Tschaikowsky op. 35, Mendelssohn op. 64 ... Wie viele Einspielungen gibt es wohl? Und wie viele sehr, sehr gute, gute und ...? Ehrlich, diese Fragen seriös zu beantworten, ist (mir) nicht möglich. Doch:
Ray Chen besticht auch hier nach seiner Debüt-CD 'Virtuoso' (Tartini, Bach, Wienawski, Franck) erneut durch seinen brillant reinen Geigenton, von sanft bis satt, zart oder voluminös, kraftvoll rund, dann wieder schlank, elegant - stets kontrolliert!
Besonders beeindruckend: Sein makelloses Spiel, die extrem gute Abstimmung mit Daniel Harding und dem 'Swedish Radio Symphony Orchestra', Dirigent, Orchester, Solist - in jeder Phase fast schon beängstigend perfekt! Vielleicht zu perfekt? Ohne Zögern: Nein, es passt einfach zu diesem brillanten jungen Geiger, dessen Credo (derzeit) der kontrolliert lupenreine Klang zu sein scheint; ich höre ihn sehr gern, bewusst und aufmerksam, sein Spiel, sein Klang ist jetzt schon extrem 'merkfähig'. Wer weiß welche Entwicklung sich da noch in einigen Jahren zeigt, eines scheint sicher: Ray Chen ist bestimmt kein mal eben kurz aufblitzernder Jung-Star, wohl ein ernstzunehmender hervorragender junger Geiger, dem man gerne eine brillante Zukunft avisiert.
Alternativen? Natürlich: Ebenso gern - und das ist für mich kein Widerspruch - genieße ich auch (alternativ) andere Interpreten, deren Prämisse es wiederum ist, die Stücke vielleicht etwas weniger akribisch, dafür sehr, sehr leidenschaftlich auszuleben! Das macht ja den Reiz aus, Vielgestaltigkeit, Nuancen, andere Interpretationen auszukosten. Und musikalische Empfindungen (der Interpreten wie der Hörer) hängen ja doch auch von Lust und Laune, momentaner Verfassung und Tagesform ab. Wie schön! Deshalb freue ich mich immer über (gute und sehr, sehr gute) Alternativen; welcome, Ray Chen! Musik in meinen Ohren.