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Tatort Gehirn: Auf der Suche nach dem Ursprung des Verbrechens [Taschenbuch]

Hans J. Markowitsch , Werner Siefer
3.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)

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Kurzbeschreibung

1. August 2009
Gibt es den »Fingerabdruck« eines Verbrechens im Gehirn? Hat das Böse eine biologische Basis? Von der Beantwortung dieser Frage hängt viel ab – neue Möglichkeiten in der Verbrechensprävention oder der Terroristenfahndung etwa, nicht zuletzt aber auch unser Verständnis von Schuldfähigkeit und Strafe. Mit vielen spannenden Fallbeispielen führt dieses Buch an die Front der neurowissen-schaftlichen Verbrechensforschung und zeigt die faszinierende dunkle Seite des Gehirns.


Produktinformation

  • Taschenbuch: 272 Seiten
  • Verlag: Piper Taschenbuch (1. August 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492253547
  • ISBN-13: 978-3492253543
  • Größe und/oder Gewicht: 19 x 12 x 1,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 322.322 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
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Über den Autor

Hans J. Markowitsch ist Professor für Physiologische Psychologie an der Universität Bielefeld und einer der profiliertesten Hirnforscher Deutschlands. Werner Siefer, Diplom-Biologe, ist Redakteur im Ressort Forschung und Technik des Focus. Eines seiner Spezialgebiete ist die Hirnforschung. Bei Campus veröffentlichte er zusammen mit Christian Weber »Ich.Wie wir uns selbst erfinden« (2006). -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wir Racheengel 19. September 2008
Format:Gebundene Ausgabe
Können Fehlfunktionen im Gehirn zu einer kriminellen Tat führen? Die Antwort, die der Psychologe Hans J. Markowitsch und der Biologe und Focus-Redakteur Werner Siefer geben, lautet eindeutig: Ja. Unter Fachleuten stehen sie damit nicht alleine. Aber das Rechtssystem tut sich schwer anzuerkennen, dass Schäden im Gehirn ursächlich mit einem Gewaltakt zusammenhängen können. Es gibt Fälle, in denen dieser Zusammenhang eindeutig dokumentiert ist, in anderen Fällen liegt dieser Verdacht nahe. Ulrike Meinhof, die einen tumorbedingten Schaden im Emotionszentrum des Gehirns erlitt, ist ein Beispiel. Wir, die Richter einbezogen, zögern zu akzeptieren, dass es für manche Menschen unmöglich ist, einen Gewaltakt *nicht* durchzuführen. Wir tun uns so schwer damit dies zu akzeptieren, weil wir vom Rachegedanken geleitet werden, so Hans J. Markowitsch und Werner Siefer. Sie plädieren für eine Änderung des Rechtssystems. Sie plädieren für verstärkte Prävention. So weit, so gut. Leider hat das Buch etliche Schwächen, sodass ihre Botschaft nicht besonders überzeugend wirkt. Und vorne weg stellt sich die Frage, ob neurologische Fehlfunktionen die Hauptursache von Gewaltverbrechen sind, wie es dieses Buch suggeriert. Dieses darf bezweifelt werden.

*Was uns das Buch sagt*
Wir können heute das Risiko abschätzen, mit dem ein Mensch zum Gewaltverbrecher werden könnte. Ein Gewalttäter hat in den meisten Fällen nicht die Möglichkeit, sich frei zu entscheiden, die Tat *nicht* auszuführen. Wir sollten präventive Maßnahmen ergreifen, um die Entwicklung von Jugendlichen zu Gewalttätern zu verhindern oder zumindest abzuschwächen. Und das Rechtssystem muss geändert werden, denn es ist weder sinnvoll noch von Nutzen, hirngeschädigte Gewalttäter zu bestrafen. Sie hatten keine andere Wahl: "Sie handelten, wie sie mussten".

Die Autoren weisen außerdem auf einen weiteren Sachverhalt hin: Die Gefahr zunehmender Gewalttätigkeit, die vom massenhaften Verabreichen von Psychopharmaka (wie Ritalin) an Jugendliche droht. Am Rande weisen die Autoren auch auf soziale und wirtschaftliche Risikofaktoren hin.

