Es ist die dankenswerte Leistung des vorliegenden Buchs, ein Thema greifbar(er) zu machen, das anders als z.B. Gewalt- oder Sexualdelikte, kaum recht fassbar ist: Weder für die Darstellung in den Medien noch für die staatlichen Ermittler. Zu verschlungen und ungreifbar sind für den Laien, oft aber auch für den Profi, die Wege der über alle Kontinente verschobener Gelder, zu undurchsichtig die unterschiedlichen Rechtslagen verschiedener Länder. Genau dieses Gestrüpp, in dem Legalität und Illegalität nur über undeutliche Grenzen getrennt zu sein scheinen, machen sich die Künstler der Profitgier zunutze. Genau davon berichtet dieses Buch.
Und es berichtet in höchst lesbarer und gründlich recherchierter Art und Weise. Aufgerollt werden einige der prominenten, aber auch weniger bekannte Fälle von Wirtschaftskriminalität, die den Finanzplatz Zürich zwischen 1990 und 2004 beschäftigt haben. Als Personal treten auf Figuren der echten Schattenwelt (Yakuza-Bosse und Betrüger), der Halbschattenwelt (Oligarchen), vor allem aber scheinbar integre Akteure der Banken, Politiker mit Wasser-Wein Problemen, und schliesslich ihre Gegenspieler bei Polizei und Statsanwaltschaft. Der Autor schildert Fälle von Geldverschiebung, schwarzen Politkonten, Betrug, und den Schicksalen (wie dem Selbstmord des deutschen Politkers Möllemann), die sich an die Aufklärung solcher Fälle knüpften.
Dem Autor gelingt es, auch in Finanzsachen wenig beschlagenen Lesern die Funktionsweise der Werkzeuge im Spiel um das Geld verständlich zu machen: Domizilgesellschaten und Stiftungen, die Arbeitsweise der Treuhänder, das vielgescholtene Schweizer Bankgeheimnis und vertrackte Unterschiede in Gesetzeslagen zwischen den Ländern (z.B. der Begriff Arglist). Er entlarvt Politikerscheinheiligkeit und zeigt, wie dicht unter der Oberfläche der rechtsstaatlichen Schweiz die dunklen Mechanismen der Geldkünstler spielen - mit voller staatlicher Unterstützung (doch andere Länder, allen voran Liechtenstein und die USA, kommen in der Darstellung kaum besser weg). Der Autor spart dabei nicht mit wohlbegründeter Kritik an diesen Staatswesen und ihrer Rechtsordnung. Es ist eine beachtenswerte (sprachliche) Leistung des Autors, dass er technische Erklärungen und eine spannende Darstellung der Fälle harmonisch zu verbinden weiss. Zu loben auch die ausführlichen Nachweise am Ende des Buchs, die auf eine gründliche Recherche schliessen lassen.
Das Buch sei allen empfohlen, die auf unterhaltsame Art einige der wichtigen Fälle von Finanzkriminalität mit Zentrum Bahnhofstrasse Zürich revue passieren lassen wollen und Interesse an den Mechanismen dieser Delikte haben. Bleibt zu hoffen, dass der eine oder andere Leser das Buch nicht schliesst, wie er den Fernseher nach einem ARD-Tatort abschaltet - denn die hier vorgestellten Fälle sind bittere Wahrheit.