"Das ermittelnde Trüffelschwein", so heißt es auf der Rückseite. Nun, nach der letzten Seite und insgesamt vier Leichen, denke ich eher "das mordende Trüffelschwein". Der letzte Satz macht ja auch deutlich, dass es nicht bei vier Leichen bleiben muss. Also immer gut stellen mit dem Schwein und vor allem der "Padrona" nicht zu nahe kommen (auch nicht auf nette Art und Weise), sonst könnte man die nächste Leiche sein ...
Insgesamt haben alle anderen Schweine in diesem Buch mehr Antrieb als gerade Leonardo. Leonardo möchte nur trinken, essen, Verdauungsschläfchen halten und die Menschenfrau beschnuppern. Er hat Angst im Dunkeln, etc. etc. Es sind doch eher alle anderen Schweine in diesem Buch, die sagen: "Komm, lass uns mal ... [untersuchen, nachspionieren, herausfinden, verstecken, belauschen, etc.]" Nur beim Thema "Mord" (Beschützen, Aufhalten, Rächen, ...), da zeigt sich Leonardo plötzlich voller Elan ...
Die Gattung Schwein in Tartufo unterscheidet sich in nichts als dem Aussehen von den Menschen. Ebenso ihre Dialoge. Sie diskutieren, sie trinken Wein, sie schreiben, sie lesen, sie hören und verstehen Opern, sie können selbst Arien summen und singen und last but not least betonen immer und immer und immer wieder, wieviel klüger als die Menschen sie doch sind. Jeder prominente Mensch der letzten Jahrhunderte von Einstein bis zu Rembrandt wird zum Schwein gemacht. (Einschübe, über die ich in der zweiten Hälfte gerlernt habe hinwegzulesen. - Sollte das witzig sein?) Wenn die Schweine doch ach so klug sind, warum bedienen sie sich dann nicht ihrer Schreibfähigkeiten und schreiben den zuständigen Menschen alles auf, was sie herausgefunden haben? (Im Papierkorb muss doch sowieso eine Zeitung mit dem kragelig aufgeschriebenen Wort-Rätsel liegen ...)
Das Superklischee des bösen Kommisars hätte die Zuspitzung auf die Zudringlichkeit und Mord-Zuschieb-Drohung gar nicht gebraucht. Ebenso war der letzte Jauchegruben-Mord für meinen Geschmack etwas "too much" (Matsch, Haha.) und die Verdi-Rätsel-Strecke sowieso überfüssig. Wieso nicht sofort in der Statue nachsehen?
Ich schließe mich einem meiner Vorschreiber an: Im Gegensatz zu Glennkill ist Tartufo kein Buch, das die Welt unbedingt gebraucht hat.
Nichtsdestotrotz lässt sich die Geschichte in (fast) einem Rutsch lesen. Als Urlaubs- oder Bahnfahr-Lektüre absolut tauglich. Und was braucht man mehr? ;-)