Der Mythos von den bärenstarken Wikinger mit ihren Hörnerhelmen, die als erfahrene Seeleute die Küstenregionen Europas plünderten, hat ein eindimensionales, verzerrtes Bild geschaffen, das durch Filme aber auch durch den Sport (Rieder Wikinger, Vienna Wikings etc.) noch zusätzlich verstärkt wurde. Archäologische Funde und Forschungen haben aber in den letzten Jahren dazu beigetragen, das Wikingerbild zurecht zu rücken.
Reinhard Barth, Hamburger Historiker, der schon einige Bände in der Piper-Taschenlexikon-Reihe verfasst hat, zeichnet hier in kurzen, alphabetischen aber in sich abgeschlossenen Beiträgen ein vielschichtiges Bild dieser Nordmänner, die ihre Plünderungen und Raubzüge eher deshalb begannen, weil Armut und schlechte Ernten sie wahrscheinlich dazu veranlasst haben.
Die Wikinger waren Experten im Schiffbau und Seefahrt, sie haben ca. 500 Jahre vor Columbus bereits Amerika entdeckt, das sie Vinland nannten.
Historische Persönlichkeiten, Orte und Schauplätze, kulturgeschichtliche Stichwörter und die nordische Mythologie sind die Hauptstränge dieses Taschenlexikons. So erfährt man sehr interessante Details über Handwerk und Kunst der Wikinger, aber auch über die Götterwelt um den Göttervater Odin, in der sehr raue Sitten herrschten, gleichsam wie den Menschen.
Jeder dieser Beiträge ist spannend zu lesen und nach und nach erschließt sich ein Bild von den Wikingern, das man in dieser Form noch nicht gekannt hat und das manchmal staunen lässt.
Rudolf Kraus