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Tausend Plateaus. Kapitalismus und Schizophrenie
 
 
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Tausend Plateaus. Kapitalismus und Schizophrenie [Broschiert]

Gilles Deleuze , Felix Guattari , Günther Rösch
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Produktinformation


Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

"Wer einfache Antworten sucht, wird sich auf den Hochebenen und in den schwarzen Löchern dieses Buches verirren, je komplexer aber die Gegenwart wird, desto überlegener könnte sich das multiple Denken dieser beiden wilden Philosophen noch erweisen." (Mathias Bröckers, Deutschlandfunk) "Dieses Buch ist das beste, das wir, Felix und ich, zusammen gemacht haben. Und es ist das beste von allem, was ich gemacht habe. Ja, ich kann sagen, es ist sicher das, was ich am besten gemacht habe." (Deleuze, 1995)

Über den Autor

Gilles Deleuze wurde 1925 in Paris geboren. Bereits vor seiner Professur an der Sorbonne zeichnete sich Deleuze durch philosophiegeschichtliche Studien über Spinoza, Bergson, Hume, Kant und Nietzsche aus. 1995 beging Deleuze nach langer und schwerer Krankheit Selbstmord.Félix Guattari (1930-92) lehrte am Collége de Philosophie in Paris. Seine Schriften, zum Großteil in Zusammenarbeit mit Gilles Deleuze entstanden, spannen thematisch einen Bogen von den Bereichen Philosophie, Wirtschaft und Politik bis hin zur klinischen Psychoanalyse.Günther Rösch ( 1960) lebt in Berlin. Er ist Herausgeber der deutschsprachigenAusgabe von Tausend Plateaus (G. Deleuze / F. Guattari), sowie der 5 Hermes -Bände von Michel Serres.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
66 von 66 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
gott ist ein hummer 9. Oktober 2004
Von noolog
Format:Broschiert
Tausend Plateaus von Deleuze/Guattari wirkt zunächst abschreckend: unglaublich dick, der Buchrücken ist unbeschriftet (wer es im Regal hat wird es sowieso niemals verwechseln), und die Konzeption ist ersteinmal befremdlich: keine Kapitel sondern Plateaus, die Lesereihenfolge derselben wird dem Leser explizit zur Disposition gestellt, und im Vorwort behaupten die Autoren direkt, dass sie nicht einer, aber auch nicht zwei seien, sondern eine ganze Menge. Auf der anderen Seite hat das Buch eine mächtige Wirkungsgeschichte, und viele der Begriffe, die auch die Begriffswolke auf dem Einband bilden, machen erst heute Karriere (auch die Begriffswolke wurde oft kopiert, nicht zufällig auf dem Einband des Buches zur Documenta X). Kaum ein theoretisch-kritisches Werk unserer Zeit zitiert es nicht, und ganze Herrscharen Intellektueller und Künstler fühlen sich als Nomaden und berufen sich damit auf dieses Buch.

Die Frage drängt sich auf: Worum geht es eigentlich? Die Autoren entwickeln eine Theorie der Vielheiten, und wenden sich explizit gegen die binäre Logik, die sie im Baum-Modell verkörpert sehen: jede Verästelung teilt sich in zwei - und am Ende dieses Modells steht die Begriffspyramide. Dagegen setzen sie das sogenannte "Rhizom", ein wild wucherndes Wurzelnetz, in dem jeder Punkt mit allen anderen verbunden ist, ohne Hierarchie. So heisst die Einleitung, die auch als Einzelpublikation herausgegeben wurde. Damit sollen gängige Vereinfachungen vermieden werden, überall im Werk geht es um Vielheiten, Variationen, Schichten, Komplexität. So versucht auch der Schlussteil, die einzelnen Plateaus vielfach miteinander zu verlinken. Die entwickelten Begriffe und Ansätze sind vor allem im Bereich der Cultural Studies, ästhetischen Theorie, Literaturtheorie, Feminimus und Philosophie aufgenommen und umgesetzt worden (ua bei Edward Said, Slavoj Zizek, Peter Sloterdijk, Homi Bhabha, Michel Foucault, Seyla Benhabib, Nancy Fraser, Aiwha Ong, Judith Butler, Rey Chow, Fredric Jameson).

