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Tauben im Gras. Roman [Taschenbuch]

Wolfgang Koeppen
3.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (101 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

6. Januar 1974
In nur drei Monaten schrieb Wolfgang Koeppen den Roman „Tauben im Gras“. In mehr als hundert kurzen und längeren Abschnitten fängt Wolfgang Koeppen aus unterschiedlichen Perspektiven wie mit einer Kamera Szenen ein, die sich kurz nach dem Zweiten Weltkrieg an einem einzigen Tag in einer deutschen Stadt abspielen.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 228 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 43 (6. Januar 1974)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518371010
  • ISBN-13: 978-3518371015
  • Größe und/oder Gewicht: 17,8 x 11,2 x 1,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (101 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 732 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Wolfgang Koeppen wurde am 23. Juni 1906 in Greifswald geboren und starb am 15. März 1996 in München. Nach einem elfjährigen Aufenthalt in Ortelsburg (Ostpreußen) kehrte er 1919 nach Greifswald zurück. Aus finanziellen Gründen musste er vom Gymnasium auf die Mittelschule wechseln, von der er ohne Abschluss abging. Danach versuchte er sich in ganz unterschiedlichen Berufen: in einer Buchhandlung, im Stadttheater in Greifswald. Als Hilfskoch kam er nach Schweden und Finnland, in Würzburg arbeitete er als Dramaturg. 1927 ließ er sich in Berlin nieder, wo er 1931 zwei Jahre als fest angestellter Redakteur beim Berliner Börsen-Courier arbeitete. Er schrieb Reportagen, Feuilletons, auch erste literarische Arbeiten entstanden. 1934 erschien sein erster Roman, Eine unglückliche Liebe. Im selben Jahr siedelte er in die Niederlande über. Hier begann er mit der Niederschrift des nicht vollendeten Romans Die Jawang-Gesellschaft. 1935 erschien der Roman Die Mauer schwankt, der jedoch kaum beachtet wurde. Er kehrte 1938 nach Deutschland zurück und arbeitete ab 1941 für die Bavaria-Filmgesellschaft in Feldafing am Starnberger See, 1945 siedelte er nach München über. 1948 erschien anonym das Buch Jakob Littners Aufzeichnungen aus einem Erdloch, zu dessen Neupublikation unter seinem Namen er erst 1992 zustimmte. 1951, 1953 und 1954 erschienen die drei Romane, die als die atmosphärisch genaueste Vergegenwärtigung des Klimas der Adenauer-Republik gelten: Tauben im Gras, Das Treibhaus und Der Tod in Rom. Koeppen verschaffte mit Nach Rußland und anderswohin, Amerikafahrt und Reisen nach Frankreich der Reiseliteratur in Deutschland hohes Ansehen.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Flieger waren über der Stadt, unheilkündende Vögel. Der Lärm der Motoren war Donner, war Hagel, war Sturm. Sturm, Hagel und Donner, täglich und nächtlich, Anflug und Abflug, Übungen des Todes, ein hohles Getöse, ein Beben, ein Erinnern in den Ruinen. Noch waren die Bombenschächte der Flugzeuge leer. Die Auguren lächelten. Niemand blickte zum Himmel auf. Öl aus den Adern der Erde, Steinöl, Quellenblut, Fett der Saurier, Panzer der Echsen, das Grün der Farnwälder, die Riesenschachtelhalme, versunkene Natur, Zeit vor dem Menschen, vergrabenes Erbe, von Zwergen bewacht, geizig, zauberkundig