Das Zeitalter klassischer Verbrechen, im reellen Leben begangen, dort aufgeklärt und beendet, ist vorbei. Spätestens seit dem Internetzeitalter ist eine neue Dimension der Gemeinheit, der Grausamkeit und der Perfidität angebrochen. Raum und Zeit sind aufgehoben, haben dem Verbrechen zu einer virtuellen Zeitlosigkeit verholfen, einen neuen Markt ermöglicht, der die Verbrechensbekämpfung vor hohe Anforderungen und große Herausforderungen stellt.
Was in manchen Geschichten durchaus auch Lachsalven erzeugt, lässt einem in der zu Recht mit dem ersten Preis gekürten Krimigeschichte Blond Angel der Autorin Franziska Kelly das Blut in den Adern erstarren.
Es geht um Kinderpornographie, die, noch Jahrzehnte später, weil ins Internet gestellt, Schäden an Leib und Seele anrichtet. Und zwar bei Fachleuten wie Opfern gleichermaßen. Die Vorstellung, dass die Täter nicht ein Fünkchen Mitleid oder Unrechtsbewusstsein haben, treibt die Heldin der Geschichte zur Weissglut, zudem jemand Penis und Hoden eines Kinderschänders in einem Internetauktionshaus anbietet und noch mehr derlei Teile in Aussicht stellt.
Die mit dem ersten Preis gekürte Krimigeschichte hat großes Aufsehen, Erfolg und Medienecho ausgelöst, denn die Autorin und Menschenrechtlerin hat es geschafft, das Verbrechen an Kindern literarisch spannend und gleichzeitig fachlich korrekt zu verarbeiten. Verbrechen, besonders sexueller Gewalt, sind hierzu nur bedingt geeignet und es ist daher besonders schwierig, Laien und LeserInnen zu informieren und gleichzeitig zu unterhalten. Hier trafen literarisches Können und Fachwissen gleichermaßen aufeinander. Etwas, das nicht zwangsläufig so ist.
In der zweiten preisgekürten Krimigeschichte Turboschach von Regina Holz eröffnet ein Administrator gegen einen Hacker seinen virtuellen Krieg. Es war halb vier morgens, als sich diese miese Ratte einloggte, die zwei Tage zuvor beinah den Surver abgeschossen hatte. Und mit Pass auf...wage nicht, diesen Server anzurühren, sonst jag ich dir einen Virus durch die Leitung versucht, diesen in die Flucht zu schlagen.
Den dritten Preis schliesslich erhielt die Krimigeschichte Marilyn v. Sabine Klewe und müsste Solidarität mit computergeplagten Ehefrauen auslösen: Er sitzt schon wieder seit Stunden vor dem Ding. Er tut nichts anderes mehr. Ausser fressen. Wie begehe ich den perfekten Mord? Ich sitze in meinem Arbeitszimmer und gebe ein paar Suchbegriffe in die Tasten. Ehemann. Loswerden. Mal sehen, was sich tut.
Birgit Erwin inspiriert mit Bürobedarf Den Chef umzubringen ist leicht, aber was tut man mit seiner Leiche? Wie gut, dass es ebay gibt...
Auf jeden Fall haben die Herausgeberinnen Susanne Schubarsky und Fran Hen, so wie die Jury, nicht nur kriminalistischen Spürsinn bei Auswahl und Zusammenstellung bewiesen.
25 gewagte, originelle, mitunter saukomisch und überraschende Geschichten, die nicht nur Computerfreaks begeistern. Von den Finalisten und Preisträgern des Kärntner Krimipreises 2006. Jutta Strzalka Nikolaus Schmid Franziska Kelly Birgit H. Hölscher Birgit Erwin Kai-Kevin Diertrich Thomas Knackstedt Sabine Klewe Regina Lindemann Sandra Niermeyer Jörg Karweick Amaryllis Sommerer Andreas P. Pittler - Angelika Grabher Lisa Lercher Kristina Ruprecht Friederike Schmöe Hannah Mortensen - Frauke Schuster Glanzer & Steinauer Jürgen Edelmayer Heinrich Beindorf Kerstin Amenitsch Regina Holz Anne Grießer