Amazon.de Hörbuch-Rezension
Bereits die geschmackvolle CD-Box signalisiert, dass den Hörer etwas Besonderes erwartet. Die Fortsetzung der aufwändigen Produktion von Deutschlandradio, NDR und Rias entführt den Hörer in die vierte bis siebte Nacht des weltweit bekannten Märchens aus dem Orient.
Nicht weniger als 37 Sprecher sind im Booklet aufgeführt, darunter so klangvolle Namen wie Ben Becker und Jörg Gudzun. Vor allem ist es aber die samtweiche und verführerische Stimme der Erzählerin Schah-Razade, die einen in den Bann zieht. So wenig, wie sich der König Schah-Razade entziehen kann, so wenig kann sich der Hörer Eva Matthes entziehen.
Das Anliegen von Helma Sanders-Brahms, die oft bewusst beiseite gelassene erotische Dimension der Erzählungen Schah-Razades in den Vordergrund zu rücken, ist jederzeit spürbar, ohne jedoch aufdringlich zu wirken. Die Regie von Robert Matejka schafft eine sinnliche Atmosphäre, die nicht nur von den Sprechern getragen wird, sondern auch in wohl dosierten Details zum Ausdruck kommt. Auch die Kompositionen von Günter Baby Sommer tragen ihren Teil zum Gelingen des hervorragenden Hörspiels bei. --Jonny Badurina
Hörspiel, 4 CDs, Laufzeit ca. 220 Minuten, Booklet mit einem Text von Helma Sanders.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Kurzbeschreibung
Der Henker wetzt schon das Schwert, mit dem er Schah-Razade, wie allen ihren Vorgängerinnen, im Morgengrauen den Kopf abschlagen soll. Aber sie, mit dem Todesmut der Dichterin, beginnt zu erzählen und wandelt von Erzählung zu Erzählung den barbarischen Sultan in einen immer zivilisierteren Herrscher.
Und Schah-Razades Geschichten sind verschlungen wie die Muster auf dem Perser-Teppich, auf den sich die Sprecher Eva Mattes und Jörg Gudzuhn vor dem Mikrophon lagern. Ihre entspannte Haltung verrät schon etwas über die Kunst der Inszenierung: Sie wahrt jene sinnliche Atmosphäre der Rahmenerzählung, in der der Regent an Schah-Razade geschmiegt im Bett liegt und ihren Märchen lauscht.
Die Märchen aus 1001 Nacht werden im Bett erzählt, weshalb sie sich ideal für Hörspiele eignen, die man sich zu später Stunde anhören möchte. Bereit entführt zu werden in eine untergegangene Welt voller Geräusche und Klänge, in glitzernde Basare, auf einer Planke im Meer treibend oder neben den Springbrunnen der Paläste ruhend in der Vorstellung wenigstens, die das Hörspiel mit über 22 Stimmen beflügelt. Die Musik von Günter Baby Sommer unterstützt mit Trommeln, Flöte und Gong die suggestive Stimmung der exotisch-sinnlichen Ferne, die unser Ohr mit dem Orient verbindet.
Helma Sanders-Brahms, 1940 in Emden/Ostfriesland geboren, gehört zu den wichtigsten Spielfilmregisseurinnen. Tausendundeine Nacht ist ihre erste Hörspielarbeit, wobei ihr vor allem daran lag, den oft verschleierten erotischen Charakter der Geschichten wieder hervorzuheben.
Produktion: DeutschlandRadio Berlin / RIAS 1993 Hörspielbearbeitung: Helma Sanders-Brahms Regie: Robert Matejka Sprecher: Eva Mattes, Jürgen Hentsch, Ulrich Mühe, Michael Maertens, Otto Sander u.v.a.