Obwohl Johnny Weissmüller dreizehn Jahre nach seinem Tarzandebüt immer noch eine gute Figur macht, verkommt er bei Regisseur Kurt Neumann zum Statisten. Dabei würde die Geschichte der Amazonen und Leopardenmenschen zwei fesselnde Abenteuer gewährleisten, wenn sie mithilfe dilletantischer Machart nicht kaputt gedreht würde.
Beispiele gedankenlos gemachter Szenen:
Film 1:
Boy liegt am Floß sorglos nahe beim Wasser und daneben schwimmt ein hungriges Krokodil.
Träge dahintapsende Leoparden jagen ein Amazonenmädchen.
Tarzan rettet es mit einem einzigen Messerwurf.
Kilometerlang trägt er es auf seinen Händen zu dessen feministischem Volk.
Als Jane nach längerem Aufenthalt in England in den Dschungel zurückkehrt, steht sie im hohen Baumhaus in Stöckelschuhen da. Wie sie mit diesen den Baum erklomm, ist rätselhaft. Neben ihr hält Tarzan die Reisekoffer in der Hand, mit welchen er offensichtlich mühelos auf den hohen Baum kletterte. (Der Lift aus den ersten Folgen wurde abgeschafft)
Im Finale hüpfen die Amazonen wie Revuetänzerinnen aus einem Musical.
Ihr kriegerischer Beitrag mit Pfeil und Bogen dauert im ganzen Film nur zwei Minuten.
Film 2:
Tarzan und ein behäbiger Ringkämpfer wippen stehend rauf und runter im beiderseitigem Schwitzkasten.
Cheeta spielt auf einem Blasinstrument gekonnte, anspruchsvolle Melodieklänge, die jedem Filmkomponisten alle Ehre machen würden.
Die Choreographie des Kriegstanzes der Leopardenmänner ist lächerliche Hollywood-Revue.
Der Widerpart von Boy, ein Leopardenmann-Lehrling, vermittelt ständig einen gestressten, überforderten Eindruck.
Ein Floß mit vier jungen Frauen nähert sich manövrierunfähig dem Ufer mit Krokodilen. Bevor die Krokodile zuschnappen können, erreicht Tarzan schwimmend das Floß und zieht dieses am Strick unbehelligt durchs Wasser in die sichere Zone. Die Krokodile beobachten fassungslos, wie ihr Mittagsessen davoneilt.
In der 40-sten Spielminute des ersten Filmes sagt der 40-jährige Weissmüller:
Nicht gut, wenn Männer sehen in Sonne. Sonne ist Gold. Zuviel Gold macht Männer blind.
Mit diesem Satz kennzeichnet er in treffendster Weise sein eigenes tragisches Schicksal.
Einmal mehr stemmt er sich als Tarzan verzweifelt gegen die vereinnahmenden Absichten Janes, welche ihn zum x-ten male für die Interessen der westlichen Eindringlinge zu beeinflussen trachtet. Und man merkt ihm schon die Mühe dieses ewigen, wie sinnlos erscheinenden Dagegenhaltens, weil Jane auch in neuntem Teil nichts gelernt zu haben scheint aus dem Leben.
Als er seinen Widerstand Jane gegenüber bekundet, so tut er es liegend am Boden, ermattet, schlaff und mit einem traurigen Blick aus seinen schönen Augen.
Jane erhebt sich von ihrem Sitz und steht thronend und drohend zugleich über dem darniederliegenden Tarzan:
Wenn du uns nur einen Grund für deine Weigerung sagen würdest...
Und:
Was soll ich machen? Ich werd ihnen sagen, dass du auf deine eigensinnige Ansicht bestehst!
Als sie sich auf den Weg macht und Boy ihr nachsetzt, verbietet sie es ihm mit den Worten:
Das wird Tarzan nicht wollen. Du könntest ja bei meinen Freunden etwas lernen!
Und so bringt sie selbst den gutmütigen Boy gegen Tarzan auf.
Mit einer sich schützen wollenden Geste hält der liegende Weissmüller seine linke Hand abgewinkelt hoch, gleich dem Hals eines sterbenden Schwans. Seine Rechte sucht Halt im Gras. Er wird zeit seines Lebens den Halt nicht mehr finden.
Und die beiden Filme vermag selbst er nicht zu retten, auch wenn er ganz Afrika befreit.