Zwei Filme auf doppelseitiger Disk
1.)
Deutscher Titel: Tarzans Vergeltung
Originaltitel: Tarzan and his Mate
Produktionsland: USA
Premiere: 1934
Mit: Johnny Weissmüller, Maureen O'Sullivan, Neil Hamilton u.a.
Regie: Cedric Gibbons
Genre: Abenteuer
SW
2. Film der 12-teiligen Reihe mit Johnny Weissmüller
Der Film ist atmosphärisch dicht und effektvoll, das Timing der Handlung schnörkellos. Ein äußerst gelungenes Dschungelabenteuer mit viel Action und sowohl exotischen, als auch erotischen Eindrücken. Das Zusammenspiel von Mensch und Tier ist bemerkenswert und wirksam in Szene gesetzt, mit starker Neigung zum Fantasyfilm; die Baumflug- und Tauchszenen kreativ und faszinierend.
Das Grundmuster der ersten Tarzan-Filme mit Johnny Weissmüller besteht im Aufzeigen des unvereinbaren Gegensatzes zwischen profitgieriger Skrupellosigkeit und respektvoller Einstellung zur Natur. Je inhaltsleerer das Geschwätz der Zivilisierten, umso gehaltvoller der verhaltene Stil Tarzans. Der Zuschauer wird auf diesem Weg geführt in die Faszination vor dem ursprünglichen Lebensgefühl. Es ist nicht nur der starke und wilde Held, der hier beeindruckt, sondern sein Charakter, der sämtliche Probleme geradlinig löst. Er zeigt den Zivilisierten, wo es lang geht, wenn sie sich mehr in ihren deformierten Verhaltensformen verstricken, denn im unwegsamen Dschungel.
Auf denkwürdige Weise bildet den Hintergrund beider Teile das Phänomen eines Elefantenfriedhofs (in Wirklichkeit unbewiesene Legende). Als Wegscheide zwischen zwei konträren Philosophien dient der von weißen Skeletten übersäte, heilige Friedhofsgrund zum Transparentmachen der Unvereinbarkeit von Gier und Giri (Falscher und Richtiger Grund). Für die Urbewohner des Landes ist der Elefantenfriedhof nicht nur heilig, sondern zudem unbetretbar, das heißt tabu. Sie gewähren den Geschöpfen im Tode ihren würdigen Heimgang, bringen den Tod jedoch jedem, der den Friedhof schändet. Elfenbein als Objekt für die Unterscheidung zwischen Gut und Böse: für die "Wilden" ein unantastbarer Bestandteil des Lebensgesetzes und der Welt - für die "Zivilisierten" nur toter Rohstoff, um schnell reich zu werden.
Jane kommt in dem Film anfangs nicht gut weg. Obwohl sie vergeben ist, fällt sie Männern leicht in die Arme, lässt sich während Tarzans Abwesenheit Abends mit Kleidungs- und Musikstücken verlocken, und sogar abschmatzen, ohne es nachdrücklich zu verhindern. Sie teilt auch nicht die Ehrfurcht Tarzans vor dem Elefantenfriedhof, als sie ihn im Interesse ihrer westlichen Freunde bittet, er wolle seine Elefantenherde dazu aufbieten, um das Elfenbein der toten Tiere zu transportieren. "Mahowoni sleep" wiederholt Tarzan mehrere male, als er Jane begreiflich macht, dass die verstorbenen Elefanten nicht gestört werden dürfen.
