Vorab: "Nur" vier statt fünf Sterne, weil mir die Veröffentlichungspolitik in Bezug auf die Tatorte schleierhaft bleibt. Eventuell sind diese ganzen unchronologisch zusammengestellten Schuber aber auch nur Testballons, um zu schauen, ob der Markt für Komplettboxen vorhanden ist.
Bleibt also zu hoffen, dass Freunde des sympathischen, unaufgeregten Ermittlerduos Stoever/ Brockmöller nicht nur mit diesen vier Krimis abgespeist werden. Insgesamt existieren immerhin 41 Tatorte mit Stoever/ Manfred Krug, in 37 ist auch Brockmöller/ Charles Brauer mit von der Partie!
Im Folgenden erlaube ich mir noch meinen Senf zu den vier im Schuber befindlichen Episoden abzugeben:
--> Tod auf Neuwerk:
Ein Tatort, der mit einer etwas undurchsichtigen Geschichte um eine Leiche im Watt und einen Giftskandal aufwartet, aber auch mit jeder Menge Lokalkolorit, denn es wurde vor allem auf der schönen Nordsee-Insel Neuwerk gedreht.
Der verworrenen Handlung zu folgen ist nicht immer einfach, aber die Impressionen von rauer See und grüner Insel und Szenen wie jene, wo Stoever/ Krug fröstelnd in einer Rettungsboje ausharren muss, entschädigen.
Erstmals stimmen die Herren Kommissare hier auch ein Lied an ("Somewhere Over The Rainbow"): die Geburtstunde der "Swinging Cops".
Regie: Helmut Förnbacher
Erstausstrahlung: 24.03.96
89 Minuten, Format 4:3.
--> Schüsse auf der Autobahn:
Mit dem Ermittler-Duo Stoever/ Brockmöller ist meist für beste Krimiunterhaltung gesorgt. Diese Tatort-Episode aber krankt leider am Drehbuch: Unglaubwürdigkeiten, zu versponnene Handlungsfäden und Mängel in der Charakterzeichnung machen "Schüsse auf der Autobahn" zu einer schwächeren Episode.
Beispiele gefällig?
- Die beiden Hauptkommissare treiben dieses Mal unrealistisch heftige Scherze miteinander, die störend über die sonstigen - immer freundschaftlichen - Hänseleien hinausgehen.
- Als die beiden auf einen Hauptverdächtigen in einer Mordsache treffen, wird sogleich zu dritt in bester Laune ein nettes Liedchen miteinander gesungen. Realitätsferner geht es wohl kaum...
- Auf das erste Mordopfer stoßen die beiden Hauptkommissare höchstselbst. Was für eine Zufall...
- Die dargestellten Morde sind in der Realität kaum umsetzbar (treffsicher holt ein Schütze dreimal hintereinander Fahrer mit gezieltem Kopfschuss von der Straße).
- Erschwerend kommt hinzu, dass in einigen Nebenrollen, gerade zu Beginn der Episode, schauspielerisch alles andere als aufgetrumpft wird.
Stoever/ Krug und Brockmöller/ Brauer sind natürlich, in Bezug auf ihre darstellerischen Leistungen, über jeden Zweifel erhaben, vermögen dieses unglaubwürdige Szenario aber auch nicht mehr zu retten. - Drei Sterne.
Regie: Hartmut Griesmayr
Erstausstrahlung: 05.07.1998
87 Minuten, Format 16:9.
--> Undercover-Camping:
Ein sehr unterhaltsamer Tatort (aus dem Jahr 1997). Auf einem Camping-Platz wird eine Leiche gefunden. Stoever mischt sich undercover, als ruhebedürftiger Barpianist "Paul R. Gründel", im 90.000 DM-Wohngefährt unter verschrobenes Camping-Volk, während Kollege Brockmöller ganz offiziell ermittelt.
Die Kriminalgeschichte um Mord und ein verschwundenes, zwei Millionen schweres, königliches Briefmarkenalbum, macht nicht allzuviel her, umso mehr aber die, besonders in dieser Tatort-Episode, allgegenwärtige Selbstironie der beiden Hauptkommissare und die kleinen verbalen (immer freundschaftlichen) Scharmützel untereinander.
Auch sonst werden schöne Pointen geboten, wenn Stoever etwa einen halbnackten Bodybuilder ausgiebig mustert (natürlich rein dienstlich), worauf jener ihm beiläufig mitteilt, dass sein Körper einzig "für die Damenwelt" bestimmt sei. Unnachahmlich auch die Performance des von Stoever/ Brockmöller eingeschüchterten Hehlers... In weiteren Rollen überzeugen die Darsteller des fürsorglichen, älteren Camping-Ehepaares, Theresa Hübchen als vom Schicksal und von den Männern gebeutelte "Sofie", sowie Sven Martinek als "Jan Kott" (entgegen anderlautenden Meinungen finden ich Martineks Darstellung gar nicht übel - und im Sinne der Rolle ist er gut besetzt).
Regie: Jürgen Bretzinger
Erstausstrahlung: 02.11.1997
89 Minuten. Format 16:9.
--> Tod eines Mädchens:
Ein nicht mehr ganz junger Aufreißer hat ein Problem, als er seine 17-jährige Gespielin tot in seiner Badewanne vorfindet. Seine Idee, die Leiche heimlich zu entsorgen, ist keine sehr gute...
Anfangs schauspielerisch eher Laientheater, kommt die Sache erfreulicherweise sofort in Schwung, als Stoever und Brockmöller auf den Plan treten. Interessante Einblicke in die Ermittlungsarbeit, ein recht originelle Täterüberführung und eben die bestens aufgelegten Kommissare summieren sich zu einem unterhaltsamen, mitunter spannenden Krimi, auch wenn der zugrundeliegende Fall nicht gerade das Gelbe ist.
Regie: Jürgen Roland
Erstausstrahlung: 04.08.1991
86 Minuten. Format 4:3.