Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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16 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Interessantes Thema, aber sehr oberflächlich und reißerisch, 23. Oktober 2007
Das Thema ist überaus interessant. Wie sieht es im Gehirn eines Verbrechers aus und weist es tatsächlich Auffälligkeiten im Vergleich zu einem normalen Gehirn auf?
Nachdem ich zahlreiche Bücher gelesen habe, die sich mit "dem Bösen" (Safranksi) und "der Illusion des freien Willens" (Bieri) beschäftigt haben, dachte ich, dieser Titel wäre der nächte Schritt hin zur modernen Hirnforschung, die mittlerweile einen wichtigen Teil der Bewertung solcher Begriffe einnimmt.
Leider ist das Buch auf Focus-Niveau geschrieben, was bedeutet, selbst ein Toastbrot versteht, was drinsteht, dafür ist aber das Niveau auch so seicht wie eine ausgetrocknete Pfütze in der Wüste. Zum eigentlichen Thema stößt der Autor eigentlich nie vor, sondern er verliert sich in Allgemeinplätzen und kuriosen Beispielen, die aber selten in den Gesamtzusammenhang gesetzt werden.
Als 'Schönheitsfehler', der mich halb wahnsinnig machte, möchte ich noch einen Punkt ankreiden: Es stehen zwar zwei Autoren auf dem Umschlag, aber es ist schnell klar, dass Markowitsch das Buch schrieb und Siefer lediglich den Text geschliffen hat, denn jedes einzelne Mal, wenn der Autor 'ich', 'meine', 'mir' etc sagt, kommt ein 'Hans Markowitsch' dahinter. Wenn das auf einer Seite zwei, dreimal passiert klingt es, als sei ein Egomane am Werk! Nervig!
Zudem finden sich vermehrt Rechtschreibfehler im Buch, was bei einem (Pseudo-)wissenschaftlichen Text eigentlich nicht sein sollte.
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17 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Einseitig und reißerisch, 8. Oktober 2007
Es ist nicht neu, dass die klassische Schule der Kriminologie seit Jahren international einen erneuten Aufschwung erlebt. Unzählige Ergebnisse diverser Studien wurden inzwischen veröffentlicht und sollen grundsätzlich beweisen, dass "Kriminelle" biologisch anders als "normale" Menschen gestrickt sind und dass diese "biologische Andersartigkeit" der Grund für deren abweichendes Verhalten ist. In der kriminologischen Literatur ist von einem Neolombrosianismus sowie wieder von "Verbrechermenschen" die Rede (siehe "Verbrechermenschen" von Peter Strasser). "Tatort Gehirn" reiht sich in diese Veröffentlichung - mit der typisch deutschen Verspätung - ein.
In diesem Buch wird ein unglaublich einseitiger und mangelhafter Versuch unternommen, um "Kriminalität" erklären zu wollen. Von soziologischen (insbesondere: von interaktionistischen) oder psychologischen Erklärungsansätzen scheinen die Autoren noch nie etwas gehört zu haben. Besonders fragwürdig sind beispielsweise folgende Thesen und Feststellungen: "Für Kapitalverbrecher oder solche, die eine regelrechte Verbrecherlaufbahn eingeschlagen haben, findet sich fast immer ein hirnbiologischer Hintergrund" (S. 11). "Andere Studien brachten zutage, dass kriminell auffällige Heranwachsende anderen Jugendlichen geistig durchschnittlich unterlegen sind... Rein statistisch gesehen bestätigte sich...das Merkmal der verminderten Intelligenz als typisch für einen Verbrecher..." (S. 135)
An einer anderen Stelle wird die Frage, weshalb das Gros der Gefangenen in Strafvollzügen männlichen Geschlechts ist, vereinfacht und infolgedessen falsch beantwortet: Vor allem die männlichen Sexualhormone seien - etwas überspitzt formuliert - Schuld an dem "typisch männlichen" gewalttätigen und kriminellen Verhalten. Zwischendurch wird ein generell aggressiveres Verhalten von Menschen aber auch mit einem so genannten "MAO-Gen" zu erklären versucht, das auch vererbbar sei. Andere Beispiele, um die Thesen der Autoren zu bestätigen oder um die Studienergebnisse anderer Wissenschaftler unkritisch als Exempel zu nennen, sind ähnlich grotesk - geschweige valide - und werden eher halbherzig und häufig ohne nähere Quellenverweise genannt. Besonders beängstigend wird es, wenn die Autoren darüber phantasieren, ob es nicht bereits in ein paar Jahren möglich sei, "delinquenzgefährdeten" Kindern entsprechende Pillen verschreiben zu können - ähnlich wie heutzutage viele Kinder das "Zaubermittel" Ritalin nehmen würden, um ihre ADHS behandeln zu können.
Stellenweise wird so scharf und plump geschossen, dass es den Anschein hat, dass die Autoren zunächst provozieren wollen, um den Leser zum Weiterlesen animieren und um ihn dann in den letzten Halbsätzen mit dem Hinweis auf altbekannte Erkenntnisse langweilen zu wollen. Denn letztendlich kommen die Autoren nur zu den gesicherten Ergebnissen, dass die Umwelt Einfluss auf das menschliche Gehirn hat, dass schwierige Lebenslagen abweichendes Verhalten begünstigen und dass Gehirnverletzungen die Persönlichkeit eines Menschen verändern können.
Das hätten sie auch in einem kurzen Aufsatz konstatieren können. Vielleicht hätten sie es in diesem auch geschafft, einen roten Faden zu konstruieren, nicht so sehr vom eigentlichen Thema abzuschweifen und auf fast schon reißerische, unpassende Kapiteltitel, die nicht einmal Sinn machen, zu verzichten.
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6 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Neueste Forschung, unterhaltsam dargestellt: Besser geht's nicht, 15. November 2007
Das Autorengespann Siefer/Markowitsch schafft mit "Tatort Gehirn", ein schwieriges Thema einfühlsam und von verschiedenen Perspektiven aus zu beleuchten. Neueste Ergebnisse der Gehirnforschung stellen die Autoren verständlich dar. Und das Beste: Der Schreibstil kommt völlig ohne trockenen Wissenschafts-Slang aus, die einzelnen Kapitel lesen sich (vor allem in der ersten Hälfte des Buches) so spannend wie ein Krimi. Viele Beispiele sowie Täter- und Opfergeschichten lockern die nüchternen wissenschaftlichen Inhalte auf. Doch vor allem die zentrale Frage: Sind Straftäter nun "krank" oder "böse"? muss die Gesellschaft dringend diskutieren.
Seltsam mutet die Kritik an, das Buch sei "reißerisch" und "einseitig". Es ist in Wirklichkeit das Gegenteil davon. Nur ein Beispiel: Wer sich ein bisschen in der Materie auskennt, würde die Zusammenhänge um die MAO-Genfamilie nie als "grotesk" bezeichnen. Auch, dass es sich hier um Pseudowissenschaft handeln soll, ist völliger Humbug. Die Studien sind sauber geschildert, die Quellen jeweils klar angegeben und lassen sich in jedem einzelnen Fall überprüfen. Mein Fazit: Fünf Sterne allein für das Leseerlebnis!!
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