Das erste Buch von Bernd Niquet, das sich nicht um die Finanzmärkte dreht. Ein junger Mann wird aus seinem Eingesperrtsein befreit, wobei offen bleibt, ob er tatsächlich gefangen war oder sich nur in psychischer Isolation befand. Plötzlich tritt er, der sein Leben lang im Dunkeln gelebt hat, in das grelle Licht.
Von diesem Erlebnis übermannt, entscheidet er sich, seinen Werdegang minutiös aufzuzeichnen. 36 Fotos macht er dazu durchschnittlich an jedem Tag und verfasst 16 Tagebuchseiten. Durch sein Vorleben, das jetzt nur noch in Schwarz-Weiß abgerufen wird, entwickelt er eine besondere Affinität zu den Hinterlassenschaften der Nazis, deren Herkunft letztlich jedoch ungeklärt ist und nur erahnbar ist. Er zitiert aus Goebbels Tagebüchern und macht sich auf die Suche nach der verschütteten Architektur dieser Zeit.
Anschließend wird es jedoch deutlich freundlicher. Besonders gelungen ist die einsame Feier des 14. Juli, des französischen Nationalfeiertages, an der Ostsee und der dabei aufkommende Wunsch, unten am Strand, am Bierstand, mögen doch noch einmal für ihn die Beach Boys auftreten. Das alles ist vollkommen verrückt - und dennoch in sich durchaus schlüssig.
Ein tolles Buch für Fans - aber keineswegs auch nur ansatzweise massentauglich.