Bücher über Kunstfälschung gibt es viele. Die amüsanten haben meist die Kunstfälscher selber geschrieben, wenn sie in ihrer Karriere enttarnt wurden. Die anklagenden haben die Kunstexperten geschrieben, wenn sie Opfer von Fälschern wurden. Und dann gibt es noch die Faktensammler, wie Susanna Partsch mit ihrem "Tatort Kunst". Die Autorin bemüht sich, einen neutralen Standpunkt einzunehmen, obwohl ihr dass mitunter nicht ganz gelingt, denn der Profession der Kunsthistoriker gewährt sie einen gewissen Vertrauensvorschuss, den andere Berufe wie z.B. Restauratoren oder Kunsthändler von ihr nicht bekommen. Ob es daran liegt, dass Susanna Partsch selber Kunsthistorikerin ist, sei dahingestellt. In jedem Fall hat sie ein überaus faktenreiches Buch geschrieben, angefangen bei der Kunst, eine Fälschung zu entlarven bis hin zu Kurzbiografien berühmter Fälscher. Interessant ist auch das Kapitel zu angeblichen Fälschern, unter denen so klangvolle Namen wie Michelangelo oder Rafael auftauchen. Der Faktenreichtum des Buches ist aber auch seine Schwäche: Viele Fälscherbiografien ähneln sich, wodurch die Darstellung irgendwann monoton wird. Auch ist es nicht wirklich erhellend, wenn die verschiedenen Versionen eines Fälscherlebens, die im Umlauf sind, dialektisch miteinander verglichen werden, um dann zum Schluss lapidar festzustellen, dass diese Lebensgeschichten vermutlich auch nur Fälschungen sind. Oder Lebenslügen. Das ist vielleicht einmal interessant, vielleicht auch zweimal, aber es trägt definitiv nicht über 100 Seiten. Dadurch, dass das Buch den Tatbestand der Kunstfälschung aus allen möglichen Blickwinkeln beleuchtet (wissenschaftlich, juristisch, biografisch, kunsthistorisch, gesellschaftlich...), kommt es auch zu sehr vielen Dopplungen von Informationen, was zusammen mit dem etwas hölzernen Schreibstil die Lektüre oft mühsam macht. Die "Lebensbeichten" von Kunstfälschern in Form ihrer Autobiografien mögen zwar zum Teil der Wahrheit entbehren, aber sie sind wenigstens amüsant geschrieben. Susanna Partsch macht es sich zwar zum erklärten Ziel, diese in der Öffentlichkeit heroisierten Fälscher als gescheiterte Existenzen zu entzaubern, aber ein etwas eleganterer Stil wäre dabei kein Schaden gewesen. Manchmal hüpft sie in einem Absatz von einem Thema zum anderen, dass einem beim Lesen fast schwindelig wird, nur um dann zwei Kapitel
weiter alles noch einmal in epischer Breite zu wiederholen. Auch kam mir der naturwissenschaftliche Teil zur Entlarvung von Fälschungen bei weitem zu kurz. Für Partsch ist, wen wundert es, die kunsthistorische Analyse der Gral der Echtheitsexpertise. Spätestens seit dem Skandal der "Sammlung Jägers" (der im Buch übrigens nicht auftaucht), sollte dieses Märchen wohl eigentlich ad acta liegen. Der Schwerpunkt des Buches liegt im Bereich der Bilderfälschung, andere Materialien (Bronze, Keramik) kommen nur am Rande vor. Zu Möbeln, Silber, Asiatika, Africana u.v.a. erfährt man fast gar nichts. Dabei wird auch da gefälscht, was das Auktionshaus hergibt.
Wer wirklich etwas über Kunstfälschung lernen will, der sollte sich vielleicht doch eher
Kunstfälschers Handbuch von Eric Hebborn zulegen. Denn wenn man weiss, wie es gemacht wird, fällt man seltener drauf rein. Und äußerst amüsant ist das Buch von Eric Hebborn obendrein.