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Tausendundeine Nacht. (1001 Nacht.)
 
 
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Tausendundeine Nacht. (1001 Nacht.) [Gebundene Ausgabe]

Claudia Ott
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (14 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Perlentaucher.de

Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 22.03.2004
"Frischer Wind" bläst Friedrich Niewöhner beim Lesen von Claudia Otts neuer Übersetzung der Geschichten von Tausendundeiner Nacht ins Gesicht. Die Autorin, die sich nun erstmals nach Enno Littmann den Geschichten von Scheherazade widmet, zeichne sich durch besonderes Sprachgefühl aus. Sie übersetze die Märchen so, dass sich die "männlichen Leser sofort verlieben" werden, erzähle von wunderschönen Mädchen und geheimnisvollen Orten. Und vergesse dabei nicht, bei der Übersetzung der 250 Gedichte die unterschiedlichen arabischen Versmaße zu berücksichtigen. Deshalb liest sich der Text so gut, dass man ihn eigentlich lieber "laut" sprechen möchte, schwärmt der Rezensent. Einfach märchenhaft.

© Perlentaucher Medien GmbH
Buchnotiz zu : Die Tageszeitung, 30.04.2004
"Lesesucht" hat Angelika Ohland bei der Lektüre von "Tausendundeine Nacht" befallen. Ali Baba, Sindbad und Aladin hat sie in diesem Buch allerdings vergeblich gesucht: sie wurden nämlich erst von dem Orientalisten Antoine Galland vor dreihundert Jahren eingefügt, während die hier versammelten Erzählungen auf dem Text aus dem 15. Jahrhundert beruhen, erzählt Ohland. Macht aber nichts, die Übersetzung von Claudia Ott hat sie reichlich entschädigt: "So deftig" übersetzt hat sie die Geschichten noch nie gelesen. Gerade für Jugendliche, glaubt sie, kann das "sehr spannend" sein.

© Perlentaucher Medien GmbH

Kurzbeschreibung

Diese Neuübersetzung von Tausendundeine Nacht macht erstmals die älteste arabische Fassung der berühmten orientalischen Erzählsammlung auch deutschen Lesern zugänglich. Die Übersetzerin Claudia Ott führt uns mit einer Frische und Ungezwungenheit durch das Labyrinth der kunstvoll verwobenen Erzählfäden, daß man meint, Schahrasad selbst zu hören. Nicht mehr ein europäischer Orientalismus spricht durch Tausendundeine Nacht zu uns, sondern endlich der Orient selbst.

Die nächtlichen Erzählungen von Schahrasad, mit denen sie ihren königlichen Gatten verzaubert und so ihre Tötung immer wieder aufschiebt, entführen den Leser in die Welt der Basare und Karawansereien, der weisen Kalifen und verschlagenen Händler, der vornehmen Damen und klugen Ehefrauen, der mächtigen Zauberinnen, Dschinnen und bösen Dämonen. Sie berichten von erotischen Vergnügen und harten Schicksalsschlägen.
Wie kein anderes Werk ist Tausendundeine Nacht Inbegriff eines romantischen, exotischen Orientbildes. Dieses Orientbild geht allerdings nicht unmittelbar auf Tausendundeine Nacht zurück, sondern wurde seit dem 18. Jahrhundert von Europäern in die verschiedenen Übersetzungen und Sammlungen hineingetragen. Zudem wurden die Erzählungen dem europäischen Geschmack angepaßt, indem die zuweilen derbe Ausdrucksweise und unverblümte Erotik des Originals durch einen biederen Märchenstil ersetzt wurden. Nachdem Muhsin Mahdi 1984 die weitaus älteste Handschrift aus dem 14./15. Jahrhundert ediert hat, ist es jedoch möglich, die Geschichten aus Tausendundeiner Nacht in einer von allen Übermalungen, Ausschmückungen und Prüderien der letzten Jahrhunderte freien Form kennenzulernen.

Über den Autor

Claudia Ott, geb. 1968, studierte Orientalistik in Jerusalem, Tübingen und Berlin sowie arabische Musik (Rohrflöte / nay) in Kairo. Seit 2000 ist sie Wissenschaftliche Assistentin am Seminar für orientalische Philologie an der Universität Erlangen-Nürnberg. Sie ist außerdem für den Rundfunk als Autorin und Übersetzerin tätig. Claudia Ott ist Mitglied mehrerer internationaler Ensembles für orientalische Musik und betreut eigene Programme mit Musik und orientalischer Literatur. Seit 2007 ist sie Jury-Vorsitzende des Coburger Rückert-Preises.

