Mir geht es so, dass ich immer etwas schwermütig werde, bevor ich ein C.G. Jung Buch aufschlage, besonders eines wie "Synchronizität": Es wird wieder ein Buch voller genialer und faszinierender Vorstöße in die Geheimnisse der Psyche kommen, toll dargestellt und einsehbar, doch hat ein großer Teil in der heutigen Psychologie geschweige denn Medizin wegen fehlender Nachprüfbarkeit keinen Platz oder wird mit einem mitleidigen Lächeln bedacht, gerade wenn es um spirituelle Themen geht wie hier in diesen Schriften. Doch jeder Schwermut ist verflogen, wenn ich mich, möglichst ohne gestört zu werden, durch diese komplexen und faszinierenden Gedanken lese. Synchronizität nennt Jung ein Prinzip, dessen Auswirkungen für den Einzelnen darin bestehen, dass äußere Geschehnisse auf geheimnisvolle Weise mit dem subjektiven Innern zusammenzuhängen scheinen (z.B. ich Träume von etwas für mich Bedeutsamen, am nächsten Tag spricht ein Freund mich darauf an, kurz darauf lese ich darüber in der Zeitung etc. etc.). Auf solchen Erfahrungen beruhend postuliert Jung einen Zusammenhang der Welt außerhalb der linearen Kausalität von Ursache und Wirkung, berichtet von Erfahrungen und zeigt Ausformungen dieser Theorie bereits in der alten chinesischen Philosophie und, bei Jung unumgänglich, der Alchemie. Man kann es als einen Erklärungsversuch über die Kraft sehen, die "die Welt im innersten Zusammenhält". Der zweite Teil des Buches ist etwas fade, es geht um Beschreibung und Auswertung eines statistischen Experiments, das Synchronizität Beweisen könnte, mit dem Ausgang, dass es das u.U. wirklich könnte, die Werte aber nicht wirklich eindeutig sind. Im dritten Teil geht es um sehr interessante Beschreibungen, Untersuchungen und Beobachtungen bezüglich Geisterglaube und Medialität sowie einer Fallbeschreibung eines jungen Mädchens und dessen Anfällen an der Grenze zwischen Hysterie und "Geistersehen". Sehr spannend dargestellt und dazu ein sehr leicht zu lesendes Buch.