Film 1
Deutscher Titel: Tarzan wird gejagt
Originaltitel: Tarzan and the Huntress
Produktionsland: USA
Premiere: 1947
Mit: Johnny Weissmüller, Brenda Joyce, Johnny Sheffield u.A.
Regie: Kurt Neumann
Genre: Abenteuer
SW
Spieldauer: 70 Minuten
Elfter und vorletzter Film der 12-teiligen Reihe mit Johnny Weissmüller
Der Regisseur Kurt Neumann hatte es offensichtlich gelernt, einen Film solide aufzubauen, was man dem vorliegenden Streifen dankbar anmerkt. Der Film beginnt liebenswürdig mit herzigen Szenen der Natur und Tierwelt und harmonischen Bildern des einträchtigen Lebens von Tarzan, Jane und Boy.
Das Thema ist gut gewählt - Streben westlicher Ausbeuter, Tiere einzufangen und in den Westen zu transportieren, um sie an Zoos zu verkaufen und damit Geld zu machen. Die ideale Gelegenheit, Weissmüller als Tarzan und Beschützer des Dschungels trumpfen zu lassen.
Schon im Anfang bekundet dieser seine Mission: als Boy mit dem Pfeil nach einem Vogel zielt, ermahnt ihn Tarzan vorsorglich, Tiere nicht um der Lust willen zu töten, sondern wegen der Nahrung. Boy jedoch beruhigt Tarzan mit den Worten, dass er nicht auf den Vogel, sondern die Obstfrucht daneben schießt. Und stellt prompt seine Treffkunst unter Beweis.
Solche Szenen tun dem Film wohl und verleihen ihm glaubwürdigen Charakter von zeitloser Aktualität.
Man muß sich vorstellen, dass kurz vor der Erstellung des Films im Jahre 1946 ein mehrjähriger Weltkrieg wütete, der Millionen von Menschen das Leben kostete. Als nun das Töten beendet ist und sich die Menschen dem Leben zuwenden, erscheint die Welt als würdig, um in Ehrfurcht respektiert und genutzt zu werden. Es war damals ein kurzer Augenblick des Innehaltens, der nicht lange dauerte, doch in diesem wurde der Film gemacht, dessen ehrfürchtige Intention man wohltuend wahrnimmt. Diese kollektive geistige Würdigung erlangen auch Tiere in dem Film, was man sehr stark mitempfindet.
Weissmüller hätte mit seiner Physis noch zehn Jahre als Tarzan agieren können, so man ihm dafür die filmischen Bedingungen gegeben hätte.
Die musikalische Untermalung im Film ist vortrefflich, die Handlung flüssig, der Schnitt perfekt. Tarzan ist hier wieder der, der er auch sein soll - Beschützer der wilden Tiere, mit denen er zu kommunizieren fähig ist und in Gemeinschaft mit ihnen die Übeltäter nach Hause schickt.
Film 2
Deutscher Titel: Tarzan in Gefahr
Originaltitel: Tarzan and the Mermaids
Produktionsland: USA
Premiere: 1948
Mit: Johnny Weissmüller, Brenda Joyce, Johnny Sheffield u.A.
Regie: Robert Florey
Genre: Abenteuer
SW
Spieldauer: 65 Minuten
Zwölfter und letzter Film der 12-teiligen Reihe mit Johnny Weissmüller
In diesem Film verabschieden wir uns auf respektvolle und dankbare Weise von Johnny Weissmüller als Tarzan, der uns in seiner Vorstellung viele wunderbare Momente visueller Freude schenkte.
So soll der exotisch angehauchte Film, welcher in Mexiko gedreht wurde, als ein sonniges Symbol dienen, für den strahlenden Charakter eines unbefangen jungfräulichen Schauspielers, der seinen Lebensabend verarmt am Drehort seines letzten Tarzanfilms verbrachte bis zum allerletzten Absprung hinauf in die Ewigkeit.
Der Tempel am Gipfel der Felseninsel ist Weissmüllers Siegespodest, auf dem er als Tarzan die Diamantmedaille für sein konsequentes Schwimmen gegen den Strom skrupelloser Ausbeuter empfängt. Weissmüller, der auf zwei Sommerolympiaden 1924 und 1928 insgesamt fünf Goldmedaillen in Schwimmen und eine bronzene in Wasserball gewann, sowie mehr als 50 Weltrekorde im Schwimmen aufstellte, hat es sich verdient, Symbolfigur einer reinen Naturliebe zu sein in absolutem Einklang mit dem Universum.
In der Handlung des Films wird ein Volk dargestellt, das am Wasser lebt, die Aquatanier. Sie alle stammen von Weissmüller ab und er ist ihr Urvater. Das Wasser war das Elixier Weissmüllers, mittels welchem er seinen diamantenen Glanz schliff. Die meisten Tarzanfilme hatten ihre Handlung im beschatteten Dickicht des Dschungels - der letzte des Aquamanns im Delta der Heimkehr - das Ziel ist erreicht, das Werk ist vollbracht. Alles Leben stammt aus dem Wasser - Weissmüller war der lebende Beweis dafür. In seinem letzten Tarzanfilm schenkt er sich dem Wasser zurück. Die Perle, welche am Grund des Meeres schlummert, diese Perle war Weissmüller selbst. Alleine tauchte er auf aus dem Dunkel der rumänischen Urheimat und schenkte seine naive Unschuld der Menschheit.
Die Jungfrau Mara soll dem Götzen geopfert werden. Sie springt vom Felsen ins Meer, das sie auffängt und umschließt wie eine Muschel, welche ihre Perle vor den Fängen der Kraken schützt. Tarzan ist dieses bergende, schützende Meer, diese umschließende, rettende Muschel. Er ist der Befreier der unterjochten Sklaven, der bedrohten Jungfrauen. Er ist der Menschenfischer, der in einem Netz die Meerjungfrau fängt und ans Land zieht, der Josef von Nazaret, der die Jungfrau vor allen Nachstellungen der Feinde bewahrt.
Eigenartigerweise hat sich in die letzte Rettungsaktion Weissmüllers als Tarzan die triumphale Musik Dimitri Tiomkins eingespielt, welche auf sakrale Weise das Gesamtwerk des Helden zu ehren und adeln scheint. Und Weissmüller ist immer noch von schöner und stattlicher Erscheinung, um diese Ehrung in edler und würdiger Weise entgegenzunehmen.
Die originalen, gefährlichen Sprünge der mexikanischen Jünglinge von den hohen Klippen sind atemberaubend. Bei einem der Sprünge kam Angel Garcia, ein Stuntman Weissmüllers bedauerlicherweise ums Leben. So mischen sich in jede Filmproduktion auch schwarze Flecken ein - wie das schwarze Blut der Riesenkrake, das sich nach der Niederlage gegen Tarzan über die ganze Bildfläche ergießt. Ein Symbol auch für den leidvollen Verlauf von Weissmüllers späterem Leben.
Aber gerade deswegen: Danke Johnny Weissmüller - Du bester Tarzan der Filmgeschichte!
Mögest Du ewig leben!