*Deutliche Schwächen*
Die Themen sind angesichts neuerer Forschungsergebnisse hochbrisant. Die Argumentationsrichtung der Autoren ist legitim. Aber das Buch ist nicht immer überzeugend.

Die Autoren behaupten, dass sich bei Kapitalverbrechern "fast immer" ein hirnbiologischer Hintergrund finde. Das darf bezweifelt werden. So betrachtet der Neuropsychologe Lutz Jäncke diesen Typ bei den Tötungsakten als weniger häufig. Und der amerikanische Psychologe David M. Buss kann auf Grund umfangreicher Recherchen in Fachliteratur und Datenbanken des FBI zeigen, dass die weit überwiegende Anzahl von Vergewaltigungen und Morden von Familienangehörigen, Verwandten und Bekannten begangen wird (beschrieben beispielsweise in "Der Mörder in uns"). Das bedeutet, die Mehrzahl der Gewalttäter sind ansonsten "normale" Bürger. Gehirnscans dürften dann relativ unergiebig sein.

Besonders wichtig wäre gerade bei diesen emotional aufgeladenen Themen, dass die Behauptungen ordentlich belegt würden. Nun gibt es Passagen, in denen die Autoren gut belegen, aber auch andere, in denen sie nur behaupten. Es ist unbefriedigend, wenn sie Untersuchungen als Argumentationshilfe heranziehen, die so unausgegoren sind, dass sie - in diesem Stadium - schlicht noch nichts aussagen können. So wird zu der Behauptung, dass sich das Gehirn eines Pädophilen von normalen Menschen unterscheidet eine Studie zitiert, in der nur eine einzige Versuchsperson untersucht wurde.

Davon abgesehen nervt die stilistische Eigentümlichkeit, "... ich (Hans Markowitsch) ..." und "... ich (Werner Siefer) ..." ständig zu wiederholen. Stellenweise schweift der Text vom Thema ab und verwässert so die Botschaft. Letztlich ist der achtseitige Artikel "Verdächtige Hirnareale", den Koautor W. Siefer vor einem Jahr (2007) im Focus geschrieben hat, knapper, knackiger und sagt das gleiche aus. Aber schuldig sprechen wegen mangelnder Ausführung eines wichtigen und brisanten Themas wollen wir dann doch nicht. Wir lassen Gnade walten und hoffen auf Besserung.
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21 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Leonidas VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Das Thema ist überaus interessant. Wie sieht es im Gehirn eines Verbrechers aus und weist es tatsächlich Auffälligkeiten im Vergleich zu einem normalen Gehirn auf?
Nachdem ich zahlreiche Bücher gelesen habe, die sich mit "dem Bösen" (Safranksi) und "der Illusion des freien Willens" (Bieri) beschäftigt haben, dachte ich, dieser Titel wäre der nächte Schritt hin zur modernen Hirnforschung, die mittlerweile einen wichtigen Teil der Bewertung solcher Begriffe einnimmt.
Leider ist das Buch auf Focus-Niveau geschrieben, was bedeutet, selbst ein Toastbrot versteht, was drinsteht, dafür ist aber das Niveau auch so seicht wie eine ausgetrocknete Pfütze in der Wüste. Zum eigentlichen Thema stößt der Autor eigentlich nie vor, sondern er verliert sich in Allgemeinplätzen und kuriosen Beispielen, die aber selten in den Gesamtzusammenhang gesetzt werden.
Als 'Schönheitsfehler', der mich halb wahnsinnig machte, möchte ich noch einen Punkt ankreiden: Es stehen zwar zwei Autoren auf dem Umschlag, aber es ist schnell klar, dass Markowitsch das Buch schrieb und Siefer lediglich den Text geschliffen hat, denn jedes einzelne Mal, wenn der Autor 'ich', 'meine', 'mir' etc sagt, kommt ein 'Hans Markowitsch' dahinter. Wenn das auf einer Seite zwei, dreimal passiert klingt es, als sei ein Egomane am Werk! Nervig!
Zudem finden sich vermehrt Rechtschreibfehler im Buch, was bei einem (Pseudo-)wissenschaftlichen Text eigentlich nicht sein sollte.
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20 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Einseitig und reißerisch 8. Oktober 2007
Format:Gebundene Ausgabe
Es ist nicht neu, dass die biologische Schule der Kriminologie seit Jahren international einen erneuten Aufschwung erlebt. Unzählige Ergebnisse diverser Studien wurden inzwischen veröffentlicht und sollen grundsätzlich beweisen, dass "Kriminelle" biologisch anders als "normale" Menschen gestrickt sind und dass diese "biologische Andersartigkeit" der Grund für deren abweichendes Verhalten ist. In der kriminologischen Literatur ist von einem Neolombrosianismus sowie wieder von "Verbrechermenschen" die Rede (siehe "Verbrechermenschen" von Peter Strasser). "Tatort Gehirn" reiht sich in diese Veröffentlichung - mit der typisch deutschen Verspätung - ein.