und böse, die Sagen, die Märchen, der Teufelsschatz: er wurde ans Licht geholt, er wurde dienstbar gemacht. Was schrieben die Zeitungen? Krieg um Öl, Verschärfung im Konflikt, der Volkswille, das Öl den Eingeborenen, die Flotte ohne Öl, Anschlag auf die Pipeline, Truppen schützen Bohrtürme, Schah heiratet, Intrigen um den Pfauenthron, die Russen im Hintergrund, Flugzeugträger im Persischen Golf. Das Öl hielt die Flieger am Himmel, es hielt die Presse in Atem, es ängstigte die Menschen und trieb mit schwächeren Detonationen die leichten Motorräder der Zeitungsfahrer. Mit klammen Händen, mißmutig, fluchend, windgeschüttelt, regennaß, bierdumpf, tabakverbeizt, unausgeschlafen, alpgequält, auf der Haut noch den Hauch des Nachtgenossen, des Lebensgefährten, Reißen in der Schulter, Rheuma im Knie, empfingen die Händler die druckfrische Ware. Das Frühjahr war kalt. Das Neueste wärmte nicht. Spannung, Konflikt, man lebte im Spannungsfeld, östliche Welt, westliche Welt, man lebte an der Nahtstelle, vielleicht an der Bruchstelle, die Zeit war kostbar, sie war eine Atempause auf dem Schlachtfeld, und man hatte noch nicht richtig Atem geholt, wieder wurde gerüstet, die Rüstung verteuertedas Leben, die Rüstung schränkte die Freude ein, hier und dort horteten sie Pulver, den Erdball in die Luft zu sprengen, Atomversuche in Neu-Mexiko, Atomfabriken im Ural, sie bohrten Sprengkammern in das notdürftig geflickte Gemäuer der Brücken, sie redeten von Aufbau und bereiteten den Abbruch vor, sie ließen weiter zerbrechen, was schon angebrochen war: Deutschland war in zwei Teile gebrochen. Das Zeitungspapier roch nach heißgelaufenen Maschinen, nach Unglücksbotschaften, gewaltsamem Tod, falschen Urteilen, zynischen Bankrotten, nach Lüge, Ketten und Schmutz. Die Blätter klebten verschmiert aneinander, als näßten sie Angst. Die Schlagzeilen schrien: Eisenhower inspiziert in Bundesrepublik, Wehrbeitrag gefordert, Adenauer gegen Neutralisierung, Konferenz in Sackgasse, Vertriebene klagen an, Millionen Zwangsarbeiter, Deutschland größtes Infanteriepotential. Die Illustrierten lebten von den Erinnerungen der Flieger und Feldherren, den Beichten der strammen Mitläufer, den Memoiren der Tapferen, der Aufrechten, Unschuldigen, Überraschten, Übertölpelten. Über Kragen mit Eichenlaub und Kreuzen blickten sie grimmig von den Wänden der Kioske. Waren sie Akquisiteure der Blätter, oder warben sie ein Heer? Die Flieger, die am Himmel rumorten, waren die Flieger der andern. Der Erzherzog wurde angekleidet, er wurde hergestellt. Hier ein Orden, da ein Band, ein Kreuz, ein strahlender Stern, Fangschnüre des Schicksals, Ketten der Macht, die schimmernden Epauletten, die silberne Schärpe, das Goldene Vlies, Orden del Toison de oro, Aureum Vellus, das Lammfell auf dem Feuerstein, zum Lob und Ruhm des Erlösers, der Jungfrau Maria und des heiligen Andreas wie zum Schutz und zur Förderung des christlichen Glaubens und der heiligen Kirche, zur Tugend und Vermehrung guter Sitte gestiftet. Alexander schwitzte. Übelkeit quälte ihn. Das Blech, der Tannenbaumzauber, der gestickte Uniformkragen, alles schnürte und engte ihn ein. Der Garderobier fummelte zu seinen Füßen. Er legte dem Erzherzog die Sporen an. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.