Der umfangreiche in Plateaus gegliederte Rest des Buches begibt sich mit diesen Voraussetzungen in sehr verschiedene Gebiete: Psychoanalyse, Mythologie, Zeichentheorie, Philosophie, Kunst, Filmtheorie, Biologie, Masochismus, Nomadentum, Linguistik, Literaturtheorie, politische Theorie, Musiktheorie, Geschichte von Staat und Militär, etc werden durchquert, als seien sie noch nicht "erschlossen" worden. Die Gebiete sind vertraut, aber Karte und Kompass funktionieren anders. Man muss sich neu in ihnen orientieren. Die zahlreichen Belege des Textes entstammen dabei Unmengen von Literatur und nicht dem Kanon der Einzelwissenschaften, was oft kritisiert wurde (wobei es freilich leicht ist, das zu kritisieren, was ein Buch NICHT ist). Der Stil ist reich an Anspielungen und Wortspielen, und springt zwischen lexikalen Erläuterungen (zB zur Botanik), souveränen Theorieentwürfen, Anekdoten und fabelartigen Persiflagen (zB auf Freud'sche Analysen, die zu kurz geraten erscheinen), wie auch scharfsinnigen Analysen und Lektüren anderer Texte.

Der Text ist nicht leicht zu lesen, Vereinfachungen werden vermieden, und die Autoren kennen sich gut aus in den neuen Territorien - daher fallen sie aber auch nicht hinter das Niveau der behandelten Gebiete zurück. Das macht ein bestimmtes Vorwissen in den genannten Gebieten bei der Lektüre hilfreich, auch wenn Deleuze meint, der völlig Unbedarfte tue sich am leichtesten damit. Das Buch ist daher kein guter Einstieg in die Lektüre von Deleuze (sehr gut dafür: „Unterhandlungen" oder „Die einsame Insel"), aber es ist das abwechslungsreichste, praktischste und humorvollste von Deleuze/Guattari.

Und was hat man davon? Hoffentlich jeder etwas anderes, zumindest aber viele ungewohnte Blicke auf Gewohntes, eine Menge kritisches Handwerkszeug, um sich selbst auf den Weg zu begeben, und das Gefühl, das man sich mit dem Selbstverständlichen in der Theoriebildung nicht abfinden muss. Leider scheint die gebundene Ausgabe vergriffen zu sein - der Schlabbereinband wirkt kaum gewappnet für den Umgang, der empfohlen sei: lesen, blättern, anstreichen, Begriffe in verschiedenen Lexika nachschlagen, wieder lesen ...

War diese Rezension für Sie hilfreich?
22 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Höhe- oder Tiefpunkt? 4. Februar 2007
Von bloom
Format:Broschiert
Für mich gehören Deleuze und Guattari auf jeden Fall zu den elementaren theoretischen Denkerfahrungen, trotzdem reizen mich die "Fünfsterner" meiner Vorrezensenten zu einer etwas anderen Äusserung. Die Art, wie dieses Buch und der "Anti-Ödipus" viele Intellektuelle mit einem mit der Zeit immer sinnentleerter wirkenden Slang versorgt haben, lässt mich hoffen, dass eines Tages die echten Nomaden dieser Welt nach Europa einfallen und allen Nomadismus-Schwätzern die Leviten lesen werden. Ich finde es geradezu verheerend, wie hier Begriffe zu Grabsteinen über ehemaligem Denken werden, mit denen nach allem geworfen wird, was sich bewegt.
Viele Analysen habe die immergleiche Form, die darin besteht, irgendetwas darzustellen und es früher oder später mit den immergleichen Begriffen in die immergleiche eigene Theorie heimzuführen. Dieser Vorgang hat auf mich nach einiger Zeit so zwanghaft gewirkt, dass ich einfach aufhören musste. Ironischerweise findet man bei den Jüngern genau diese Zwanghaftigkeit bis in die originale Wortwahl hinein wieder.
Aber eigenartig ist es schon, wie hier echte denkerische Revolutionen und Kopfdurchlüfter zu hocheffektiven Denk-Verhinderungs-Tarnkappen werden können, in die eingespannt keine freien Bewegungen mehr möglich sind.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Broschiert
Nach Jahren der Abstinenz und einem gescheiterten Versuch wage ich mich nochmal an diesem Wälzer.
Man darf hier wohl, wie ich aus eigener Erfahrung zu berichten weiß, absolut nicht dogmatisch vorgehen.
Dieser Schinken ist geradezu dafür gemacht, um Kapitel für Kapitel zu überfliegen. Da jedes Kapitel als eigenes Plateau gesehen wird und kein Zusammenhang besteht, ist es ebenso zugänglich für abgehobene Ignoranten wie für sinnentleerte Philosophen. Es ist in jeglicher Hinsicht eine Bereicherung oder aber absoluter Nonsens. Diese Gradwanderung wird hier mit fabulöser Bravur gemeistert. Trotz der hier bereits genannten Schwächen in der Logik (Die Idee des Rhizoms is m. E. sehr charmant, aber nicht überzeugend), finde ich es aufgrund seiner kompromisslos anarchistischen, alles transzendierenden Vorgehensweise (getreu dem Motto: Wer etwas verstehen will, muß es zunächst zerstören) als Denkanstoß sehr gelungen.
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