Auszug aus Tausendundeine Nacht. (1001 Nacht.) von Claudia Ott. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Die sechsunddreißigste Nacht

Und als die nächste Nacht gekommen war, sagte Dinarasad zu ihrer Schwester Schahrasad: "Ach, Schwester, erzähle uns doch die Geschichte von den Mädchen zuENDe!" Und Schahrasad sagte:

Die Leute behaupten, o König, daß die Dame, nachdem sie das dritte Lied gehört hatte, einen lauten Schrei ausstieß. "Bei Gott, das war gut!" rief sie, griff mit der Hand an ihr Kleid und zerriß es, worauf sie ohnmächtig zu Boden fiel. Unter ihren Kleidern und auf ihrer Brust waren wieder Spuren von Stockschlägen zu sehen.

"Wären wir doch niemals hier hereingekommen! " murmelten die drei Bettelmönche untereinander. "Wir hätten besser auf den Abfallplätzen nächtigen sollen. Jetzt ist alles verdorben, denn wir müssen uns etwas ansehen, das uns die Lebern zerreißt." - "Warum denn das?" fragte der Kalif, der ihr Gespräch mit angehört hatte und jetzt zu ihnen trat. "Ehrenwerter Herr", antworteten sie, "diese Sache hier beunruhigt uns sehr." - "Ja, gehört ihr etwa nicht hier zum Haus?" erkundigte sich der Kalif erstaunt. "Ich hatte gehofft, daß ihr mir vielleicht etwas erzählen könnt über diese beiden schwarzen Hündinnen, die drei Damen und ihre Vorgeschichte." - "Bei Gott, wir kennen von niemandem hier irgendeine Vorgeschichte", beteuerten sie, "und diesen Ort hier haben wir bis zu dieser Stunde noch nie gesehen!"

Der Kalif wunderte sich und meinte: "Vielleicht weiß ja dieser Mann, der noch bei euch ist, etwas darüber?" Also winkten sie den Träger herbei, indem sie ihm mit den Augen zublinzelten, und fragten ihn, was hier vorginge. "Beim allmächtigen Gott", seufzte der Träger, "uns geht es, wie das Sprichwort sagt: ‹In der Luft sind wir alle gleich!› Ich bin zwar in Bagdad groß geworden, aber dieses Haus habe ich in meinem ganzen Leben noch nie betreten. Daß ich heute hier hereingekommen bin, hat sich auf merkwürdige Weise ergeben. Weil ich mir darüber Gedanken gemacht hatte, daß sie nur Frauen waren und ihnen die Männer fehlten, durfte ich bei ihnen sitzen bleiben." - "Bei Gott, wir hatten geglaubt, daß du zu ihnen gehörst!" erwiderten sie erstaunt. "Und jetzt kommt heraus, daß es dir genauso geht wie uns!" - "Hört her, wir sind mit Dschaafar und Masrur sieben Männer", sagte der Kalif. "Sie sind nur drei Mädchen, die nicht einmal einen vierten bei sich haben. Laßt uns hingehen und fragen, was das alles zu bedeuten hat. Wenn sie nicht freiwillig antworten, dann eben mit Gewalt!"

Darauf verständigten sich alle, nur Dschaafar war dagegen. "Das ist keine gute Idee", meinte er, "laßt sie lieber in Ruhe, denn wir sind nur Gäste hier, und sie haben uns, wie ihr wißt, eine Bedingung gestellt. Ich glaube, es ist besser, wenn wir über diese Sache schweigen. Die Nacht ist doch schon fast vorüber, und in kurzer Zeit trennen wir uns ohnehin, und jeder von uns geht seiner Wege!" Dann blinzelte er dem Kalifen zu. "Beherrscher der Gläubigen!" sagte er leise zu ihm. "Gedulde dich noch diese eine, letzte Nachtstunde. Gleich morgen früh gehe ich in die Stadt hinaus und bringe sie alle vor dich. Dann werden sie uns ihre Geschichte schon erzählen." - "Wehe dir!" herrschte ihn der Kalif an. "Meine Geduld ist absolut amENDe! Jetzt, auf der Stelle, muß ich wissen, was hier vorgeht. Die Bettelmönche sollen sie fragen!" - "Das ist keine gute Idee!" warnte Dschaafar erneut. Und so beratschlagten sie hin und her und wechselten viele Worte darüber, wer zuerst gehen und sie fragen sollte. Schließlich einigten sie sich darauf, daß der Träger sie fragen sollte.