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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
50 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Bedrohlich ist die Atmosphäre im noch vom 2. Weltkrieg gezeichneten Deutschland. Der Autor zeigt an einem Tag im Leben einer Großstadt, wie die Menschen versuchen, sich mit den schwierigen Gegebenheiten zu arrangieren. 41 Personen begegnen dem Leser im Lauf der Handlung; Junge und alte, Deutsche und Besatzungssoldaten, Männer und Frauen. Vielfältige Beziehungen entspinnen sich, aber oft werden die Fäden gekappt, bevor die Menschen einander wirklich begegnen. Anonymität in der Masse ist eins der großen Themen in diesem Roman. Da sind zum Beispiel Carla und Washington, die von allen Seiten angefeindet werden, weil es sich für eine deutsche Frau nicht gehört, mit einem amerikanischen Soldaten zu leben, erst recht nicht mit einem Schwarzen... Oder Philipp und Emilia, die einander nichts mehr zu sagen haben. Er ist als Schriftsteller gescheitert, sie finanziert ihr gemeinsames Leben, indem sie teure Erbstücke versetzt. Ertragen kann sie die zur Fessel gewordene Ehe nur mit Alkohol, der wiederum Philipp noch weiter von ihr weg treibt. Dann begegnet er Kay, einer jungen Amerikanerin... Fesselnd ist aber nicht nur die Handlung, sondern auch die Sprache. Wie kein anderer Schriftsteller in den frühen 50er Jahren nennt Koeppen Restauration und Verdrängungsmentalität beim Namen, was dem Autor damals harsche Kritik einbrachte. Inzwischen ist die Bedeutung dieses Romans für die deutsche Nachkriegsliteratur offenkundig. Wer die Geschichte dieses Landes ein bißchen besser verstehen möchte, sollte Koeppen lesen. Die Atmosphäre der Stadt wird beklemmend realistisch geschildert. Das bemerkenswerteste an diesem Buch ist zweifellos die Erzählweise. Lesen Sie weiter... ›
War diese Rezension für Sie hilfreich?
19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Blick in die Vergangenheit 27. Februar 2006
Von Nice2829
Format:Taschenbuch
Wenn von den Nachkriegsjahren die Rede ist, existieren in meiner Generation (Jahrgang 1969) recht holzschnittartige Vorstellungen: Hunger, amerikanische Befreier, beginnendes Wirtschaftswunder... Koeppen zeichnet ein Bild, das der Realität weit besser entsprechen dürfte. Es sind keine glücklichen, befreiten Menschen, die "Tauben im Gras" bevölkern. Gescheiterte, Hungernde, Suchende, aber auch dekadente Prasser treffen aufeinander. Sie alle teilen die Erfahrung des Kriegs, die sie prägt. Dass eine neue Zeit begonnen haben soll, ein frischer Start in eine freie Gesellschaft spürt man kaum. Die Protagonisten irren durch Trümmerlandschaften und Nobelhotels, ohne zu wissen, was nun eigentlich kommen wird.
Doppelmoral, Rücksichtslosigkeit, jeder ist sich selbst der nächste - ein Schicksalsgemeinschaft, die vereint am Wiederaufbau arbeitet, hat man sich anders vorgestellt. Erhellend die Schilderung der Amerikaner und die Reaktion der Deutschen auf diese. Von "Befreiern" zu sprechen, wie es oft in Sonntagsreden geschieht, ist Heuchelei. Sie werden als Besatzer empfunden.
Der Roman schildert diese Schicksale - wie man so gerne sagt - kaleidoskopartig. Oft genug bedeutet das, dass der Autor nicht in der Lage war, seiner Geschichte einen logischen Aufbau, einen roten Faden zu geben. Hier aber spiegelt die zerrissene, unstete Form nur den Inhalt wider. Wer sich ein Bild über die Nachkriegsjahre in Deutschland machen will, kommt an Koeppens nicht immer ganz einfachem, aber stets lesbarem Werk nicht vorbei.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kaleidoskop innerer und äußerer Welt 10. Januar 2011
Von Timo Brandt TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Wolfgang Koeppen ist ein einzigartiger Fall in der Literaturlandschaft. Nicht nur seine schwierig-brillante Prosa, die von Umwelt und Bewusstsein an einem Strang durchzogen wird (nach Art von Joyce Bewusstseinstrom, ein Autor, mit dem man Koeppen ein wenig vergleichen kann, was die Erzählhaltung und -art angeht; Ulysses und Tauben im Gras haben durchaus, wenn Joyce auch das monumentalere, vielgestaltiger Werk geschaffen, Parallelen. Vielfach frönt seine Prosa auch dem Mythenspiel und der beeindruckenden Metapher, ebenso ist da eine tiefmelancholische Sicht auf die Dinge), sondern auch sein Position in der deutschen Literaturgeschichte ist unumstritten groß, wobei gleichzeitig seine Bekanntheit mit den Jahren immer mehr abgenommen hat und sein Name eher im Zusammenhang mit seiner jahrzehntelangen Koeppernikane in Verbindung gebracht wird (Man muss dazu wissen das Koeppen dem Suhrkamp Verlag über Jahre einen neuen Roman versprach, aber bis zu seinem Lebensende nach "Der Tod in Rom" keinen mehr fertig stellte, jedoch noch viele Zahlungen und Vorschüsse von Suhrkamp bezog; dazu auch sehr aufschlussreich ist der vor kurzem erschienene Briefwechsel zwischen dem Verleger Siegfried Unseld und Koeppen.)

