Inhalt
Auch in der Weltstadt mit Herz schläft das Böse nie. Für Recht und Ordnung sorgt in der Bayernmetropole schon Hauptkommissar Veigl, später sein ehemaliger Assistent Lenz und bis heute das Evergreen-Duo Batic und Leitmayr.
Weißblaue Turnschuhe (1973); Schicki-Micki (1985); Das Glockenbachgeheimnis (1999)
Bildbewertung:
Am 29. November 1970 ging eine neue, gegenüber vorherigen Produktionen völlig neue Krimireihe im deutschen Fernsehen, unter dem Titel "Tatort", mit ihrer ersten Folge "Taxi nach Leipzig" an den Start. Das besondere dieser Reihe war u.a., dass hier gleich mehrere charakterlich höchst unterschiedlich geprägte Kommissare und regional wechselnde Handlungsorte für reichlich Abwechslung in den zu sehenden Folgen sorgten. Für die damalige Zeit geradezu revolutionär, erwies sich diese Idee von Gunther Witte, dem geistigen Vater und Erfinder des "Tatort", sehr schnell als wahrer Geniestreich. Bis heute wurde dieses erfolgreiche Konzept, der wechselnden Tatort-Produktionen durch die verschiedenen Rundfunkanstalten der ARD beibehalten.
Auf nun beinahe vierzig Jahre Laufzeit hat es Deutschlands wohl erfolgreichste Krimireihe, welcher die Macher selbst anfangs höchstens zwei Jahre auf dem Bildschirm gaben, mittlerweile gebracht. Bis zu zehn Millionen Zuschauer versammeln sich bei jedem Tatort vor ihren Fernsehern, wenn der rhythmisch hämmernde Sound der legendären Titelmusik vom Komponisten und Musiker Klaus Doldinger erklingt.
Zum anstehenden Jubiläum bringt nun die ARD, in einer im ersten Moment etwas ungewöhnlich erscheinenden Zusammenarbeit mit "Walt Disney Home Entertainment", den Tatort, in stilistisch passend gestalteten Covern im "Tatort-Blau", zur Veröffentlichung auf DVD. Zunächst sind 150 Folgen in Form von Einzelepisoden wie auch als Kommissar- und Städteboxen geplant. Dabei sollen sowohl Klassiker, wie aber auch neuere Produktionen zur Veröffentlichung kommen. Für die Zukunft wurde sogar die Möglichkeit in Aussicht gestellt, über ein Online-Forum per Voting direkt mit an der Auswahl weiterer Tatort-Veröffentlichungen auf DVD Einfluss zu nehmen.
Mit einer Auswahl mit gleich drei verschiedenen Kommissaren und aus drei Jahrzehnten, kommt die "Tatort-Städte-Box München" zur Veröffentlichung.
Gleich von der ersten DVD dieser Veröffentlichung, gibt es mit der Folge "Weißblaue Turnschuhe", ein Wiedersehen mit dem ersten Ermittler der durch den bayrischen Rundfunk produzierten Tatort-Reihe. Von 1972 bis 1981 ermittelte Kommissar Veigl, wunderbar urbayrisch gespielt von Gustl Bayrhammer (1922-1993), der auch durch seine Darstellung des "Meister Eder" bei Pumuckl sehr bekannt war, insgesamt ganze fünfzehn Mal im Münchner Milieu. Anfangs war an seiner Seite mit Dackel "Oswald", ein ganz besonderer Publikumsliebling mit dabei. "Oswald", der gerne auch mal zusammen mit seinem Herrchen ein Bier schlürfte und regelrecht versessen auf lecker gebratene Schnitzel war, wurde von seinem Herrchen auch schon mal mit zu einem WM-Fußballspiel in das Stadion geschmuggelt oder mit auf die Dienststelle genommen.
Im Tatort "Weißblaue Turnschuhe", welcher seine TV-Erstausstrahlung am 24.06.1973 hatte, beginnen die Ermittlungen mit einem eigentlich eher als Bagatelldelikt zu wertenden Fall. Kommissar "Veigl", der sich eigentlich schon auf dem Weg hin zu seinem Urlaub befindet, übernimmt die Ermittlungen im Fall eines Raubüberfalls an einer 83jährigen Dame, der ihre Handtasche mit zehn Mark und ihrer Brille von einem Penner entrissen wurde. Im Zuge der Ermittlungen findet man nicht nur kostbaren Schmuck in den Taschen des Gauners, sondern auch einen Hinweis auf einen Fall, an deren Lösung sich das Ermittlerteam bereits seit einiger Zeit versucht, ohne aber wirklich weiter zu kommen. Unter der Regie von Wolf Dietrich und nach dem Buch von Herbert Rosendorfer, entstand dieser zweite Fall der bayrischen Tatort-Ermittler. Wunderbar nostalgischer Tatort, mit einem jungen Helmut Fischer als Assistent und Kriminaloberwachtmeister "Lenz".
Am 29.12.1985 erlebte der mittlerweilen 176. Tatort, mit dem Titel "Schicki-Micki", seine Erstausstrahlung vor beachtlichen 20,04 Millionen Zuschauern. Unter der Regie von Hans-Reinhard Müller und nach dem Buch von Ernst Fischer und Herbert Riehl-Heyse, ermittelt in diesem Tatort Helmut Fischer (1926-1997), als Kriminalkommissar Lenz.
Helmut Fischer als Kommissar "Lenz" war als Schauspieler u.a. auch sehr bekannt durch seine Rolle als "Monaco Franze". Ihm stehen in diesem Tatort Willy Harlander als Kriminalobermeister "Brettschneider" und Henner Quest als Kriminalassistent "Faltermayer" zur Seite.