Während sie noch hitzig weitersprachen, wurde die eine Dame auf sie aufmerksam. "Was macht ihr da? Was habt ihr?" fragte sie. Da trat der Träger vor. "Ach, meine Dame", sagte er, "die anderen wollen, daß ihr ihnen von den zwei schwarzen Hündinnen erzählt, warum du sie erst prügelst und anschließend Tränen um sie vergießt. Außerdem wollen sie wissen, was es mit deiner Schwester auf sich hat und warum sie Striemen von Stockschlägen am Körper trägt, wie sie normalerweise nur Männer tragen. Nicht mehr und nicht weniger als das verlangen sie." - "Ist das wahr?" wandte sich die Dame an die Gesellschaft. "Stimmt es, was er über euch sagt?" - "Ja", antworteten alle außer Dschaafar, der den Mund hielt und nichts sagte.

"Liebe Gäste", sagte da die Dame, "ihr tut uns unrecht. Haben wir euch etwa nicht von Anfang an unsere Bedingung mitgeteilt: ‹Wer über etwas spricht, das ihn nichts angeht, der wird etwas hören, das ihm nicht gefällt›? Unter dieser Bedingung haben wir euch in unser Haus eingelassen und unser Essen mit euch geteilt. Jetzt habt ihr unser Gesetz übertreten und euch gegen uns gestellt. Aber euch trifft dennoch keine Schuld; Schuld ist der, der euch zu uns geführt und euch hereingelassen hat." Mit diesen Worten streifte sie sich die Ärmel hoch, schlug dreimal kräftig auf die Erde und rief dazu: "Macht schnell!"

Kaum hatte sie das ausgesprochen, öffnete sich die Tür eines anderen Schrankes, und heraus kamen sieben schwarze Sklaven mit gezückten Schwertern in den Händen. Jeder Sklave überwältigte einen der Gäste, warf ihn mit dem Gesicht nach unten zu Boden und fesselte ihm die Hände hinter dem Rücken. In einem einzigen Augenblick hatten die sieben Sklaven die sieben Gäste festgenommen, und nun banden sie sie aneinander, legten sie in eine Reihe, nahmen sie hoch und trugen sie hinunter in die Mitte der Festhalle. Dort stellten sich die sieben Sklaven so auf, daß jeder mit dem Schwert in der Hand am Kopf eines der Gefangenen zu stehen kam. "O hoher Schirm und unüberwindlicher Schutzschild!" sagten sie zu der Dame. "Erlaube uns, ihnen die Köpfe abzuschlagen!" - "Nicht so eilig!" erwiderte sie. "Laßt sie noch ein bißchen leben, damit ich sie über ihre Vergangenheit befragen kann, bevor wir ihnen die Köpfe abschlagen." - "Liebe Herrin", jammerte der Träger, "bestrafe mich nicht für die Schuld der anderen! Alle anderen haben euer Gesetz übertreten und sich schuldig gemacht, aber ich nicht! Bei Gott", fuhr er fort, "wie schön hätte unser Tag zuENDe gehen können, wenn nicht diese Bettelmönche gekommen wären,die mit ihrem einen Auge jede Stadt, die sie betreten, in Schutt und Asche legen und in einen Sündenpfuhl und eine Mördergrube verwandeln!" Und schluchzend stimmte er die folgenden Verse an:
"Wie schön ist's, wenn ein Mächtiger verzeiht,
Besonders, wo kein Helfer steht bereit.

Ich bitte dich, um unsrer Freundschaft willen,
Schlagt nicht den ersten für den letzten breit!"
Es wird berichtet: Die Dame mußte darüber, trotz ihres Zornes, lachen. Sie trat auf die gefesselten Gäste zu und sagte zu ihnen: "Ich will wissen, wie es mit euch steht und wer ihr seid. Antwortet mir, denn ihr habt nur noch ein Stündchen zu leben! Ohne Zweifel seid ihr mächtige Leute, Herrscher eures Volkes oder gewaltige Befehlshaber, die gebieten und verbieten können. Wenn ihr das nicht wärt, hättet ihr euch gar nicht hierher gewagt." . "He!" sagte der Kalif leise zu Dschaafar. "Kläre sie darüber auf, wer wir sind, sonst werden wir noch irrtümlich getötet!" - "Genau das haben wir auch verdient!" gab Dschaafar zurück. "Wehe dir!" herrschte ihn der Kalif an. "Ist das die rechte Zeit für Scherze?"

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