Es ist auch wesentlich zu erwähnen, dass die Tarzanreihe eine brüderliche Beziehung zwischen Mensch und Tier aufzuzeigen trachtet. Gewiß gibt es feindlich gesinnte Raubtiere, die angreifen, um zu fressen. Abgesehen davon aber rettet nicht nur Tarzan den Tieren das Leben, sondern die Tiere genauso das seine. Als er durch eine Kugel ohnmächtig wird und im Wasser untergeht, wird er von einem Flußpferd auf dessen Rücken gehoben und aus dem Teich rausgeholt. Die Schimpansen legen ihm Heilblätter auf die Wunden und pressen Saft aus ihnen raus, um ihn auf die Wunde Tarzans tropfen zu lassen. Unverkennbar ist die Intention ersichtlich, Mensch und Tier als intime Verwandte darzustellen, wobei den Tieren moralische und praktische Fähigkeiten zugestanden werden, die an die menschlichen heranreichen. In dieser filmischen Botschaft wird das herabwürdigende Verständnis des Menschen für das Geschöpf Tier ganz radikal revidiert, was der exotischen Abenteuerreihe eine einzigartige, ethische Dimension verleiht, aktuell in Bezug auf das reale Verhalten des Menschen gegenüber dem Tier und der ganzen Natur.
2.)
Deutscher Titel: Tarzan und sein Sohn
Originaltitel: Tarzan finds a Son
Produktionsland: USA
Premiere: 1939
Mit: Johnny Weissmüller, Maureen O'Sullivan, Johnny Sheffield, Henry Wilcoxon u.A.
Regie: Richard Thorpe
Genre: Abenteuer
SW
4. Film der 12-teiligen Reihe mit Johnny Weissmüller
Bei einem Flugzeugabsturz über dem Dschungel verunglückt ein junges Ehepaar tödlich. Das dabei mitführende Baby überlebt und wird von Schimpansen gefunden. Cheetah bringt das Bündel zu Tarzan und er nach Hause zu Jane. Das Kleine wird so zum Adoptivsohn der Beiden. Boys Figur fügt sich sehr gut in die vierte Fortsetzung der Filmreihe und gibt ihr einen frischen Impuls. Der am 15. Oktober 2010 infolge Herzinfarkt verstorbene Johnny Sheffield brilliert als gewandter und beweglicher Kletterer, Lianenschwinger und Reiter. Problemlos geht er mit den befreundeten Tieren um, fügt sich nahtlos ein in die paradiesische Idylle, neckt seinen Oheim mit waghalsigem Übermut und schreit seine junge Lebenslust so richtig frei in die Welt hinaus, bis er sich in lebensgefährliche Schlammassel verstrickt, aus denen ihn Tarzan befreien muß. Die Tauch-, Schwimm- und Sprungszenen von Tarzan und Boy sind reizend, wenn auch eine Wasserschildkröte dabei kurz mal geärgert wird.
Auch in der vierten Fortsetzung mit Johnny Weissmüller als Tarzan, gelangen Weiße in den Dschungel, wo sie mit ihrer Niedertracht die Idylle bedrohen. Diesmal sind es Verwandte des Jungen, die aufgrund der Hoffnung auf die Entdeckung der sterblichen Überreste der Verunglückten ein reiches Erbe für sich beanspruchen dürfen. So freuen sie sich geradezu, als sie das Flugzeugwrack finden, sind aber wieder ernüchtert, als sie des Juniors Existenz gewahren. Und so hat Tarzan wieder alle Hände voll zu tun, um den Dschungel von Neuem auszumisten. Und diese Hauptkehrung nimmt er wie gewohnt äußerst gründlich vor wie immer mit Hilfe seines Elefanten(putz)trupps. Und selbst wenn ihm Jane dreinfummelt, lässt er sich von seinem Putzfimmel nicht abbringen. Als sie ihm in einer tiefen, senkrechten Schlucht das rettende Seil abzwickt, ist es schließlich Boy, der gut macht, was sie verbockt hat. Ihren kurzen Fremdgang sühnt sie mit einem freiwillig auf sich genommenen Lanzenstich in den Rücken. Verletzt in den Armen Tarzans liegend bezeugt sie am Ende reumütig seine moralische und praktische Unantastbarkeit und erwacht zu neuem Leben, als sie daraufhin von ihm leicht angelächelt wird. In dieser Fortsetzung ist Jane an sich sehr gereift und Tarzan ihrem Machtanspruch endlich entwachsen.
Das ist für folgende Verfilmungen sehr gut.
Eine gelungene Abenteuerverfilmung mit viel familiärer Nestwärme und unschuldig-derber Neckerei.