Jan Zweyer ist ein Scherzkeks. Jedenfalls kann ich mir nicht anders erklären, warum er Marian D. diesen unaussprechlichen Namen verpasst hat. Selbst beim Lesen bin ich ständig darüber gestolpert und fragte mich, was er damit bezweckte. Zu seinen Gunsten nehme ich an, dass er sich über die Vorstellung beölt hat, wie die Leserinnen sich ihre Zungen daran verknoten.
Glücklicherweise spielt Marian D. über weite Strecken keine Rolle.
Dafür taucht ein zwielichtiger, vorbestrafter, drogensüchtiger, verhaltensgestörter Immobilien und Versicherungsheini auf, der von D. beauftragt wird, auf Juist Grundstückskäufe anzubahnen.
Das ist genauso glaubwürdig, als würde man (beispielsweise) Rainer Brüderle zur Wahl von Mr. Universum nominieren. Dieser Typ, Schwiebus benamt, was passend schmierig klingt, verursacht folgerichtig auch nur Spesen.
Daneben wird er als einkommensschwach (letzter Immoverkauf liegt lange zurück) und heroinabhängig beschrieben (pfeift sich täglich was rein). Auch das ist nicht gerade logisch, denn wie ein heruntergekommener Landstreicher, was er nach Lage der Dinge sein müsste) sieht er nicht aus.
Der Rechtsanwalt wird also hinterher geschickt und macht noch mehr Spesen. Das ist alles völlig unglaubwürdig. Ein gewiefter Aufkäufer würde sich einen lokalen Partner suchen und sich vor allem schlau machen, unter welchen Umständen überhaupt auf einer kleinen Insel Grundstücke zu haben sind.
Noch etwas, worüber ich stolperte:
Ein Aktivist gegen den Golfplatzbau postiert sich bei beißender Kälte mit Stand und Infomaterial am Fähranleger, statt vor einem Lebensmittelmarkt, beispielsweise. Logischerweise steht er da mehr oder weniger umsonst. Oder auch nur, damit die Leserin ihn und seine Aktivitäten kennenlernt.
Nachdem ich über diese Logiklöcher hinweg gehüpft war, entspann sich eine gut lesbare, solide erzählte Geschichte, die auch ein bisschen mit dem Klischee des gesunden, wind und wettergegerbten Insulanerpolizisten spielt, der sich diverse Köhm hinter die Binde kippt und trotzdem fitter als seine dort gestrandeten Hamburger Kollegen ist.
Das ist ganz amüsant, ohne wirklich allzuviel Tiefgang zu entwickeln.
Für die Figuren gilt ähnliches. Der Bremer Pfeffersack ist böse, habgierig, gefühlskalt und grabbelt Lehrmädchen an. Da passt es gut, dass er für einen Mord verantwortlich ist.
Den anderen Mord begeht einer, der erst kurz vor Schluss in der Geschichte auftaucht. Der rote Kennzeichnungspunkt für den Täter pappt ihm gleichsam auf der Stirn. Für FreundInnen des 'whodunnit', die gerne raten mögen, ist das ein Kick in die Magengrube.
Auch auf die Gefahr hin, dass ich mit meiner Litanei nerve: Im Text wimmelt es von kommentierenden Sprechworten. Manchmal auch ein neutrales Sprechwort (z. B. sagte), oft aber mit einem Adjektiv (z. B. genervt) versaut.
Das ist wirklich überflüssig und ärgerlich. Es widerspricht dem Grundsatz 'zeigen statt behaupten' und gängelt die Leserin, die sich an Hand des Gesagten selbst ein Bild machen möchte.
Trotzdem: Durchaus lesbare und unterhaltsame Lektüre.