Tartufo mortale: Leonardos zweiter Fall. Von Kurt E. Becker
Wer "Tartufo" gelesen hat, greift auch zu "Tartufo mortale". Denn der Leser von "Tartufo" ist nolens volens schon von Leonardo bezaubert und wird dessen zweiten Fall an einem einzigen Leseabend verschlingen. Mitfühlend, begeistert, Tränen lachend und da und dort ein bisschen klüger. Wie bereits bei Leonardos erstem Fall.
"Tartufo mortale" ist ein Kriminalroman. Und was für einer. Leonardo, der Ich-Erzähler, ist ein begnadeter Weinkenner, Feinschmecker, Hobbykoch und hat eine kriminalistische Nase, die auch zur Trüffelsuche taugt. Leonardo ist nämlich ein Trüffelschwein. Wie schon Leonardos erster Fall glänzt auch "Tartufo mortale" mit einem bemerkenswerten Blick auf die Welt und die Menschen in ihr - aus der Sicht der Schweine. Leonardo, Caruso, Kleopatra und - als "Gäste" bei "Tartufo mortale" Tiffany und Maximo - bilden die Schweinepopulation des Romans, mit einem klaren Urteil zu allem Menschlichen unter schweineethischen Gesichtspunkten. Die Philosophie kommt dabei genauso wenig zu kurz wie die Historie. Über den Benediktinerorden und die Regeln des Heiligen Benedikt lernt der Leser in "Tartufo mortale" sehr viel. Besonders hübsch der Abschnitt über die Erfindung des Mönchstums durch die Schweine, der den Leser grübeln macht: Dichtung oder Wahrheit? Oder die wunderbare Erkenntnis des Schweine-Philosophen Vestalus in dessen "Götzenhämmerung": "In der harten Rübe steckt eine süßer Saft. Zerschmettere die Rübe und du verlierst den Saft".
"Tartufo mortale" spielt in einem Benediktinerkloster in Umbrien. Wer Umberto Eccos Im Namen der Rose" gelesen hat, wird Leonardo zum legitimen Nachfahren William von Baskervilles erklären. Auch in "Tartufo mortale" spielen alte Bücher eine bedeutende Rolle. Und Rosen, allerdings in anderem Kontext, verweisen nicht nur auf eine Geheimsekte sondern sind auch Indizien, die letztlich zum dreifachen Mörder führen.
"Tartufo mortale" ist ein Unterhaltungs- und Bildungsknüller, flott geschrieben, süffig zu lesen und macht den Leser süchtig nach mehr. Wann, Herr Zdral, kann mit Leonardos drittem Fall gerechnet werden?