Atmosphärisch unglaublich dicht und fesselnd erzählt Jerry Spinelli die Geschichte von Palmer, der schreckliche Angst vor seinem zehnten Geburtstag hat: Dann nämlich muß er am "Taubentag", bei dem in seiner Heimatstadt hunderte von Tauben abgeschossen werden, mithelfen, den halbtoten Vögeln die Hälse umzudrehen. Im Gegensatz zu seinen Kumpeln aber freut Palmer sich überhaupt nicht auf dieses Gemetzel. Als ihm die halbzahme Taube Picker zufliegt, gerät er in einen furchtbaren Zwiespalt: natürlich will er vor seinen Freunden und seinem Vater als "richtiger Junge" dastehen. Aber er kann doch nicht zulassen, daß Picker für den Taubentag gefangen und getötet wird! Schließlich muß Palmer sich entscheiden ... Dies ist keine heitere Lektüre für ein Schmunzelminütchen zwischendurch, sondern eine Geschichte über ein Kind, das in einen schrecklichen Zwiespalt gerät, der seine ganze Existenz und Identität bedroht. Oft so bedrückend, daß es einem beim Lesen fast den Hals zuschnürt. Dann aber überkommt einem beim Lesen aber auch wieder dieses sonderbare Kribbeln von Glück, wenn Palmers zärtliche Freundschaft mit seiner Taube geschildert wird. Ein Buch, das keiner vergessen wird, der es je gelesen hat.