Zur Farb-DVD: sie wurde 1995 nachträglich vom farbigen Haupt-Original kopiert (was damals, 1947!, noch nicht geklappt hatte). Die Abendszenen wirken gleichwohl schwarzweiß. Die DVD hat auch Französisch, das war mir auch wichtig. Die leider nur deutschen Untertitel lassen übrigens viel des sprachlichen Tohuwabohu im Film fort. Ebenfalls auf der DVD war ein viertelstündiger Kurzfilm zum selben Thema.
Jour de fête ist der erste lange Film Jacques Tati(scheff)s. Ein Postbote im beschaulichen, damals wirklich noch existierenden ländlichen Frankreich beschleunigt sich aberwitzig à l'Americaine. In der Postuniform und von der hohen Gestalt her hat der Charakter auch etwas von De Gaulle. Mit seinem einfachen Fahrrad überholt der "facteur" sogar die Rennradlergruppe und zeigt es den Amerikanern auch wiederholt.
Um auf seine 70, 80 Minuten zu kommen, baut Tati noch ein paar Nebenhandlungen ein (das Volksfest etwa), spielt Szenen herrlich, häufig pantomimisch aus und nutzt eine alte Oma als allwissende gallige Kommentatorin. Der Film wird dabei immer besser. Trotz aller Akrobatik und allem Humor ist es auch ein trauriger Film, der den Verlust der herkömmlichen Lebensfreude prophetisch andeutet: Autos z.B. beginnen bereits den Weg in Beschlag zu nehmen und die Menschen wegzuhupen.
Schönes Frühwerk Tatis, vier Sterne bis viereinhalb.