In diesem ersten Buch seiner Bonner-Triologie ( 2. Das Treibhaus, 3. Der Tod in Rom) beschäftigt sich Koeppen kaleidoskopartig mit einem Tag im Nachkriegsdeutschland im Jahre 1949. Wechselnde Figuren, die über verschiedenste soziale Grenzen miteinander verknüpft sind und sich im Laufe des Tages hier und dort begegnen, beschreiben die Dinge jeweils aus ihrer eigenen abgeschotteten Welt; der Erzähler bewegt sich dabei wie ein Geist durch die Szenerie, beschreibt was außen vorgeht, um dann ganz plötzlich in eine der Personen zu fahren...
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Die neuesten Kundenrezensionen
5.0 von 5 Sternen Prima
Empfehlungswert . Pünktlich. Genau wie beschreiben. Sehr guter Händler. So macht Einkaufen Spass. Sehr schöner Artikel. Gerne wieder bei Ihnen einzukaufen.
Vor 16 Tagen von Thomas Arnold veröffentlicht
5.0 von 5 Sternen Brillianter Schreibstil
Unglaublich wieviele enghotizontierte Schüler hier dieses Buch verreißen, bloß weil sie nicht in der Lage waren das Buch im Unterricht vernünftig zu... Lesen Sie weiter...
Vor 2 Monaten von Doc H veröffentlicht
3.0 von 5 Sternen Als Schülerin
Dieses Buch war Pflicht in der Schule. Schrecklich als Schüler.
Aber im Nachhinein sind es vielleicht doch ganz interessante Charakteren!
Vor 3 Monaten von Laura veröffentlicht
5.0 von 5 Sternen Tauben im Gras. Roman
Habe es für mein Abitur benötigt aber nie gelesen so wirklich, das was ich gelesen habe bzw. musste war schon sehr anstrengend und herrausfordernd... Lesen Sie weiter...
Vor 3 Monaten von Kai-Uwe veröffentlicht
1.0 von 5 Sternen Ach herrje
"Liebe Eltern gebt gut acht, dass ihr euch eure Kinder nicht zu Feinden macht"
Hab schon viel schwachsinn gelesen, aber dieses Buch setzt allem die Krone auf !!! Lesen Sie weiter...
Vor 5 Monaten von Bärtie veröffentlicht
1.0 von 5 Sternen Am Ende alle Tod!?
Ich zitiere Wikipedia: " Am Schluss des Romans ist Josef mit Sicherheit tot; vermutlich getötet wurde auch Mr. Edwin. Lesen Sie weiter...
Vor 5 Monaten von Andreas Breuer veröffentlicht
1.0 von 5 Sternen nur für die Schule
habe das Buch nur für die Schule gekauft, weil ich es musste. Wer es mag, ok, viel Spaß! Aber unterhalten tut es auf keinen Fall!
Vor 5 Monaten von Patrick Jörden veröffentlicht
4.0 von 5 Sternen Schule
Der Kauf war für die Schule. Hab das Buch nicht mal Komplet gelesen. Lag gut in der Hand. Alles Ok. Lesen Sie weiter...
Vor 5 Monaten von 22e88 veröffentlicht
3.0 von 5 Sternen Schülerrezensionen aus Grund- und Leistungskurs,...
"Wer diesen Roman nicht gelesen hat, der sollte nicht glauben, er kenne die deutsche Literatur nach 1945"

Mit diesen Worten beschreibt Reich-Ranicki Wolfgang... Lesen Sie weiter...
Vor 6 Monaten von Oliver Goebel veröffentlicht
1.0 von 5 Sternen Ohne ist das Leben besser
Generell finde ich das Thema gut gewählt aber ich muss sagen das es mehr als langweilig geschrieben wurde.
Ich würde es niemandem empfehlen, der eine Wahl hat. Lesen Sie weiter...
Vor 6 Monaten von Viny veröffentlicht
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