In diesem Buch wird ein unglaublich einseitiger und mangelhafter Versuch unternommen, um "Kriminalität" erklären zu wollen. Von soziologischen (insbesondere: von interaktionistischen) oder psychologischen Erklärungsansätzen scheinen die Autoren noch nie etwas gehört zu haben. Besonders fragwürdig sind beispielsweise folgende Thesen und Feststellungen: "Für Kapitalverbrecher oder solche, die eine regelrechte Verbrecherlaufbahn eingeschlagen haben, findet sich fast immer ein hirnbiologischer Hintergrund" (S. 11). "Andere Studien brachten zutage, dass kriminell auffällige Heranwachsende anderen Jugendlichen geistig durchschnittlich unterlegen sind... Rein statistisch gesehen bestätigte sich...das Merkmal der verminderten Intelligenz als typisch für einen Verbrecher..." (S. 135)

An einer anderen Stelle wird die Frage, weshalb das Gros der Gefangenen in Strafvollzügen männlichen Geschlechts ist, vereinfacht und infolgedessen falsch beantwortet: Vor allem die männlichen Sexualhormone seien - etwas überspitzt formuliert - Schuld an dem "typisch männlichen" gewalttätigen und kriminellen Verhalten. Zwischendurch wird ein generell aggressiveres Verhalten von Menschen aber auch mit einem so genannten "MAO-Gen" zu erklären versucht, das auch vererbbar sei. Andere Beispiele, um die Thesen der Autoren zu bestätigen oder um die Studienergebnisse anderer Wissenschaftler unkritisch als Exempel zu nennen, sind ähnlich grotesk - geschweige valide - und werden eher halbherzig und häufig ohne nähere Quellenverweise genannt. Besonders beängstigend wird es, wenn die Autoren darüber phantasieren, ob es nicht bereits in ein paar Jahren möglich sei, "delinquenzgefährdeten" Kindern entsprechende Pillen verschreiben zu können - ähnlich wie heutzutage viele Kinder das "Zaubermittel" Ritalin nehmen würden, um ihre ADHS behandeln zu können.

Stellenweise wird so scharf und plump geschossen, dass es den Anschein hat, dass die Autoren zunächst provozieren wollen, um den Leser zum Weiterlesen animieren und um ihn dann in den letzten Halbsätzen mit dem Hinweis auf altbekannte Erkenntnisse langweilen zu wollen. Denn letztendlich kommen die Autoren nur zu den gesicherten Ergebnissen, dass die Umwelt Einfluss auf das menschliche Gehirn hat, dass schwierige Lebenslagen abweichendes Verhalten begünstigen und dass Gehirnverletzungen die Persönlichkeit eines Menschen verändern können.

Das hätten sie auch in einem kurzen Aufsatz konstatieren können. Vielleicht hätten sie es in diesem auch geschafft, einen roten Faden zu konstruieren, nicht so sehr vom eigentlichen Thema abzuschweifen und auf fast schon reißerische, unpassende Kapiteltitel, die nicht einmal Sinn machen, zu verzichten.
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