arrangements und dem Grad Improvisation hat es natürlich etwas von (african) Jazz. Die kitschige Kategorie Weltmusik scheint eher unpassend. Bestes Beispiel dafür ist das Gershwin Cover "The Man I love", welches Traore 2006 erstmals im Duett mit Dianne Reeves anlässlich der Feierlichkeiten zum 250. Geburtstag von Mozart in Wien sang. Es ist der einzige Track, der nicht in französisch sondern in englisch gesungen wird.