Wie kann es einem Verlag gelingen, 13 überwiegend nicht gut geschriebene Geschichten (die von Lucas Buhl mit dem ausgestopften Braunbären ist die stilistische Ausnahme, arbeitet den Stoff aber inhaltlich nur oberflächlich aus; die Geschichte von Dirk Kruse nehme ich auch aus, sie ist aber inhaltlich sehr durchsichtig) Kriminalgeschichten zu versammeln, die überwiegend von juristischen und kriminalistischen Fehlen nur strotzen und wimmeln?
Keine dieser Geschichten weckt auch nur im mindesten das Bedürfnis, weitere Werke der hier versammelten Autoren (Lucas Buhl ist vielleicht die Ausnahme) zu lesen.
Was ist es im einzelnen, was mich stört?
- Die Themen der Geschichten, die kaum mehr Interesse zu wecken vermögen als der Krimi der Woche in der Frauenzeitschrift meines Vertrauens?
- Die Auflösungen der Krimis, die in einigen Fällen wie mit dem Holzhammer zwischen die Zeilen gehauen wirken?
- Die gravierenden Fehlvorstellungen der Autoren über Zielgenauigkeit und Geschwindigkeit einer Handy-Ortung, der Geschwindigkeit und Mühelosigkeit, mit der ein Polizeibeamter eine Einwohnermeldeamtsanfrage durchführen kann, über den Nährwert von DNA-Auswertungen und Fingerabdrücken? Und: nein, Frau Dr. Korber, eine NS-Devotionaliensammlung in den eigenen vier Wänden zu haben ist mitnichten strafbar und: nein, Frau Arenz, der Import von neu erfundenen berauschenden Drogen ist tatsächlich erst mal legal...
- Die stilistisch zuweilen flüchtige, teilweise auch unbeholfene sprachliche Umsetzung? Die wundert mich insoweit, als sämtliche Autoren ihrem Beruf nach Profis sind im Umgang mit der Sprache - und trotzdem finde ich: keine einzige geistreiche Redewendung, keine einzige stilistische Pointe in dem ganzen Buch.
- Das Fehlen von Lokalkolorit? Lokalkolorit besteht nicht darin, in eine im übrigen völlig nichtssagende Geschichte den einen oder anderen Orts- und Straßennamen einzuflechten - alle diese Geschichten könnten auch in Gelsenkirchen oder Xanten spielen.
Fazit, leider: Wer Werbesammelbände der verlagseigenen Autoren auf den Markt bringt, sollte seine Geschichten so auswählen, daß keine Anti-Werbung daraus wird. Aber das ist es hier geworben.