Ein bekannter Journalist recherchiert für eine Zeitung über angestammte Lokale, die plötzlich schließen oder für die Klientel der Schicki-Micki-Gesellschaft teuer saniert und wiedereröffnet werden. Als dieser ermordet aufgefunden wird, deutet anfangs alles auf eine Rockergang hin. Im Zuge der Ermittlungen durch Kommissar "Lenz", führen die Spuren mitten in die Gastro-Szene, hin zu einem als "Gastronomie-Fürsten" bezeichneten Tatverdächtigen. Kommissar "Lenz" geht dieser Spur nach. Ganz zum Missfallen seines Vorgesetzten, der den Kommissar am liebsten von dem Fall entbinden möchte. Wird Kommissar "Lenz" sich durchsetzen und diesen Fall lösen können? Spannend inszenierter und verwobener Tatort voller unerwarteter und überraschender Wendungen.
Die dritte DVD der vorliegenden DVD-Box präsentiert mit dem 423. Tatort "Das Glockenbachgeheimnis" einen abermals sehr gelungenen und spannend gemachten Krimi, welcher am 03.10.1999 erstmals im TV zu sehen war. Das Buch für diesen Tatort, in dem die Kommissare "Franz Leitmayr" und "Ivo Batic" (Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec) ermitteln, stammt von Friedrich Ani. Unter der Regie von Martin Enlen spielt diese Folge inmitten von Münchens Glockenbachviertel.
Als ein gut betuchter Erbe inmitten diesen Viertels erschlagen aufgefunden wird, verdichten sich die Verdächtigungen sehr schnell hin in Richtung des Stadtteilarchitekten "Feuerberg" (Martin Umbach). Aber irgendwie scheint auch "Paul Rochus" (Michael Tregor), der den Toten beim Gassi gehen mit seinem Hund fand, involviert zu sein. Zumindest weiß er mehr als er sagt. Immer mehr zeichnet sich ab, dass der Schlüssel zur endgültigen Lösung des Falls im Cafe "Jasmin" verborgen zu sein scheint. Dieses Cafe wird von den beiden Damen "Frieda Helnwein" und "Doris Schellenbaum" (Barbara Ahren) geführt. Als "Frieda Helnwein" ist in diesem Tatort übrigens eine in ihrer Rolle und Darstellung erfrischend anzusehende Iris Berben zu erleben.
Das Bild von den drei DVDs dieser Veröffentlichung kommt, bedingt durch die zeitlich weit auseinander liegenden Zeiten der Produktionen, in recht unterschiedlicher Qualität zur Ansicht. Wohl ein jeder dürfte das Verständnis dafür aufbringen, dass die zum Teil mehrere Jahrzehnte zurückliegenden Aufnahmen nicht mehr an uns heute gewohnte Standards beim Bild heranreichen können. So machen sich natürlich die bei älteren Filmaufnahmen üblichen und zu erwartenden Mängel mal mehr oder auch weniger stark während der Wiedergabe der DVDs dieser Veröffentlichung bemerkbar. Im Gesamteindruck und in Anbetracht des Alters einiger Aufnahmen kann das zur Ansicht kommende Bild aber zumeist als angemessen und durchaus akzeptabel gewertet werden.
Die Gestaltung der DVD-Menüs wurde mit kleineren Animationen und der zu hörenden Titelmusik stimmig und passend zum Thema gestaltet.Aus dem nach Einlegen der DVD zur Ansicht kommenden Menü kann der Film unmittelbar gestartet werden. Neben einer sich separat öffnenden "Kapitelauswahl", werden noch optional zuschaltbare deutsche Untertitel angeboten. Von jeder der DVDs dieser Veröffentlichung werden einige Extras geboten. Von der ersten DVD kommt neben dem Trailer zum Tatort "Weißblaue Turnschuhe" noch ein nicht ganz neun Minuten dauernder Drehbericht zu dieser Folge zur Ansicht. DVD zwei zeigt als Extra den ca. 42 Minuten andauernden, ebenfalls sehr informativen, im Jahr 1996 durch den WDR gefertigten Beitrag mit dem Titel "Titelgeschichten, Taten, Orte, Kommissare". Von der dritten DVD schließlich, kommen als Extras ein Drehbericht zum Tatort "Das Glockenbachgeheimnis", sowie ein Porträt der beiden Kommissare "Franz Leitmayr" und "Ivo Batic", anläßlich ihres fünfzigsten gemeinsamen Falls im Tatort, zur Ansicht. In einem "Kommissar-Porträt", erfährt man in Form von Texttafeln und Bildern, dargestellt in einer Art Ermittlungsakte, zahlreiche Infos um und über die Kommissare "Leitmayr - Batic ", nebst dem sie umgebenden Team.
Tonbewertung:
Ein deutscher Ton im Dolby Digital 2.0 kommt von den DVDs dieser Veröffentlichung zu Gehör. Dabei ist er zumeist recht gut verständlich. Sicher ist auch hier der "Zahn der Zeit" nicht ganz spurlos an den Aufzeichnungen vorbei gegangen. Dennoch kann der Ton der vorliegenden Veröffentlichung im Gesamteindruck als gut gewertet werden. Von allen drei DVDs werden optional zuschaltbare deutsche Untertitel angeboten.
Gesamturteil:
Die Tatort-Box "München" bietet hier je eine Tatort-Folge eines Teams der Münchener-Tatort-Ermittler aus drei verschiedenen Jahrzehnten. Eine höchst interessante und abwechslungsreiche Auswahl, die zugleich auch wie eine Art Zeitspiegel den Wandel der Tatort-Reihe in der Inszenierung und deren Kommissaren anschaulich zeigt.
Lesen Sie weiter... ›