Ich habe mir das "rote" ICD-10 zur Klassifikation psychischer Störungen für das Lernen auf die Approbationsprüfungen gekauft, da diese Version nicht nur die German Modifications (GM) beinhaltet, sondern auch erweiterte Überblicksdarstellungen zum Störungsbild, Hinweise für die Verkodierung im Rahmen klinischer Forschung, Referenztabellen zu älteren ICD-Versionen und dem DSM-IV sowie ein DIN-A3-Faltblatt, auf dem alle Diagnosen noch einmal im Überblick präsentiert werden (super zum lernen!). Bin bis heute mit der übersichtlichen Aufmachung und den klaren Entscheidungsbäumen auf dem Weg zur Diagnose sehr zufrieden, ganz unterhaltsam ist das Extrakapitel über psychische Störungen in anderen Kulturkreisen. Da bis heute alle offiziellen Diagnosen im Klinikalltag über das ICD-10 gestellt werden, ist es für Ärzte und klinisch tätige Psychologen ein unverzichtbarer Begleiter bei der täglichen Arbeit, wenngleich ich das DSM-IV nach wie vor für das bessere Klassifikationssystem halte, da es noch strenger wissenschaftlichen Kriterien unterworfen ist und Störungsbilder allein deskriptiv (ohne zugrundeliegende Theorie) verkodiert. Mit "althergebrachten" Kategorien des ICD-10 wie "Neurasthenie", "Konversionsstörung" oder "Neurosen" bin ich unzufrieden, dies entspricht aber oft immer noch dem Alltagssprachgebrauch alter Kliniker. Ich hoffe sehr auf das ICD-11, dass sich wohl anschickt, diese Überbleibsel vergangener Zeiten zu eliminieren und weitgehend theoriefrei an die Verkodierung psychischer Störungen heranzugehen.