Silvia Furtwängler ist eine mutige Frau. Das steht fest, noch bevor man die ersten Seiten ihres Buches Tausend Meilen Eis" gelesen hat. Beginnt man jedoch mit der Lektüre, erkennt man, dass sie noch viel mehr ist. Silvia Furtwängler ist einfallslos, langweilig und - Verzeihung - ungeheuer selbstverliebt. Ohne jegliches Talent zum Erzählen und Fesseln stampft sie ziellos - den roten Faden verlierend, bevor er überhaupt gefasst werden konnte - durch mehr als 250 Seiten eines für sich genommen enorm faszinierenden Abenteuers. Undurchdacht und unchronologisch aber erfährt der geneigte Leser wenig über das Leben auf einem Quest dieser Größenordnung und gar nichts über die Motivation der Autorin, an diesem Rennen teilzunehmen. Ebenso wenig verliert Furtwängler ein Wort über die Beschaffenheit ihrer Ausrüstung, von der wenigstens der Schlitten mehr Aufmerksamkeit verdient hätte als Schweigen. Über die Erziehung, Haltung und - das Wichtigste! - ihre Beziehung zu den Hunden kann vorrangig spekuliert werden, denn Furtwänger lässt den Leser im eisigen Dunkeln tappen. Immer wieder findet der Leser aber albern sprechende Hunde vor, die ihre Halterin bis über beide Hundeohren loben, und eine Schlittenhundeführerin, die ihre Coolness nicht in Schach halten kann. Auch fragt sich der Leser von Zeit zu Zeit, was für Menschen Silvia Furtwänglers Familie im fernen Deutschland sein müssen, die vollkommen desinteressiert am Hobby der geliebten Ehefrau und Mutter sein müssen - zumindest erzählt Furtwängler nur in eingeschobenen Nebensätzen von ihnen.
Inhaltlich hält das Buch nur bedingt, was es verspricht. Dabei spielt es keine Rolle, ob Silvia Furtwängler - wie der Titel assoziiert - 1000 oder weniger Meilen auf dem Eis unterwegs ist. Die Magie und Spannung und vor allem die besondere Beziehung zu den Tieren bleiben vollkommen auf der Strecke, da Furtwängler total talentlos lediglich dramaturgielose Erlebnisse aneinander reiht. Und wenn man schon allein durch dieses erzählerische Versagen genervt ist und im Grunde nur noch weiter liest, weil man wissen will, ob die Quest-Teilnehmerin aus Germany ihr Ziel erreicht, steigert es die Lesefreude nicht, wenn man schon nach 10 Seiten 3 Fehler entdeckt hat und merkt, dass die Autorin scheint's den ein oder anderen Lektor oder gar Co-Autor zu wenig engagiert hat.
Fazit: Cover, Titel und Inhalt täuschen. Wer wissen will, wie ein Quest vonstatten geht und gerne mag, wenn Hunde in Menschensprache mitteilen, was sie auf dem Herzen haben, wird sich bei Silvia Furtwänglers Tausend Meilen Eis" glücklich zurücklehnen. Leser, die aber auf Spannung und Dramaturgie - auch in Tatsachenberichten, oder vielleicht sogar besonders in jenen? - Wert legen, werden zutiefst enttäuscht. Silvia Furtwängler gelingt es nicht auch nur im Ansatz, die Magie und das Unbekannte ihres Abenteuers in Worte zu fassen und über Worte, Zeilen und Stil dem Leser zugänglich zu machen. Nach 100 Seiten ist der nämlich so genervt von der Eintönigkeit des Schreibstils und den langweiligen Bildern im Mittelteil, dass er - sofern er überhaupt noch Lust dazu hat - nur weiterliest, um zu erfahren, wie Silvia Furtwänglers Talfahrt auf dem Eis zu Ende geht.